Die EU ist längst zur maßgeblichen Instanz für alle möglichen Belange unseres täglichen Lebens geworden – dennoch ist gerade die Europapolitik ein Stiefkind der Bürger. Die Gründe dafür sind vielfältig, es ist müßig, darüber zu sinnieren, dass gerade die EU-Politik auf eine ganz spezifische Art und Weise hinter einer spanischen Wand stattfindet.
Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat die Europawahlen am 7. Juni zum Anlass genommen, um die Meinung der Spitzenkandidaten zu verbraucherpolitischen Fragen zu erfragen. Das Ergebnis dieser Befragung findet sich auf einem eigens eingerichteten Europa-Internetportal (www.europa-fuer-verbraucher.de), das außerdem die Möglichkeit bietet, seinen persönlichen Kandidaten per E-Mail zum Handeln aufzufordern.
„Viele Dinge des Konsumalltags werden in Brüssel bestimmt. Verbraucher sollten deshalb zur Wahl gehen“, so Vorstand Gerd Billen.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat auf der Website für die Bereiche Wirtschaft, Energiemarkt, Finanzdienstleistungen, Gesundheit und Ernährung positive und negative Beispiele aus Verbrauchersicht aufgelistet.
Eine Gefahr für den Erhalt bestehender Verbraucherschutzstandards sieht der Verbraucherzentrale Bundesverband in den Plänen der Europäischen Kommission zur Vereinheitlichung der europäischen Verbraucherrechte auf durchschnittlichem Niveau.
„Würde der aktuelle Richtlinienvorschlag umgesetzt, stünden in Deutschland wichtige Schutzregeln vor dem Aus“, befürchtet Cornelia Tausch, Leiterin Fachbereich Wirtschaft und Internationales.
Dazu gehören die kürzlich erweiterten Widerrufsrechte bei telefonisch geschlossenen Verträgen sowie die kostenlose Rücksendung im Versandhandel. Verschlechterungen drohen auch im Gewährleistungsrecht und beim Schutz vor unzulässigen Geschäftsbedingungen.
Interessant sind die Aussagen der Parteien zu der Frage, wie ihr Engagement für Verbraucher im Bereich „Digitale Welt“ aussieht, die ich Ihnen hier als Auszug von der Webseite des Verbraucherzentrale Bundesverbandes vorstelle. Befragt wurden die Spitzenkandidaten von Bündnis 90/Die Grünen, SPD, FDP, CDU/CSU und Die Linke:
Bündnis 90/Die Grünen
Wir wollen, dass Kundendaten nur mit ausdrücklicher Einwilligung der Betroffenen erhoben, verarbeitet und weitergeleitet werden dürfen. Bislang können Verbraucherinnen und Verbraucher digitalen Geschäften nicht genügend vertrauen. Die Ängste im Hinblick auf Sicherheit, Betrug und Achtung der Privatsphäre sind groß. Geschäfte im Internet dürfen nicht mehr daran gekoppelt werden, dass persönliche Daten preisgegeben werden müssen.
Wir fordern ein europaweites Datenschutzsiegel, das Verbraucherinnen und Verbrauchern den verlässlichen Umgang mit ihren persönlichen Daten garantiert. Den Verbraucherverbänden wollen wir die Möglichkeit zur gerichtlichen Klage für die Verfolgung von datenschutzrechtlichen Verstößen an die Hand geben.
CDU/CSU
Die Digitalisierung der elektronischen Übertragungswege und vor allem das Internet haben zu bisher nicht gekannten Möglichkeiten für grenzüberschreitende Information und Kommunikation geführt. Aus Sicht der CDU/CSU ist diese Entwicklung von entscheidender Bedeutung, für das Ziel, die Europäische Union zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen.
Neben den außergewöhnlichen Chancen bringt die Digitalisierung aber auch neue Herausforderungen mit sich, für die die CDU/CSU entschlossene politische Antworten fordern:
Die “Digitale Kluft” schließen
Es wächst im digitalen Zeitalter die Gefahr einer “Digitalen Kluft”, denn der Zugang zu den neuen Technologien bleibt einigen gesellschaftlichen Gruppen wegen der Kosten und des fehlenden Breitbandzuganges verwehrt. CDU/CSU wollen deshalb „Breitband für alle“ und die Förderung der Medienerziehung, unabhängig von Alter und sozialer Schicht, als demokratische Notwendigkeit. Auf Antrag von CDU/CSU wurde die flächendeckende Breitbandversorgung im ländlichen Raum im so genannten Telekom-Paket vom Europäischen Parlament beschlossen.
