Wie risikoreich eine unkritische Berichterstattung in den Zeiten des Internets sein kann, zeigt eine aktuelle Meldung des Vereins MOGiS, der sich um die Belange von Missbrauchsbetroffenen kümmert. Er verwies in dieser Woche darauf, dass sich in vielen Medien gleichlautende Meldungen über Natascha Kampusch fanden, etwa auf FAZ.NET, bei FR Online, sueddeutsche.de oder auf Zeit.de.
Der MOGiS e.V. zeigte sich bestürzt über die Unachtsamkeit, mit der die Medien berichten, da offenbar die als Quelle genannten Webseiten, von denen einige auch aufeinander verweisen, überraschenderweise zum Teil ausgerechnet dem als Zeugen genannten Thomas Vogel gehören sollen. Thomas Vogel soll laut einer Meldung des österreichischen Kuriers teilentmündigt sein, berichtet der MOGiS.
Der MOGiS e.V. berichtet, dass Thomas Vogel (in den Artikeln auch Jürgen Vogel genannt) sich bereits zwei Tage nach der Flucht von Natascha Kampusch die Domain kampusch.de gesichert habe. Auch sollen ihm die Domains fritzl.de und wolfgang-priklopil.com gehören.
In solchen Fällen zeigt sich, dass das Internet nicht nur schnellere Informationswege bietet, sondern in besonders brisanten Fällen oder in Situationen, in denen es um besonders sensible Zusammenhänge geht, einer deutlich tiefergehenden Recherche bedarf.
Gabriele Gawlich, stellvertretende Vorsitzende des MOGiS e.V, ist entsetzt, mit welcher Unsensibilität die Medien in diesem Fall die Aussagen des Herrn Vogel weiterverbreiten:
“Der Vorwurf, man habe das alles doch so gewollt, man hätte ja auch gehen können, ist einer, der auch gerne von Tätern gemacht wird. Ich empfinde es als einen der schlimmsten Vorwürfe überhaupt. Die Medien sollten Frau Kampusch als Missbrauchsüberlebenden mehr Respekt entgegenbringen.”
Wenn Sie im Internet (und nicht nur da) eine Nachricht finden, bedeutet leider auch die massenhafte Verbreitung in mehreren Medien nicht immer, dass die Meldung auch gut recherchiert ist oder die Fakten korrekt oder vollständig wiedergibt. Und leider gilt diese Bauernregel inzwischen längst nicht mehr nur für die bekannt üblen Boulevardmedien.

