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Artikel mit ‘Unsinn’ getagged

Sicherheit statt Prüderie

Dienstag, 12. Januar 2010

Manche Meldungen können einen wahlweise an der Art und Weise, wie so manche Umfrage erstellt wird oder am Zustand, sprich der mangelnden Weitsichtigkeit seiner Mitmenschen zweifeln lassen.

Zu eben dieser Kategorie von verstörenden Nachrichten gehört der Bericht des Verbandes Bitkom, der eine klare Mehrheit für den Einsatz von Körperscannern verkündet. Nun gut, vielleicht sollte es einen nicht übermäßig wundern, wenn ein Hightech-Verband auf einen Gebiet, in dem es um nicht eben billige Highttech-Geräte geht, eine eher wenig differenzierte Position mit einer ebenso wenig differenzierten Umfrage untermauert. Aber urteilen Sie selbst:

Zwei Drittel (67 Prozent) der Deutschen sind der Ansicht, der Einsatz von Körperscannern an Flughäfen sorge für mehr Sicherheit beim Fliegen. Drei von vier Deutschen befürworten den Einsatz, wenn die Personen schemenhaft dargestellt werden - die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Geräte vorausgesetzt. Lediglich 12 Prozent lehnen Körperscanner generell ab. Frauen sind dabei grundsätzlich skeptischer als Männer, Ostdeutsche sind kritischer als Westdeutsche. Das gab der Hightech-Verband BITKOM in Berlin bekannt. Basis ist eine repräsentative Umfrage, für die das Meinungsforschungsinstituts Forsa im Bitkom-Auftrag 1.000 Personen über 14 Jahre befragte.

“Für ein Mehr an Sicherheit nehmen die Deutschen auch Eingriffe in ihre Persönlichkeitsrechte hin”, sagte Prof. Dieter Kempf, Präsidiumsmitglied des Bitkom. (Anm. d. Red.: Ein Satz, der sicherlich so unkommentiert eigentlich nicht erscheinen dürfte. Man kann sich da so seine Gedanken machen, ebenso auch zu einigen der nachfolgenden Formulierungen.)

Eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung plädiert zudem für den verstärkten Einsatz von Videoüberwachung (85 Prozent) sowie intensivere Gepäckkontrollen (91 Prozent). Eine Mehrheit spricht sich zudem für neue biometrische Sicherheitssysteme wie Stimmerkennung und das Scannen des Auges (je 57 Prozent) oder das Scannen des Gesichts aus (61 Prozent). Auch das Abnehmen von Fingerabdrücken wird von 68 Prozent der Deutschen befürwortet. Mehrheitlich abgelehnt wird hingegen die Erfassung und Auswertung von Daten der Reisenden.

Kempf: “Eine klare Mehrheit der Bürger ist für den Einsatz zusätzlicher Sicherheitstechnologien an Flughäfen. Mehr Technik und mehr Datenschutz - das wünschen sich die Deutschen.”

Die Kritiker von Körperscannern geben v.a. ein “ungutes Gefühl” für ihre kritische oder ablehnende Haltung an (54 Prozent). In dieser Personengruppe werden außerdem eine Verletzung der Intimsphäre (51 Prozent), mangelndes eigenes Verständnis für die Technik (44 Prozent), Angst vor der Verbreitung im der Bilder im Internet (41 Prozent) bzw. vor Strahlung (33 Prozent) kritisch angemerkt.

Kempf: “Viele Menschen haben diffuse Ängste vor der Technologie. Mit einer transparenten Kommunikation und einer offenen Information der Bevölkerung wird sich die Zustimmung für moderne Sicherheitstechnologien weiter steigern lassen.”

Bildern von Kindern steht allgemein jeder Zweite besonders kritisch gegenüber. Bei den Geschlechtern scheiden sich dann die Geister. So sehen Männer beim Einsatz von Körperscannern bei ihren Geschlechtsgenossen so gut wie keine Probleme. Lediglich 15 Prozent halten dies für besonders kritisch. Bei den Frauen ist dieser Anteil mehr als doppelt so hoch: 37 Prozent der weiblichen Befragten sehen das Scannen von Frauen besonders kritisch.