Legale Online-Angebote ausweiten und Urheberrecht stärken
Notwendig ist eine ausgewogene Balance zwischen dem Grundrecht auf Informationsfreiheit mit dem Grundrecht auf Schutz des geistigen Eigentums in der digitalen Welt. Zum Schutz der Kreativität hat die Europäische Union die Harmonisierung bestimmter Aspekte des Urheberrechts durch Richtlinien aus dem Jahr 2001 und 2006 beschlossen. Um einen effektiven Schutz des Urheberrechts, auch bei Onlinediensten zu gewährleisten, sind zusätzliche Maßnahmen erforderlich.
CDU/CSU fordern die Entwicklung von leicht zugänglichen und erschwinglichen legalen Angeboten für kreative Inhalte im Internet und gleichzeitig den Schutz der Benutzerdaten. Die bessere Sicherung des Urheberrechts und die Gewährleistung des Datenschutzes sind für CDU/CSU zwei Seiten der gleichen Medaille.
Eine zweite zentrale Herausforderung ist die Weiterentwicklung des europäischen Urheberrechts für grenzüberschreitende Online-Dienste. Die Europäische Kommission hat im Jahr 2005 eine Empfehlung zur grenzüberschreitenden Verbreitung von Online-Musik-Diensten vorgelegt, die keine Rücksicht auf die kulturelle Vielfalt in Europa nimmt und vom EP entschieden zurückgewiesen wurde. CDU/CSU fordern für Kreative Online-Dienste einen rechtlichen Rahmen, der die Bedeutung dieser Dienste nicht nur als Wirtschaftsgut, sondern auch als Kulturgut berücksichtigt.
Effektiven Jugendschutz gewährleisten
CDU/CSU fordern wirksamen Jugendschutz in der digitalen Welt auf nationaler und europäischer Ebene und unterstützen das EU-Programm „Safer Internet“, das seit 2005 bis 2013 mit einem Gesamtbetrag von 100 Millionen Euro Projekte, wie z.B. den jährlichen Safer-Internet-Day oder die internationale INHOPE-Hotline (in Deutschland erreichbar unter hotline@jugendschutz.net) europaweit fördert. Für Fernsehen, für Videospiele und für das Internet fordern CDU/CSU eine bessere Kooperation aller verantwortlichen Anbieter. Die Gewährleistung eines wirksamen Jugendschutzes muss eine politische und gesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe von höchster Priorität sein.
Modernisierung des europäischen Fernsehrechts
Auch im Fernsehen erforderte die Digitalisierung eine Modernisierung der Rechtslage, die auf europäischer Ebene durch die Überarbeitung der Richtlinie “Fernsehen ohne Grenzen” (1989) zur Richtlinie für Audiovisuelle Mediendienste (2007) erreicht wurde. Der Anwendungsbereich der bisherigen Fernsehrichtlinie wurde durch die Aufnahme von Fernsehähnlichen (nicht-linearen) Abrufdiensten auf die Zukunft ausgerichtet. CDU/CSU haben sich dafür eingesetzt, dass mit dieser Richtlinie die europäischen Vorschriften zur Sicherung des Jugendschutzes und zum Verbraucherschutz nicht auf das analoge Fernsehen beschränkt bleiben, sondern auch auf die neuen digitalen Fernsehähnlichen Abrufdienste angewandt werden.
Die Linke
Für die digitale Welt besteht auf europäischer Ebene großer Handlungsbedarf. Es gilt, sich höchst problematischen Bestrebungen zu widersetzen. So darf die Privatsphäre der Internetnutzerinnen und Internetnutzer nicht weiter eingeschränkt werden. Ebenfalls muss die Netzneutralität, der freie und gleiche Informationsfluss im Internet, erhalten werden. Abzulehnen ist die Verfolgung von Urheberrechtsvergehen über Internet-Service-Provider (ISP), die dazu verpflichtet werden sollen, die Daten ihrer Kunden zu überwachen. Diese Regelungen gefährden die Freiheit des Internets. Sie sind verbraucherfeindlich. Der Ausbau der Breitbandinfrastruktur muss begünstigt werden. Denn der Zugang zu Kommunikation und Information berührt Grundfragen demokratischer Beteiligung. In ganz Europa sollte daher ein “Breitbandinternet für alle” geschaffen werden.
FDP
Moderne elektronische Kommunikationsnetze und -dienste sind aus dem Lebensalltag – im Beruf wie auch zu Hause - nicht mehr wegzudenken. Die FDP steht für einen effektiven Verbraucherschutz auf diesem Gebiet. Nutzer müssen darüber informiert werden, wenn ihre persönlichen Daten verloren gehen oder Unbefugten Zugang dazu gegeben wurde. Die Anonymität bei privater Nutzung des Internet muss gewahrt werden.
Eine Aussage der SPD zum Teilbereich „Digitale Welt“ konnte ich leider nicht entdecken.