Das E-Book-Lesegerät „Kindle“, das es eigentlich nur bei Amazon gibt, scheint im Internet auch massenhaft illegal verfügbar zu sein. Das jedenfalls teilt das Unternehmen für Fälschungsbekämpfung und Markenschutz, OpSec Security, in einer Pressemeldung mit.
Anhand einer aktuellen Studie hat man den Einfluss von Internethandelsplattformen und Online-Foren auf die Markteinführung und den Vertrieb von Consumer Electronics am Beispiel des E-Book-Lesegeräts „Kindle“ und des DX-Modells von Amazon untersucht.
Durch die Beobachtung beliebter Online-Auktionen für Verbraucher, Verkaufsportale für Händler, Blogs und Foren lassen sich aussagekräftige Informationen über die Entstehung von Graumarkt und Produktfälschungshandel im Zusammenhang mit der globalen Markteinführung eines neuen Produkts gewinnen.
Die Ergebnisse der Studie sind alarmierend. So wurde das Kindle-DX-Gerät bereits am Tag des Verkaufsstarts auf einem großen Geschäftskundenportal von einer Firma mit Sitz in China angeboten und eine Auswahl von acht Angebotseinträgen auf einem bekannten Verkaufsportal für Händler ergab eine geschätzte Anzahl von 40.000 Kindle-Geräten, die innerhalb weniger Wochen nach der DX-Markteinführung verfügbar waren.
Zudem wurden auf Handels- und Auktionsportalen billige Imitate von Kindle-Geräten in Farben und Sprachen angeboten, die von Amazon nicht vertrieben werden. Wie die Untersuchung des Weiteren ergab, gaben Verbraucher auf Internetforen Tipps zur Umgehung der Vertriebsbeschränkung von Amazon auf die USA sowie zur Nutzung von Paketweiterleitungsdiensten. Im Zeitraum Juni bis September war unter den eBay-Auktionen fast eine Verdreifachung der Angebote von Kindle-Geräten (der Modelle 1, 2 und DX) zu verzeichnen, wobei die Anbieter oft auch mit der Lieferung außerhalb der USA warben.
Die Einführung eines vom Markt lange erwarteten elektronischen Produkts wie des Kindle-DX-Gerätes stellt einen Hersteller, der die Kontrolle über die Vertriebskette auf dem weltweiten Markt behalten möchte, vor eine schwierige Aufgabe. So bot zum Beispiel ein Verkäufer 2.500 E-Book-Lesegeräte der Version Kindle 2 pro Woche zu einem Stückpreis von 65 US-Dollar an, also weit unter dem Listenpreis von 299 US-Dollar. Von 33 Kindle-Angeboten, die zum Zeitpunkt der Markteinführung des DX-Modells auf Verkaufsportalen für Händler gelistet waren, stammten 75 Prozent aus Indonesien und China. Schnell entstand ein grauer Markt aus Auktionshändlern, die das Kindle DX zu Höchstpreisen verkauften und die Nachfrage in Regionen bedienten, in denen Amazon das Produkt nicht vertrieb. Innerhalb von vier Monaten ab Markteinführung hatte sich die Anzahl der angebotenen Kindle-Geräte (aller Modelle) auf eBay von 1.776 auf 5.092 Stück nahezu verdreifacht. Die Zahl der angebotenen Kindle-DX-Geräte hatte sich sogar verzehnfacht. Darüber hinaus wurden schwarze und japanisch-sprachige Kindle-Imitate entdeckt, die beide von Amazon nicht angeboten werden.
Im Rahmen der Studie untersuchte OpSec Verbraucher-Blogs und -foren auf Beiträge, die sich mit der Umgehung der Vertriebsbeschränkung von Amazon für das Kindle-Gerät beschäftigten. So tauschten Verbraucher Informationen über Online-Verkäufer, Zuverlässigkeit von Anbietern und Möglichkeiten zur Beschaffung von Kindle-Geräten in Ländern, in denen diese nicht verkauft werden durften, aus.
Dabei stellte sich heraus, dass neben der nahe liegenden Methode, die Geräte über Familie und Freunde zu bestellen, der Kauf bei eBay-Verkäufern, die auch ins Ausland lieferten, ein gängiges Verfahren war. Ebenfalls sehr beliebt war die Paketweiterleitung durch einen entsprechenden Dienstleister. Dieser Dienst umging die Beschränkung von Amazon, indem er die Geräte an eine Adresse in den USA lieferte, um sie von dort direkt an die Auslandsadresse des eigentlichen Empfängers weiterzuleiten.
Zudem lag die große Mehrheit der Angebote für DX-Geräte auf einem sehr hohen Preisniveau, was die Bereitschaft der Kunden zur Zahlung von Aufschlägen verdeutlicht. Die hohe Nachfrage wurde sowohl durch Amazons Ankündigung von Engpässen und längeren Wartezeiten bei der Lieferung nur wenige Wochen nach Verkaufsstart als auch durch das Interesse an dem neuen DX-Modell in anderen Teilen der Welt zusätzlich angeheizt.
Die wachsende Bedeutung des Internets als globaler Marktplatz und internationale User-Community hat zur Folge, dass der Verkaufsstart neuer elektronischer Produkte in Zukunft von der schnellen Entstehung eines Marktes für Grauimporte und Produktfälschungen begleitet wird. Käufer und Verkäufer nutzen das Internet zum Einkauf und zur Bewerbung von Produkten und etablieren dadurch einen Markt für die Verbreitung von nicht autorisierten und gefälschten Waren. Die Verknüpfung der Marktanalyse von E-Commerce-Plattformen und sozialen Medien versetzt Unternehmen in die Lage, schneller und effizienter auf die Bedrohung zu reagieren, die von Produktfälschungen und Grauimporten in der globalen Lieferkette ausgeht.