So weit also der Bitkom mit einer Reihe von Aussagen, die zumindest bei mir das Gefühl hinterlassen, dass wieder einmal jedem Kritiker an latent zweifelhafter Sicherheitstechnik eins mit der Keule „diffuse Technikangst“ übergebraten werden soll. Und aus einer solchen Umfrage gleich eine Pauschalaussage über jeden Bürger „hochzusterilisieren“, um es mal im Fußballerdeutsch zu sagen, das halte ich doch für ein wenig dünn.

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Das Hornauer Schießen

Freitag, 19. Juni 2009

Das Leben kann schon manche Momente enthalten, die einen aufschrecken lassen und in denen man sich fragt: „Was tue ich hier eigentlich? Gibt es einen tieferen Sinn?“ Viele haben solche Momente schon erlebt – manche allerdings auch noch nie.

Thomas G. Hornauer ist ein Mensch, der sich dieser Sinnsuche verschrieben hat. Er betreibt mit seinem Kanal Medial einen fragwürdigen Esoterik-Shoppingsender, der inzwischen die Fernsehkanäle verlassen musste. Mittlerweile ist Hornauer mit einem Livestream im Internet präsentiert:

„Den Nutzern werden auf der Kanal Telemedial-Vermittlungsplattform interaktive wissenschaftliche Beratungsleistungen und Horoskope anhand anerkannter Regeln der Astrologie, des Kartenlegens, des Hellsehens oder der allgemeinen Lebensberatung für alle Bereiche und Probleme des menschlichen und tierischen Lebens angeboten. Bei den Experten handelt es sich um kompetente, geprüfte und erfahrene Astrologen, Seher, Kartenleger, Psychologen oder allgemeine Gesundheits- und Lebensberater. Die Nutzer können Beratungsleistungen und Horoskope per Telefon und per SMS erhalten. Außerdem werden den Nutzern auf der im Fernsehen zu empfangenen Kanal Telemedial-Vermittlungsplattform Produkte von verschiedenen Anbietern zum Kauf angeboten“, so die AGB der Plattform.

So werden natürlich auch alle Aktionen, die bei anderen Unternehmen als unverfilmbar, weil zwischen banal und blöde angesiedelt, wie etwa das Lesen der E-Mails oder eine wilde Google-Suche, fröhlich ausgestrahlt – es wird schon einen geben, der sich davon zu einem kostenpflichtigen Anruf oder einer Spende, die dort Energieausgleich genannt wird, animieren lässt.

In einer Art Lebenshilfe per Telefon, die in erster Linie der Selbstdarstellung des Chefs Hornauer zu dienen scheint, dürfen dann Menschen, die keinen anderen Ausweg mehr wissen, gegen nicht zu geringe Gebühren pro Minute anrufen.

In seinem Programm ringt Hornauer mit allem, was sich ihm in den Weg stellt: den Menschen, die ihn kritisieren oder über ihn berichten, der deutschen Sprache, seinen Atemwegen und dem Sinngehalt seiner Worte. Hornauer zeigt sich dabei erstaunlich innovativ. So gilt er beispielsweise als der Erfinder der „Senilcourage“ und glänzte auch schon einmal durch die Aufforderung an Staatsanwälte, doch bei einer von ihm gewitterten Verschwörung Amnesie zu erteilen.

Dabei ist er, dem die Nähe zu Sektierern nachgesagt wird, auf eine herzerfrischende Weise komisch, wenn auch nur für einen kurzen Moment – dann realisiert der Zuschauer, dass Hornauer das, was er da schnaubend von sich gibt, tatsächlich ernst zu meinen scheint.

