Shoppingclubs im Internet boomen. In acht scheinbar exklusiven Communities sah sich die Verbraucherzentrale NRW um. Die Erkenntnis: Auch wenn die Preise schon mal stimmen: Die Jagd nach Schnäppchen ist zeitaufwändig und bleibt häufig erfolglos.
„Willkommen im Shoppingclub“: Diese Art von Portalen im Internet hat Konjunktur. Rund ein Dutzend Clubs umgarnen mittlerweile die Schnäppchenjäger. Um Mitglied zu werden, braucht es „einen Paten oder einen Einladungscode“. Und sie versprechen Rabatte satt, in der Regel von bis zu 70 Prozent gegenüber den unverbindlichen Preisempfehlungen (UVP) der Hersteller.
Einige bieten jeden Tag ein technisches Gerät an oder starten im Monat fünf bis sechs Verkaufsaktionen, andere schaffen zwei bis drei davon pro Tag: oft mit dutzenden, gar mit hunderten Artikeln einer Kollektion.
Mal beschränkt sich ein Clubbetreiber auf Bekleidung und Schuhe, auf Angebote für Eltern, mal erweisen sich Communities als Gemischtwarenläden.
Die Verbraucherzentrale NRW hat sich in acht Shoppingclubs umgesehen. Für vier Wochen ließen sich die Tester „kostenlos“ einladen: von Brands4friends.de, BuyVip.com, Clubsale.de und Limango.de, von PaulDirekt.de, PrivatOutlet.com, Vente-privee.com und 4Clever.de.
Dabei zeigte sich: Eine exklusive Einladung brauchte es für keinen der acht Clubs. Entweder standen die Betreiber selbst als Paten zur Verfügung oder ein Alt-Mitglied wurde per Mausklick vorgegeben. Stets reichte eine simple Registrierung, um in die Community zu gelangen. Eine Ausnahme machte allein Clubsale.de. Hier musste sich die Verbraucherzentrale der täglich neuen Verlosung von zehn Mitgliedschaften stellen, und wurde - welch Glück - einen Tag später „als Gewinner“ und Clubmitglied begrüßt.
Mehr noch: Mitglieder werden ständig animiert, Neukunden anzuwerben - um für jeden einen Einkaufsgutschein im Wert zwischen fünf und zehn Euro zu kassieren. Mittlerweile werben die größten Clubs schon mit mehreren Millionen registrierten Kunden. Von wegen exklusiv.
Punkten konnten die Shoppingclubs hingegen bei ihren Aktionspreisen, die in der Regel zwei bis vier Tage gültig sind. Allerdings sollten Mitglieder sich dabei nicht vom Unterbieten der unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller (UVP) blenden lassen. Die nämlich ähneln oftmals Mondpreisen und lassen sich von Schnäppchenjägern selten überprüfen.
Wesentlich aussagekräftiger als der UVP-Vergleich ist das Ergebnis von Preissuchmaschinen im Internet. Die Verbraucherzentrale NRW fütterte kostenlose Web-Rechercheure mit 24 (drei je Club) verschiedenen Technikprodukten, Trendklamotten und Accessoires. Dabei gelang es jedoch nur vier mal, Offerten zu knacken. 20 mal behielten die Clubs die Nase vorn. Die Ersparnisse lagen dabei zwischen 0,5 (LCD-Fernseher bei PaulDirect) und 51,7 Prozent (Wanduhr bei BuyVip).
Im Schnitt konnten Schnäppchenjäger beim Club-Test rund ein Viertel gegenüber der Web-Konkurrenz sparen. Größere Preisdifferenzen fanden die Tester vor allem bei Bekleidung und Accessoires. Die 14 Artikel gab es im Schnitt rund 30 Prozent günstiger. Bei Uhren, Haushalts- und Unterhaltungstechnik (10 Artikel) waren immerhin gut 15 Prozent drin.
Das Manko jedoch: Ein Großteil der Ware entzog sich dem Preisvergleich. Vor allem Klamotten, Taschen und Sonnenbrillen stammten häufig aus der Vorsaison, aus Überproduktionen oder Restbeständen der Hersteller. Wer gezielt im Club nach bestimmten Artikeln sucht, hat nur wenig Aussicht auf Erfolg.
Zudem gilt das Flohmarkt-Prinzip: Früher Vogel fängt den Wurm. Der Verkauf startet nämlich in der Regel zwischen sieben und neun Uhr morgens - nicht gerade die ideale Shopping-Zeit für Werktätige.
Besonders ärgerlich: Vor allem bei Nobelmarken wie Armani, Versace oder Prada erschien oft schon kurz nach Verkaufsbeginn das „ausverkauft“-Schild. Bei Kleidung und Schuhen deutete der Verweis „teilweise verfügbar“ drauf hin, dass gerade die gängigsten Größen nicht mehr auf Lager waren.
Ein Beispiel dafür lieferte Buy-Vip bei Sonnenbrillen des Designers Gucci. Schon nach zehn Minuten waren alle 36 Modelle weg. Stammkunden, sogenannte „VIP’s“, hatten die Lagerbestände bereits geräumt, bevor normale Mitglieder 15 Minuten nach ihnen die Brillen ordern durften.
Wer häufiger im Club bestellt, erhält dieses VIP-Bonbon, der darf zudem bei ausgesuchten Artikeln mit zusätzlichen Preisnachlässen rechnen.
Rasche Kaufentscheidungen brauchte es bei Brands4friends. Hier waren nach gut zwei Stunden von 69 „Frühlingskrachern“ der Marke Barito (Sonnenbrillen, Uhren) gerade noch neun Modelle verfügbar. Bei Fila-Produkten prangte zwei Stunden nach Verkaufsstart unter 20 von 23 Artikeln der Schriftzug „ausverkauft“. Kurios: Die Mail mit der Einladung zu den Verkaufsaktionen trudelte erst zweieinhalb Stunden später ein.
Das sind keine Einzelfälle. Fix vergriffen waren auch Schuhe der Marke Geox bei Vente-privee. Spätestens am zweiten Verkaufstag taten sich bei zahlreichen Verkaufsaktionen aller Shoppingclubs erhebliche Lücken im Sortiment auf.
Kein Mangel herrscht hingegen bei der E-Mail-Versorgung. Ob Vorankündigungen oder Einladungen - rund 180 E-Mails zu Verkaufsaktionen erreichten die Verbraucherzentrale NRW während ihres vierwöchigen Tests.
Überaus lästig und obendrein teuer sind oftmals auch die Versandkosten. Einige Clubs verhökern zahlreiche Restposten für weniger als zehn Euro - und erheben Versandkosten in ähnlicher Höhe. Wer wiederum Ware aus verschiedenen Aktionen bestellt, muss für jede Lieferung das Porto berappen. Die Hersteller lieferten Waren schließlich zu unterschiedlichen Zeiten an den Club, heißt es bei Brands4friends. Genauso unregelmäßig würden die Kunden beliefert.
Deren Geduld wird obendrein heftig strapaziert. In der Regel nerven Shoppingclubs, etwa BuyVip und Vente-privee, mit Lieferzeiten von drei Wochen und länger.
Wer daraufhin genug vom Club-Leben hat, kann seine Mitgliedschaft zumeist mit einigen Klicks auf der Internetseite oder einer kurzen E-Mail beenden. Nur PrivateOutlet verlangt zum Abschied laut Kleingedrucktem (AGB) eine Abmeldung per klassischer Post: an die Pariser Zentrale. Die Verbraucherzentrale NRW versuchte es dennoch mit einer E-Mail - und war einen Tag später bestätigtes Ex-Mitglied.

