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Von Koberern und Kartenlesern

01. Juli 2009

Die Telekom wird ja nicht müde, ihre neuen DSL16plus- und VDSL-Produkte namens „Entertain“ von Call-Centern vermarkten zu lassen. Auch mich hat der Anruf eines solchen Koberers erreicht, der mir mitteilte, dass bei mir „Entertain“ möglich sei – man würde schließlich nur die Kunden anrufen, die im Schaltungsgebiet liegen.

Nach einiger Überlegung – ich bin schon länger Kunde bei der Telekom und weiß, was da so passieren kann – entschloss ich mich zum Kauf und war doch etwas erstaunt, als man mir mitteilte, dass bei mir ein Anschluss nicht möglich sei.

Ich verglich aus Interesse meinen Wohnort mit der Karte der Telekom, auf der man, so die Telekom, Verfügbarkeit und Ausbaustatus sehen kann. Auf dieser Karte sind Gegenden, wo es DSL16plus gibt, in einem leichten Rosa (oh, müsste ich jetzt Magenta sagen?) gekennzeichnet, Bereiche mit VDSL sind in dunklerem Rosa dargestellt.

Aber was bedeuten diese Farbflächen, in deren Mitte ich laut Karte wohne, eigentlich? Die Webseite der Telekom teilt uns mit, dass wir in der Karte den Ausbaustatus an unserem Wohnort prüfen können. Aha. Ausbaustatus. Als Normalbürger würde ich jetzt vermuten, dass ein Ausbaustatus anzeigt, wie weit man etwas bereits ausgebaut oder fertig gestellt hat. Aber ist das auch das Verständnis der Telekom?

Nun ist die Telekom vermutlich dass einzige Unternehmen, das es schafft, schon den Titel einer Seite mit Fußnoten zu versehen. Da gibt es dann gleich nach ein bisschen Auf- und Abrollen auf der Seite eine tolle Erklärung des Verfügbarkeitsstatus:

„DSL ist in vielen und VDSL ist in einigen Anschlussbereichen verfügbar“. Ja nee, is klar. Und nachts ist kälter als draußen. Für diesen Blödsinn setzten die tatsächlich eine Fußnote in die Überschrift?

Auch die Fußnote 26 hilft nicht weiter, wenn wir herausfinden möchten, was uns die Telekom auf der tollen Karte eigentlich tatsächlich zeigt:

„Aus technischen Gründen zeigt die Karte lediglich den Ausbaustand, nicht die tatsächliche Verfügbarkeit. Sie dient der Veranschaulichung und ist nicht verbindlich.“

Aha, der Ausbaustand hat mit der Verfügbarkeit nicht zu tun. Warum steht dann über der Seite mit dem Ausbaustand Verfügbarkeit steht, weiß nur die Telekom. Und immerhin sagen sie uns auch:

„Prüfen Sie gleich in der Karte den Ausbaustatus an Ihrem Wohnort. Die Karte wird aktualisiert, sobald der Ausbau in weiteren Gebieten abgeschlossen wurde.“

Also, hier wird auf einer Karte tagesaktuell dargestellt, wenn etwas ausgebaut wird. Aber eigentlich hat das nichts zu sagen, denn es dient nur der Veranschaulichung. Und da, wo tagesaktuell ausgebaut wurde, weiß man nicht, ob man es auch bekommt. Wenn das Ganze aber doch sowieso nur so etwas wie eine illustrative Skizze ist, auf der im Prinzip auch ganz Alaska rosa getüncht sein könnte, warum dann die Mühe mit der angeblichen tagesaktuellen Aktualisierung?

Aber wer sollte das besser wissen als die Macher der Karte selbst, die tagesaktuell das Rosa nachmalenden Könige des Ausbaustatus, die Prinzen der Verfügbarkeit: die Telekom.

Also fragte ich kurzerhand die Leute, die es wissen müssen. Unter anderem stellte ich in meiner Mail die folgenden Fragen: Was bedeutet der hier dargestellte Status? Sind diese Gebiete bereits mit DSL 16+/VDSL versorgt oder werden sie definitiv in Zukunft versorgt? Falls eine zukünftige Versorgung geplant ist, welcher Zeitraum ist in Planung?

Es sollte ja ein leichtes für die Fachleute der Telekom sein, rasch einmal nachzuschlagen, was ihre Karten eigentlich darstellen. Bestimmt gibt es ein internes Handbuch, wo man unter „Ausbaustatus“, Verweis „Kunden und Verkaspern“ nachlesen kann, was der ganze Spöks eigentlich darstellen soll.