In seiner Art, jede öffentliche Kritik und Kommentierung seiner Auftritte als Grund zur Klagedrohung zu sehen – wobei ihm grundlegende Kenntnisse des Urheber- und Zitatrechts nicht geläufig zu sein scheinen – ähnelt er einem Stalker auf Speed, der versucht, alle Opfer auf einen Schlag zu belästigen und zu bedrohen. Es fällt schwer, die öffentlich gemachte Ankündigung, er würde seine Feinde mit seinen Millionen plattmachen wollen, anders zu werten.

Hornauer und sein obskures Firmengebilde, das die „neue Art von interaktivem Fernsehen“ darstellen soll und der Sender für „Ihre innere Heilung“ sein soll, lässt uns einen Blick in die unterste Schublade des Internets werfen und stellt den Betrachter auf eine harte Probe, muss man sich doch sehr beherrschen, um sich nicht nach dem ersten Kopfschütteln zu fragen, ob derartige Dinge nicht eigentlich auf die von der Leyensche Liste gehören.

Aktuell hat der Mann, dem es wichtig ist, darauf hinzuweisen, dass es sich bei „TELEMEDIAL“, „KANAL-TELEMEDIAL“ und „THOMAS G. HORNAUER“ um eingetragene Wort- bzw. Bildmarken handelt, sich neben Oliver Kalkofe, dem Portal Ciao und vielen anderen nun auch den Medienjournalisten Stefan Niggemeier als „Feind“ auserkoren und führt mit der von ihm gewohnten Leichtigkeit sein Verständnis von Medien und vor allem vom Internet vor.

Wie das dann aussieht, können Sie dem YouTube-Beitrag an dieser Stelle entnehmen. Auslöser der dort zu beobachtenden verbalen Inkontinenz war augenscheinlich dieser Beitrag von Stefan Niggemeier: Kanal Telemedial: Das ist strafrechtlich!, in dem Herrn Hornauers Auffassung über Internetforen als kriminelle Vereinigungen zitiert wird. Nehmen Sie sich die Zeit und machen Sie sich ein Bild von diesem wirklich ganz erstaunlichen „immateriellen Teleshop“.

Sehr viel Interessantes zur fremden Welt des Herrn Hornauer findet sich auch bei The Aufsichtsbehördle.

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Manche Dinge ändern sich nie

Freitag, 12. Juni 2009

Heutzutage ist ja alles so schnell geworden und wir leben mit dauernden Veränderungen. Natürlich sind Veränderungen auch positiv – so erinnere ich mich noch mit Grausen daran, wie kompliziert es war, bei der Telekom auf meinen jetzigen Anschluss umzusteigen. Da wurde die falsche Geschwindigkeit geschaltet, ich habe endlose Zeiten in der Hotline verbracht und es waren einige Nervenzusammenbrüche notwendig, um endlich das zu erreichen, was seinerzeit beworben wurde: den Umstieg auf eine Flatrate mit DSL 16.000. Aber das war ja im Jahr 2006, seitdem hat sich einiges getan.

Zwar geriet auch der Kauf des iPhone zu einer nicht ganz unproblematischen Aktion, aber immerhin wurde T-Home sogar für einen relativ guten Service gelobt.

Ich bin also nominell Nutzer einer DSL 16000-Leitung, die, seitdem sie geschaltet wurde, maximal die Hälfte, meist aber noch wesentlich weniger der potentiellen Bandbreite liefert. Schuld daran sind die üblichen Infrastrukturprobleme. Das ist das, was man im Volksmund wohl veraltete Leitungen und zuviel Nutzer pro Leitung nennen kann.

Nun nerven mich beflissene Telekom-Mitarbeiter seit einiger Zeit mit einem neuen Angebot, das mich natürlich weniger kosten soll, dafür aber mit Internet-Fernsehen glänzt. Das Killer-Argument für dieses „Entertain“ ist aber, dass hier ein neues Leitungsnetz zum Einsatz kommen soll, das mir eine deutlich höhere Bandbreite bescheren soll.

