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Artikel mit ‘Voyeurismus’ getagged

Voyeurismus schöngeredet

Dienstag, 09. Dezember 2008

Wir hatten ja schon das Vergnügen, etwas über den neuesten Versuch der seltsamen Truppe um Kai Diekmann zu hören, um den kollektiven Voyeurismus mit einer für richtige Berichterstattung unzureichenden Billigkamera zum Journalismus aufzuwerten. Eine kurze Notiz auf Bildblog.de hat mir dann heute sinnfällig vor Augen geführt, welche Formen diese neue Form der aus dem moralischen Morast initiierten Berichterstattung annehmen kann.

Da wird mir dem Titel „Feuer vernichtet Einfamilienhaus“ ein Artikelausriss vorgestellt, in dem eine „Bild-Video-Reporterin“ eben jenen Brand in ihrem Nachbarhaus dokumentiert. Das hier über den Begriff „Bild-Video-Reporterin“ unterschwellig der Eindruck vermittelt wird, als habe dort irgendjemand auch nur irgendetwas mit redaktioneller Arbeit zu tun, lasse ich jetzt einmal außer Acht, obwohl allein diese Bezeichnung eine Frechheit ist.

Nein, was mir wirklich abwechselnd die Scham- und Zornesröte ins Gesicht treibt, ist das an anderer Stelle auftauchende kurze Portrait der betroffenen Dame, die dort nämlich – natürlich unverpixelt und mit voller Namensnennung - zusammen mit drei Kindern im Bild präsentiert wird. Hier durfte dann der ganz eigene „Humor“ der Bild.de-Redaktion zuschlagen – mit einem Kommentar, der an Subtilität nur noch von einer Dampframme überboten wird: „Bild-Reporter überglücklich“ sagt uns da der Titel und im Text erfahren wir auch, warum die spontanmaskulinisierte „Leser-Reporterin“ denn so glücklich ist: „Leser-Reporterin XXX (30, auf dem Foto mit ihren Kindern) filmte ein brennendes Haus im Saarland. Sie sagt: ‚Das ist ganz schlimm, wenn so etwas auch noch kurz vor Weihnachten passiert’“

Diesem Satz kann man schon fast nichts mehr hinzufügen. Nun ist es ja zu verstehen, dass jemand seiner ganz privaten Sensationsgier nachgibt und das solcherart hingeschluderte Produkt einem Blatt überlässt, dass noch sensationsgieriger ist. Oder.. nein, zu verstehen ist auch schon das nicht, bestenfalls noch nachzuvollziehen. Wenn jedoch die selbstgehäkelten Kameramänner und –frauen glauben, das tun zu müssen, wird damit noch lange nicht erklärt, warum im Zusammenhang mit einem für die betroffenen dramatischen Ereignis unbedingt noch so zynisch von einer überglücklichen Leser-Reporterin gesprochen werden muss. Aber das mag damit zusammenhängen, dass man möglicherweise in der Redaktion von Bild.de eine etwas andere Auffassung von den Aufgaben und dem Berufsbild eines Reporters hat.

Interessant ist übrigens, dass in den Teilnahmebedingungen – so nennt Bild.de die AGB für die Leserreporter – nicht weiter auf Kleinigkeiten wie das Urheberrecht etc. eingegangen wird. Als einziger Hinweis findet sich hier der Satz „Hiermit bestätigt der Einsender, im Folgenden Leser-Reporter genannt, dass er sämtliche Rechte an dem eingeschickten Video besitzt.“ Bleibt jetzt nur noch die Frage zu klären, welcher Leserreporter wohl weiß, was damit gemeint ist und welche Pflichten sich damit verbinden. (tok)

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Manchmal stößt es auf

Mittwoch, 26. November 2008

Gerade lese ich eine Meldung, die mich nachdenklich stimmt: da möchte der Herr Diekmann, seines Zeichens Chefredakteur der Bild, die Zahl seiner als „Leserreporter“ verbrämten, kostenfrei arbeitenden Zuträger noch einmal erhöhen, indem er sie über einen Discounter eine „BILD.de Leserreporter-Kamera“ für 69,99 Euro kaufen lässt – inklusive „Upload-Möglichkeit von Videos auf das Online-Portal von BILD. (…) Wenn man das Gerät an einen Computer anschließt, öffnet sich automatisch ein Programm mit dem die Filme zum Online-Portal von BILD geschickt werden können.“

Die Kamera, die vom Hersteller Creative stammt, hat eine Auflösung von 640 × 480 Pixeln und eine Speicherkapazität von 2 GB.

Wenn ich mir so ansehe, was Bild selbst schon so alles anstellt, wird mir doch etwas merkwürdig zumut, ist doch nicht absehbar, was da so alles ungefiltert (und das wäre noch die harmloseste Annahme) auf einer Webseite landet, deren Leser wiederum nicht unbedingt für den tiefsinnigen Umgang mit der dort dargebotenen Mischung aus Werbung und individuell gestalteter Information bekannt sind.

Die Frankfurter Rundschau (FR) zitiert in ihrer Online-Ausgabe folgerichtig den DJV-Bundesvorsitzenden Michael Konken: “Das bringt uns im Journalismus nicht weiter und es ist eine Aufforderung, Grenzen zu überschreiten”, sagt er. “Viele werden unter Missachtung aller Persönlichkeitsrechte versuchen, Prominenten aufzulauern.” Diese Art von Sensationsjournalismus könne leicht außer Kontrolle geraten, so die FR weiter.

Was Kai Diekmann aus dem oftmals schrägen Blickwinkel seines Blattes als „Medien-Evolution“ feiert, hat in jedem Fall einen deutlichen Beigeschmack, der irgendwo zwischen Entwertung von journalistischer Arbeit und Voyeurismusförderung liegt.

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