Und – ich wollte es kaum glauben – kaum zwei Stunden später hatte ich schon die Antwortmail in Händen. „Sehr geehrter Herr Kieslich“, teilte mir da die Telekom mit, „vielen Dank für Ihre E-Mail.“ Ich wusste es ja, soviel Interesse wird die Telekom beeindrucken. „Zur eindeutigen Identifizierung und genauen Recherche senden Sie uns bitte noch folgende Angaben…“

Moment, um mir zu erklären, was die lustigen rosa Karten tatsächlich darstellen, benötigen die Telekomiker meinen Namen (der fröhlich über meiner Anfrage steht – immerhin haben sie mir ja sogar mit Anrede geantwortet), meine Adresse (die unter meinem Namen steht), dann noch meine Telefonnummer (raten Sie, wo die zu finden ist)? Und damit sie wirklich sicher sein können, dass sie ihre wertvolle Karteninfo nicht einem Spion einer feindlichen Großmacht anvertrauen, brauchen die Telekasper auch noch mein Geburtsdatum, mein Buchungskonto und meine Kundennummer. Und da hab ich noch Glück gehabt – hätte ich nach dem Rezept für den hochgeheimen Magenta-Farbton gefragt, hätte ich vermutlich noch ein Zahnschema und die Größe meiner Unterhose mit abgeben müssen. Apropos: Warum hat die Telekom eigentlich elektronische Kundenkonten, bei denen all diese Daten sowieso vorliegen und übertragen werden?

Also, seid mir nicht böse, liebe Telewichtel, aber das nennt man Verzögerungstaktik – und ziemlich plump ist es auch noch.

Einen Tag später erhielt ich dann doch noch eine Antwort von der Entertain-Spezialkombo der Telekom: „Bitte geben Sie uns etwas Zeit, um Ihre Anfrage zu bearbeiten. Sie erhalten so schnell wie möglich eine Antwort. Bis dahin bitten wir Sie um etwas Geduld.“

Das war vor 13 Tagen – offenbar wollten noch nicht allzu viel Menschen wissen, was das Rosa auf den Karten eigentlich darstellt. Oder vielleicht wissen es auch nicht allzu viele Menschen bei der Telekom.

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16 Antworten zu “Von Koberern und Kartenlesern”

  1. jo. sagt:

    tja, gibt es wirklich noch unbelehrbare in sachen telekom? ich glaubs ja bald nicht………….. ich für meinen teil habe das problem ganz einfach gelöst: alle kabel und boxen raus aus dem haus, alles was mit telekom noch zu tun hatte hinterher in die abteilung elektronikschrott und umgestiegen auf umts: bumms: es geht alles und ich habe meine ruhe

  2. Gerhard Westphal sagt:

    Hallo,

    Ich sage nur bravo, bravo, bravo. So lebt die Telekom. So kennt man sie. Eine köstliche Geschichte über die never ending story der Telekom.

    Danke dafür.

  3. Ernst Maaser sagt:

    Sehr geehrter Herr Kieslich,
    Ihr Artikel und meine Erfahrungen gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Um meinen Telekomfrust als langjährigem Kunden zusammenzufassen, wechsele ich per August meinen Provider.

  4. Wolfgang Böhme sagt:

    Werter Herr Kieslich
    nicht nur bei Ihrem Lieblingsfeind Telekom gibt es diese Verarschungstaktik. 1&1 bietet mir, ich bin seit 2006 dort 16000er Kunde, eine Doppelflat für DSL und Telefon an, behauptet aber steif und fest mein Wohnort läge in einem wenig ausgebauten Gebiet und das würde 5€ pro Monat kosten. Auch auf Anfrage ist nicht heraus zu bekommen wie lange ( 1-100 Jahre) denn diese 5€ zu zahlen sind.
    Weiter so!!!
    W. Böhme

  5. Patrice OW sagt:

    Aaah, DAS kommt mir so bekannt vor…

    Nachdem mir ein solch (trotz allem) netter Mann einen neuen Tarif (Call & Surf irgendwas) am Telefon verkauft hatte, hörte ich zunächst 5 Wochen Nichts.

    Auf Nachfrage hieß es dann “Oh, irgendwie untergegangen…” und nach weiteren 3 Wochen war die Umstellung von 1000 auf sagenhafte 1500 (!) erfolgt.

    Das parallele Telefonieren ging dann nicht mehr, man wollte es auf das Weihnachtsgeschäft schieben.
    Nach 6 Telefonaten mit verschiedenen Ansprechpartnern, die mir sogar einreden wollten, daß mein Router just bei dieser Umstellung kaputt gegangen sein musste, bekam ich einen Technikertermin, Dienstag zwischen 8:00h und 12:00h.