Nach dem dritten Werbeanruf – man möchte mich wohl unbedingt als Kunde haben – habe ich mir die Sache einmal näher angesehen. Am Telefon sagte mir die nette Call-Center-Dame noch, dass es etwa drei bis vier Wochen dauern würde, bis man meine Leitung schalten könne. Und den Receiver für das Internet-Fernsehen, den würde ich schon eher bekommen. Der würde natürlich eine Zusatzgebühr kosten.

„Aber so einen Receiver brauche ich nicht“, wagte ich einzuwenden. „Das macht nichts, den bekommen Sie automatisch. Schicken sie ihn dann einfach zurück.“ Eine seltsame Praxis, aber offenbar hat das Unternehmen Geld genug …

Da ich das Angebot nicht am Telefon abschließen wollte, schaute ich mir alle Eckdaten noch einmal an und überprüfte anhand der Karte auf der Webseite die Verfügbarkeit des Angebots für meine Adresse. Alles stimmte und ich füllte dann Online die Bestellung aus. „Alles klar“, sagte die Webseite, „danke für den Auftrag“.

Das war Ende letzten Monats und seit etwa drei Wochen habe ich weder eine Auftragsbestätigung noch die mir aufgenötigte Hardware erhalten. Das Online-Kundencenter weigert sich seit über einer Woche ebenso beständig, meine Daten zu laden. Also schrieb ich mal wieder eine E-Mail an die freundliche Hotline, die mir mitteilte, dass ich drei Wochen umsonst gewartet habe, weil man keinen Auftrag im System finden könne.

Nach einer Rückfrage, ob man denn dann wohl in der Lage sei, immer noch zum Monatswechsel zu schalten und es sich für mich noch lohnen würde, den ganzen Bestellzirkus noch einmal zu durchlaufen erhielt ich nur einen Tag später einen Anruf. Doch, wirklich! Man wolle sich darum kümmern und nun meine Bestellung in Gang setzen. Wie man das machen wollte, wo ich doch nicht mehr erwähnte, als dass ich „Entertain“ buchen wolle, verriet man mir nicht, doch die nette Dame versprach einen weiteren Rückruf.

Der kam auch prompt: Man könne meinem Auftrag nicht annehmen, denn ich wäre im Ausbaugebiet. Da ginge das nicht. Vielleicht in drei Wochen. Oder auch nicht. Jedenfalls ginge es nicht. Und warum die Kollegen das gesagt haben, wisse man nicht. Warum die Webseite auch sagte, es ginge, wisse man auch nicht. Aber immerhin, man könnte mir meinen jetzigen Tarif mit einer deutlichen Preisreduzierung anbieten.

Manche Dinge ändern sich eben nie …

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Backe, backe, Cookie – die EU-Köche am Werk

Montag, 04. Mai 2009

Kennen Sie den seltsamen Aufdruck auf Kaffeebechern, der sie darauf hinweist, dass der heiße Kaffe in diesem Behälter für Heißgetränke, den sie gerade ganz bewusst gekauft haben, auch wirklich heiß sein könnte? Oder diese seltsamen Rückfragen von Betriebssystemen, die sich vergewissern, ob Sie den Befehl, den Sie gerade gegeben haben, auch wirklich so gemeint haben und ob Sie die darauf folgende Bestätigung auch wirklich verstanden haben? Oder Tankstellen, die Ihnen mitteilen, dass Sie bitte erst den Tankdeckel öffnen sollen, bevor Sie die Zapfpistole in den Tank stecken und bitte dann erst auf den Hebel drücken sollen? Doch, so was gibt es alles – und ich habe manchmal das Gefühl, als würden die Verfasser dieser fröhlichen und natürlich nur zu meinem Besten dienenden Aufschriften uns alle samt und sonders für komplette Idioten halten, die sich ohne diese wertvolle Hilfe natürlich den heißen Kaffee ins linke Ohr gießen würden.

