Den IT-Handelsketten geht es viel, viel schlechter, als wir bisher glaubten. Und das Schlimmste dabei: Wir – ja, wir alle – sehen nicht, was da vorgeht. Das Elend wird gut getarnt, nur ab und zu einmal blitzt es für den normalen Kunden auf und offenbart sich in seiner schaurigen Tragik. Wie etwa bei Gravis, einem Unternehmen, das mir, nicht nur aufgrund der dort angebotenen Produkte, sondern auch durch die Freundlichkeit der Verkäufer im lokalen Shop, immer recht sympathisch war und von dem ich annahm, dass es sogar recht prosperierend sei.
Doch heute musste ich erfahren, dass auch dieses sympathische Unternehmen gezwungen ist, mit potemkinschen Dörfern zu arbeiten, wenn es mir in einem Newsletter scheinbar begeistert entgegenruft „Gewinnen Sie eine von 10 Flip Video HD Camcordern“. Und es ist nicht die verzweifelt missbrauchte Grammatik dieses Aufrufs, die mir die Augen öffnete, sondern der Satz „Unter allen Teilnehmern verlost die GRAVIS Glücksfee 10 Cisco Flip Cams, die Sie für 14 Tage zum Test erhalten.“
Na, stutzen Sie auch? Also ich schon – denn ich habe das immer so gelernt, dass mir ein Produkt, das ich in einer Verlosung gewinne, dann auch geschenkt wird. Dies vor allem dann, wenn es sich um ein eher preisgünstiges Produkt mit einem Verkaufspreis unter 200 Euro und einem vermutlich noch deutlich geringeren Einkaufspreis handelt.
Was muss mit einem Unternehmen los sein, dass mir in der Vorweihnachtszeit ein 180-Euro-Produkt schmackhaft macht, mir einen möglichen Gewinn dieses Produktes in Aussicht stellt, nur um mir wenige Zeilen später, in einem mit Deppen-Leerzeichen komplett verunstalteten Satz, mitzuteilen, dass man tatsächlich so gütig ist, einen sagenhaften Testzeitraum von 14 Tagen auszuloben.
Ich will das ja jetzt nicht madig machen, aber wenn ich so ein Ding online bestelle, ist dieser Testzeitraum eigentlich sogar schon automatisch mit dabei.
Und was soll eigentlich mit den 10 (wir reden nicht wirklich von großen Stückzahlen) Kameras nach dem Test passieren? Die sind ja dann nun mal gebraucht. Werden die dann den „Gewinnern“ zum Selbstkostenpreis angeboten? Nee, das wäre ja doch etwas dreist. Oder werden die dann zum „Sonderangebot mit geringen Benutzungsspuren“ oder „Vorführgeräten“?
Also, liebe Leute bei Gravis, wenn Ihr es Euch wirklich nicht mehr leisten könnt, knappe 1800 Euro in eine Verlosung zu investieren, dann solltet ihr es vielleicht lassen. Ein 14-Tage-Test ist jedenfalls nicht das, was man gemeinhin unter dem Gewinn eines Camcorders versteht und hinterlässt, zumindest bei mir, einen etwas schalen Eindruck.


18. Dezember 2009 um 15:57
Moin,
vielleicht wirken sich die Preise aus. Heute bekam ich von Gravis eine Antwort. Es gibt nur eine WebCam für mein PowerBook, und die kostet 99,99 €uro. Da überlege ich mir, ob ich die wirklich brauche.
Aber bei so einem “Gewinn” würde ich mich vera-lbert fühlen. Das sollte Gravis lieber lassen.
herzlichen Gruß
Buck McQue
18. Dezember 2009 um 16:55
Ich habe den Newsletter auch bekommen und das so verstanden, dass die 10 Gewinner in den 2 Wochen Videos drehen und eines davon dann einschicken sollen.
Im nächsten Absatz lese ich dann, dass auf 10 Personen (also alle die ein Exemplar bekommen haben), die auch ein Video eingesendet habe, eine Überraschung wartet. Wahrscheinlich dürfen diese dann ihre Minicams behalten!
Im Endeffekt ist das also ein ganz normales Gewinnspiel, bei dem der Hersteller der Cams (glaube nicht, dass sich Gravis das ausgedacht hat) einfach noch ein paar User-Videos möchte, um das für weitere Promotionzwecke zu nutzen.
Eine Minicam im Wert von 200€ im Gegenzug für ein lustiges Uservideo, welches ich wohl in 10 Minuten gedreht habe, finde ich mehr als fair - ich habe mich jedenfalls gleich registriert und hoffe, dass ich zu den 10 glücklichen Gewinnern gehöre!
18. Dezember 2009 um 17:37
@Max
> Wahrscheinlich dürfen diese dann ihre Minicams behalten!
Das ist eine sehr zukunftsgerichtete Hoffnung und eben nur ein “vielleicht”. Der Gewinn ist ausdrücklich die zweiwöchige Testphase. So gesehen kann ich beispielsweise bei jeder Amazon-Bestellung zu den “Gewinnern” gehören.
In einen “ganz normalen Gewinnspiel” ist meist klar, dass man ausgelobte Preise, speziell solche, die sich im eher preisgünstigen Rahmen bewegen, auch behalten darf.
Übrigens wäre es natürlich ein Trugschluss des Unternehmens, davon auszugehen, sie dürften ein eingeschicktes Video ohne Gegenleistung für Promo-Zwecke nutzen. Ich zumindest würde diese Rechte nicht so ohne weiteres aus der Hand geben.