    Ich wartete von 8:00h bis 11:35h, als dieser nette Mann anrief - er hatte mal eben nur schnell etwas am Schaltkasten an der nächsten Kreuzung umgestellt … gesehen habe ich diesen Techniker übrigens nicht.

    Mehr als 1500 kann übrigens laut Telekom nicht bei uns übertragen werden …

    Mein Nachbar hat DSL 6000 - bei Vodafone …

  6. Buck McQue sagt:

    Moin!
    Bei einer ähnlichen Anfrage habe ich zurück geschrieben, man solle die Angaben doch einfach der Signatur entnehmen. Das Service-Team bedankte sich für mein Interesse und versprach baldige Antwort. Nachdem ich dann in einigen Abständen nachfragte, rief der Vertriebs-Außendienst meinen Chef an, der mir dann sagte, ich solle nicht nerven. Normalerweise bin ich der Ansprechpartner in unserem Laden…
    Auf die Antwort warte ich immer noch.
    herzlichen Gruß
    Buck McQue

  7. kieslich sagt:

    @ jo

    Das freut mich für Sie - ich wage aber zu behaupten, dass nicht jedem unbedingt mit UMTS gedient ist, so schön es auch ist. Und preislich ist es halt auch noch eine Entscheidungsfrage.

  8. Buck McQue sagt:

    Nachklapp @ Wolfgang Böhme:
    In machnchen Gebieten, vor allem auf dem Land, dort lebe ich auch, gehören alle Leitungen der Telekom. Die verlangt so viel Geld, daß 1&1 eine Zusatz-Gebühr von 5 €uro verlangt. Diese Gebühr ist fällig, so lange die Telekom die Duchleitungsgebühren nicht senkt, also auf immer. Auch bei anderen Anbietern wird dieser Zuschlag verlangt. In Ballungszentren gehören die Leitungen oft der Kommune, z.B. Duisburg oder Köln, oder anderen Anbietern, z.B. Acor. Da ist der Anschluß dann billiger.
    herzlichen Gruß
    Buck McQue

  9. kieslich sagt:

    @ Wolfgang Böhme

    Ich vermute, die Anbieter tun sich in Sachen unseriöser Außenwirkung nicht wirklich viel. Meine Meinung zu 1&1 habe ich ja vor längerer Zeit schon einmal ausführlich beschrieben - da braucht man zum Teil langen Atem und einen versierten Anwalt. Abe wie kommen Sie darauf, dass ich ein Feind der Telekom sei? Ich stehe dem Unternehmen sogar sehr positiv gegenüber - würde ich sonst auf den Unsinn, mit dem diverse Mitarbeiter sich selbst und dem Unternehmen den Ruf ruinieren, hinweisen und ihnen die Chance geben, etwas zu verändern?

  10. kieslich sagt:

    @ Buck McQue

    Ja, so eine “Oh, Sie haben noch keine Antwort erhalten. Geben Sie uns noch etwas Zeit, während wir raten, was wir antworten könnten”-Antwort habe ich auch auf meine erneute Nachfrage erhalten. Ich wette, es gibt da keinen, der weiß, was man da für teures Geld ins Internet gestellt hat, überhaupt bedeuten soll.

  11. Knies sagt:

    Der Ausbau läuft z. Bsp. in Freiberg/Sa folgendermaßen:
    O-Ton Bautruppleiter der Region:
    “Wir legen erstmal das Kabel und dann messen wir mal, welche Bandbreite zu schaffen ist…”
    Noch Fragen?

  12. Wolfgang Meyer sagt:

    Hallo, Herr Kieslich,
    sind Sie denn auch dem Werbeaufruf gefolget “DSL-Anschluss umstellen”? Bestandskunden der Telekom können so “mit einem Klick” bis zu 10 € sparen. Ich habe geklickt und wollte den Call & Surf Comfort Plus von 44,95 € auf 34,95 € mit 24 Monaten Bindung ändern.
    Gestern kam die Vertragsbestätigung - mit dem gleichen Preis wie vorher. Am Telefon sagte mir eine Mitarbeiterin, dass das Angebot nur für bestimmte Vorwahlnummern gelte. Einmnal fand ich dazu nichts und zum anderen hätte ein Rückruf weniger Arbeit und Kosten verursacht. Fazit: Bauernfängerei!

  13. Karl-Dieter Lemcke sagt:

    Hab auch noch so ein T-Com-Erlebniss: Kaufte vor ca. 3 Jahren einen Surf&Phone-Comfort Vertrag DSL 6000; geliefert wurde max. die Geschwindigkeit 3500, mehrfach gemessen unter http://www.whatismyipaddress.de.
    Bis heute gab es nur eine Verschlechterung um ca 23% auf 2700, gemessen zu unterschiedlichen Tageszeiten mit der schon genannten Option.
    Kommentar eines T-Punkt-MA: Seien Sie froh, ich selbst u.a. haben weniger als 1000.
    Nur es fehlt die Aternative: Andere Provider kriegen über den letzen letzten Abnehmer-Kilometer auch nicht mehr, wenn die technik nicht geändert wird.