Auch das Internet gibt derzeit ein prächtiges Thema für diese warnfreudigen Menschen ab – hier sind es Politiker aller Couleur, die sich berufen sehen, uns vor uns selbst zu schützen, weil wir anscheinend nicht eigenverantwortlich mit dem Medium Internet umzugehen vermögen und hilflos die falschen Seiten öffnen, um beliebig zwischen Kinderpornos, illegalem Glückspiel und Mitteilungen der Nigeria-Connection hin- und herzuzappen.

Dabei werden die, die uns mit Online-Durchsuchungen und DNS-Sperren vor allem Übel bewahren möchten, anscheinend von einer merkwürdigen Mischung aus Angst vor unkontrollierter Meinungsäußerung und Information der Bürger und einer erstaunlichen Unkenntnis der Materie getrieben.

So richtig knackig wird das Ganze dann aber, wenn es erst einmal auf EU-Level bearbeitet wird. Hier gilt es, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden und der scheint erstaunlich tief angesiedelt zu sein – wie sonst könnte es zu einer so vermessen blöden Idee kommen wie der derzeit geplanten Regelung zum Einsatz von Cookies?

Sie kennen ja diese netten Hilfsdateien, die Betreiber von Webseiten einsetzen, um Ihr Surfverhalten kennenzulernen und bestimmte von Ihnen gewählte Einstellungen für eine Webseite festzulegen. Diese Textschnipsel, die Cookies, erlauben beispielsweise beim Einkauf auf Listen und Ansichten zurückzugreifen oder sich automatisch anzumelden. Die Anbieter sehen so etwa auch, wie oft welche Werbung angesehen wird.

Nach geltendem Recht ist es bisher üblich, dass Diensteanbieter die Nutzer - etwa über entsprechende Datenschutzbestimmungen (”Privacy Policy”) - transparent über Zweck und Einsatz von Cookies informieren und der Nutzer zudem über die selbstgewählten Einstellung seines Browsers entsprechende Einstellungen vornehmen kann.

Weil Cookies natürlich auch genutzt werden können, um Informationen zu sammeln, die wir lieber nicht einfach weitergeben möchten, etwa, welche Webseiten wir besucht haben, erlaubt jeder moderne Browser, mit ein paar Mausklicks festzulegen, dass beispielsweise Cookies nach dem Schließen des Browsers gelöscht werden und auch nicht jeder Cookie beliebig angenommen wird. Meist richtet man den Browser so ein, dass Cookies nach der Internet-Nutzung wieder verschwinden.

Das klappt alles in allem sehr gut und gehört für die meisten Anwender zum ganz normalen, sprich eigenverantwortlichen Umgang mit dem Internet. Sie machen etwas für EU-Politiker schier unvorstellbares: sie entscheiden selbst.

Das kann natürlich so nicht geduldet werden. Darum hat die EU gerade eine Neufassung des Artikels 5 der Richtlinie zur Privatsphäre und Elektronischen Kommunikation (kurz “ePrivacy-Richtlinie”) in Arbeit. Nach dieser seltsamen Idee soll der Einsatz von Cookies mit einem Opt-in-Verfahren verbunden werden. Das klingt doch gut und bürgernah, oder?

In der Realität heißt das, dass jedes Mal, wenn ein Cookie genutzt werden soll, bei Ihnen ein Fenster aufgeht, dass Sie fragt, ob Sie dieses Cookie auch annehmen wollen: Sind Sie sicher? Ganz sicher? Wirklich sicher?

Damit Sie eine Vorstellung davon bekommen, was das heißen kann, stellen Sie sich bitte eine typische Nachrichtenseite, etwa einer Tageszeitung vor. Was Sie da jetzt so einfach öffnen, würde in der Vorstellung der EU-Politiker demnächst etwa so ablaufen:

Seite öffnen – zum Cookie zustimmen – Artikel anklicken – dem Cookie zustimmen – oh, die Werbung in der Seitenleiste wechselt – dem Cookie zustimmen – nächsten Artikel lesen – dem Cookie zustimmen und so weiter und so weiter …

Artikel bei Amazon oder eBay anzusehen, würde in eine Cookie-Klick-Orgie ausarten, Benutzerprofile oder Einkaufslisten sollten Sie nur nutzen, wenn Sie sehr viel Zeit haben, um für jede Option ein „OK“ für das Cookie zu klicken. Für mich sieht eine vernünftige Internet-Nutzung anders aus. Außerdem bin ich nicht mehr 5 Jahre alt und komme auch ohne die Bemutterung der scharfsinnigen Geister aus, die sich diesen Unfug ausgedacht haben.

Ich finde es schon irgendwie widersinning: Wir dürfen problemlos mit Dingen wie Vorratsdatenspeicherung, Providerzensur und ähnlich lustigen Überwachungsphantasien traktiert werden – aber Cookies, nein, so etwas Furchtbares darf dem braven EU-Surfer nicht zugemutet werden.

Nicht ohne Grund sieht der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Internetwirtschaft durch diesen „Reformvorschlag“ als massiv gefährdet an. Die geplanten Eingriffe in gelernte Nutzer/Interface-Prozesse führen nach Auffassung des BVDW in sämtlichen Bereichen des Internets zu massiven Beschränkungen.

Der Vorschlag würde in der dem BVDW vorliegenden Form entweder eine aktive, vorherige Zustimmung des Nutzers zur Verwendung von Cookies durch einen Diensteanbieter oder aber jeweils gesonderte Pop-up-Fenster erforderlich machen, über die bei jedem Aufruf einer neuen Website durch den Nutzer dessen Zustimmung zum Einsatz von Steuerungs-Cookies einzuholen wäre, wie sie auf allen modernen Internetseiten, vor allem mit der modernen Web 2.0-Technologien, gang und gäbe und allseits akzeptiert sind.

Dies führt nach Auffassung des BVDW in sämtlichen Bereichen des Internets zu massiven Beschränkungen von Nutzungsszenarien, angefangen bei der Funktionalität und der Darstellbarkeit von journalistischen Inhalten über den Online-Handel, bis hin zur Online-Werbung als maßgebliche Finanzierungsquelle sowie etablierter Internetfunktionalitäten.

“Weder das EU-Parlament noch nationale Regierungen haben im Vorfeld Erhebungen über die möglichen rechtlichen und ökonomischen Auswirkungen dieser neuen Regelungen für die Verwendung von Cookies durchgeführt. Fest steht jedoch, dass - wird der Einsatz von Cookies von einer ‘aktiven, vorherigen’ Zustimmung des Nutzers vor Aufruf des Telemediendienstes abhängig gemacht - dies faktisch das Ende des Einsatzes von Cookies als das absolut notwendige und anerkannt zentrale Nutzungssteuerungselement bedeuten würde”, meint Matthias Ehrlich, Vizepräsident des BVDW.

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Der Sündenfall in Plastik

Freitag, 03. April 2009

Ich möchte Ihnen heute ein Rätsel aufgeben. Wie bekommt man das Internet, die Bibel, eine bekannte Spielzeugfirma und eine Schar von Anwälten unter einen Hut?

Kommen Sie drauf? Na gut, ich will es Ihnen verraten, es ist ganz einfach. Sie brauchen dazu einen engagierten Theologen mit einem Faible für die bekannten Playmobil-Figuren. Mit diesen Figuren stellt der Theologe schon seit langer Zeit Szenen aus der Bibel nach und präsentierte sie im Internet als Playmo-Bibel. Seine Darstellungen reichen von der Erschaffung der Erde über die Vertreibung aus dem Paradies über die Arche Noah, bis zur Herbergssuche und der Kreuzigung – alles aufgeführt mit etlichen Figuren, in die er ein kleines Vermögen investiert hat.

Schon haben Sie die ersten drei Bestandteile meines kleinen Rätsels beisammen. Aber wie kommen wir nun zu den Anwälten? Wie Sie ganz richtig beobachtet haben, schrieb ich im vorherigen Absatz „präsentierte“. Denn die Playmo-Bibel gibt es unter diesem Namen nicht mehr. Aha, sehen Sie, das ist eine gute Gelegenheit, um die Anwälte ins Spiel zu bringen.