  14. Buck McQue sagt:

    Moin!

    Neben vielen anderen schönen Dingen verkaufen wir in dem Laden, in dem ich arbeite, auch DSL-Verträge. Alle wollen DSL 16.000, aber die wenigsten wissen, was sie damit anfangen sollen. Wenn wir Software von unserem Großhändler laden, dann erreichen wir tatsächlich die 16.000 kb/s. Aber ansonsten braucht niemand so einen große Leitung, denn die Server, die die Inhalte ins Netz stellen, verfügen nicht über diese Geschwindigkeit. Ich vergleiche das mit einem Wasserrohr von 16 cm Durchmesser, bei dem am anderen Ende das wasser mit einem Strohhalm zugeführt wird. Da kann mein Rohr noch so groß sein, bei mir kommt nur ein Rinnsal an. Klar gibt es Hochleistungsserver, s.o., aber das ist nicht die Regel. Kaufen Sie einfach den billigsten und dünnsten Zugang, die anderen bringen nicht mehr, kosten nur mehr.
    Mir ist klar, daß ich das sehr vereinfacht darstelle. Ich kenne alle anderen Argumente, ich verwende sie selber im Verkauf, denn damit verdiene ich meine Provision.
    Ich habe mal gefragt, wozu die Kunden den 16.000er brauchen. Sie chatten, surfen, mailen, tauschen Daten oder laden Videos bei YouTube. Niemand optimiert seinen Rechner, denn die meisten User können das nicht. Wenn ich anbiete, einen Rechner mit Linux auszurüsten, will ihn keiner haben, das sei zu kompliziert. Ich habe meinem Vater zum 80sten Geburtstag einen Rechner geschenkt. So, wie ich den aufgebaut und eingerichtet habe, kommt er prima damit zurecht. Gewartet wird er von mir via Internet. Unsere Kunden wollen aber nur Microsoft. Niemand würde ein Auto kaufen, bei dem die fehlenden Schrauben in monatlichen Paketen nachgeliefert werden. Und die Bremsen werden bei der ersten Inspektion eingebaut.
    Da aber die meisten User Microsoft, also Windows und Office und Outlook und Mediaplayer benutzen, muß das auch das beste sein.
    Aber genau an diesem Punkt wird der Rechner schneller und einfacher, nicht bei einem aufgeblasenen DSL.

    immer noch herzliche Güße
    Buck McQue

  15. Von unbelehrbaren Nichtverstehern » KieslichDaily sagt:

    [...] erinnern Sie sich: vor einigen Tagen versuchte ich, bei der Telekom eine ganz einfache Frage beantwortet zu bekommen: Was bedeuten die lustigen rosa Markierungen auf [...]

  16. J. Wienskowski sagt:

    Ser geehrte Herr Kieslich,

    mit sehr großem Interesse und Schmunzeln habe ich Ihren Artikel “Der X-Faktor - heute mal Magenta” gelesen! Ich habe eine ähnlich Story erlebt, die ich hier stichwortartig widergeben möchte:

    - Angebot der Telekom zur zum Test von’Entain’
    - einen Monat später, etwa Mitte Januar, Lieferung der Geräte. Verinebarung des Termins zur Schaltung: Installation wollte ich selbst ausprobieren.
    - Nach Schaltung (freitags) auf DSL16 Internetverbidung platt; na klar war ja auch noch bei e&e.
    - Wollte sofort Test stornieren. Mitarbeiter der Telekom las mir dreimal vom Bildschirm ab, dass ich den Test bestellt hätte. Ich beharrte auf Stornierung.
    - Technische Hotline “Welchen Router haben sie jetzt?” –> FRITZ!Box 7xxx. “Nein, das geht nicht”.
    - “Wir senden Ihnen noch heute leihweise einen geeigneten Router.”
    - Abends Freund angerufen: “Na klar ist Deine FRITZ!Box geeignet”. Gut dass ich noch einen T-Online Account hatte. Mein Freund half mir, die FRITZ!Box auf T-Oline zu konfigurieren. Internet lief wieder!!!
    - 10Tage später (seit freitags) war der versprochene Router noch immer nicht eingetroffen: Anruf ergab: ” Der Router wurde icht versandt!”
    –> Noch Fragen???

    Mit beste Grüßen
    JvW

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