Die Geschichte trug sich ungefähr so zu: Im Winter 2006 fand Markus Bomhard, (1) seines Zeichens evangelischer Theologe und Pastor, eine Teekiste im Keller, voll mit alten Playmobilfiguren. Und er entdeckte, dass man mit diesen Spielfiguren Geschichten gestalten konnte, die ihm besonders am Herzen liegen: Geschichten aus der Bibel.

Seit dem Frühjahr 2007 gestaltet Herr Bomhard nun die Bibel in Playmobil. Dazu nutzt er die bekannten Figuren, die er zum Teil in pingeliger Kleinarbeit modifiziert. Damit auch andere auch etwas davon haben, stellte er das ganze ins Internet – als Playmo-Bibel.

Auch die Herstellerfirma der lustigen Figuren war über Jahre hinaus angetan und schrieb ihm so nette Zeilen wie „Nun wünsche ich Ihnen für die Fortsetzung des Projekts viele gute, kreative Ideen und bitte Sie, bei Medienkontakten und auf Ihrer Webseite auf die Unterstützung von PLAYMOBIL hinzuweisen.“ (2)

Damit könnten wir uns nun glücklich zurücklehnen und auf die entsprechende Oster-Szene von Herrn Bomhard warten. Aber weit gefehlt – erinnern Sie sich noch an die Anwälte? Anfang 2009 traten diese auf den Plan, um zu tun, was Anwälte häufig tun, wenn sie dazu beauftragt werden – sie schickten Herrn Bomhard eine Unterlassungserklärung, nach der sein Projekt nicht nur nicht mehr Playmo-Bibel heißen darf, sondern es auch keine Druckerzeugnisse mit den Bildern geben darf und er die Figuren auch nicht verändern darf. (3) Denn, so der Hersteller, die Bomhardsche Nutzung würde Urheberrechte verletzen, weil der hessische Pastor Figuren entsprechend der Szenerien bemalt habe oder auch schon einmal mit einem Fön Arme zurechtgebogen hat. Doch auch Zugeständnisse wie die Umbenennung in klicky-bibel.de, Feigenblätter aus Herstellerproduktion und andere Fotoperspektiven stimmten das zuvor noch so begeisterte Unternehmen milde. Es ist vergrätzt und mag weder durch die Publicity, die es durch des Pastors nichtkommerzielle Bibelseite erfahren hat, noch durch die horrenden Beträge, die der Theologe als Kunde investiert hat, Milde stimmen lassen. Playmobil-Figuren dürften nun einmal nicht verändert werden, so der Standpunkt des Unternehmens, das ansonsten nichts gegen biblische Darstellungen hat und selbst etliches zum Bibel-Selbstbau anbietet, etwa Ägypter, Römer, Pyramiden, Tempel, die Arche Noah, eine Weihnachtskrippe und die Heiligen Drei Könige anbietet.

(1) = http://www.klicky-bibel.de/myself.htm

(2) = http://www.klicky-bibel.de/unverstaendnis.htm

(3) = http://www.ngz-online.de/public/article/digitale/internet/692006/Pastor-kaempft-um-Playmobil-Bibel.html

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Überwachung in allen Geschmacksrichtungen

Mittwoch, 25. Februar 2009

Irgendwie ist in den letzten Monaten so eine Art Überwachungshysterie ausgebrochen – zum einen bei denjenigen, die unbedingt alles und jeden bespitzeln möchten, zum anderen bei einer auch nicht unbedingt kleinen Gruppe von Menschen, die sich bereits überall bespitzelt und überwacht fühlt. Beides führt meiner Meinung nach zu einem gewissen überspannten Irrsinn, der den Blick auf die Realität gründlich verstellen kann.

Beispielsweise berichtete die Rheinische Post am 21.02.mit Bezug auf eine AFP-Meldung, dass die Union plane, dem Verfassungsschutz eine “bessere Überwachung terrorverdächtiger Minderjähriger” zu ermöglichen. Geplant würde, die Altersgrenze für das Speichern personenbezogener Daten auf 14 oder gar 12 Jahre herabzusetzen.

Also, wo wir doch so furchtbar von immer kleineren Terroristen bedroht werden - gut, Herr Schäuble ist da auch einfach näher dran - sollten wir keine halben Sachen mehr machen. Sonst kommt womöglich noch ein Bundesbürger auf die Idee, ohne Erlaubnis  des Verfassungsschutzes aufs Klo zu gehen. Mein Vorschlag: Wir setzen direkt jedem Kleinkind einen Chip ein - das kann der Tierarzt beim chippen von Waldi und Mauzi gleich kostengünstig miterledigen.

Als ob der reale Irrwitz, den unsere Volksvertreter so von sich geben, nicht schon reichen würde, gibt es dann aber auch noch Fälle wie jenen denkwürdigen Schwachsinn, über den Web-Watcher berichtete: Da hat ein Amerikaner in fröhlicher Verkennung der Leichtgläubigkeit seiner Mitmenschen ein YouTube-Video ins Internet gestellt, auf dem vermeintliches Spionage-Equipment in digitalen Settop-Boxen zu sehen ist. Vorgeblicher Hintergrund der seltsam anmutenden Ausstattung der digitalen TV-Empfänger mit einer Handy-Kamera und einem Mikrofon: Klarer Fall, „Sie“ wollen uns ausspionieren.

Dumm für den armen Mann ist nur, dass sich sein Scherz rasend schnell verbreitete und binnen kurzem über 20.000 Abrufe erzielte. Auch nach einer offiziellen Klarstellung, dass er lediglich einen Jux gemacht habe, halten die Verschwörungstheoretiker mit den Leichtgläubigen fest zusammen – schließlich steht es ja im Internet, da kann es ja nicht falsch sein.

Bleiben Sie wachsam, denn der Unfug lauert überall.

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Meine Fundstelle der Woche

Samstag, 21. Februar 2009

Das ist doch mal eine Nachricht: Das iPhone als Demaskierungsinstrument für Demagogen.

 

Guckst Du hier.

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Ist das jetzt witzig oder geschmacklos?

Mittwoch, 18. Februar 2009

Immer wieder einmal stoße ich auf Nachrichten, bei denen ich nicht recht weiß, ob ich einfach nur irgendwie zwischen ungläubig und konsterniert staunen soll oder mich nicht sogar fragen sollte, warum ich diese Idee nicht gehabt habe. Im Moment geht mir das so bei einer recht endgültigen Internet-Idee, den persönlichen Botschaften aus dem Jenseits.

Der Internetdienst finalpopup.com wirbt damit, dass man dort persönliche Botschaften für „danach“ aufgeben kann – der Dienst soll faktisch als eine Art Sprachrohr aus dem Jenseits fungieren.

Die am Computer verfassten Mitteilungen werden mit verschiedenen Kommunikationsmedien den Empfängern zugestellt, wenn der Verfasser sein irdisches Dasein beendet hat.

Diese makaber-blödsinnige Idee soll, nach den Worten des Anbieters, durchaus sinnvoll sein – für wen genau, das wird sich noch zeigen müssen. Immerhin, so mag man kalauern dürfen, wird es wohl ein Unternehmen sein, bei dem sich kaum ein Kunde bei nicht oder schlecht erbrachter Leistung beschwert.

Und selbst wenn man einmal die Unwägbarkeiten der Unternehmenssituation und der Kommunikationskanäle mit der ganzen Palette von Insolvenz bis geänderte Rufnummern und E-Mail-Adressen außer Acht lässt, mag es für so manchen Angehörigen ein zweifelhaftes Vergnügen sein, wenn der Verstorbene, wie der Anbieter auflistet, seine Liebsten ein letztes Mal grüsst, jemandem zu einem wiederkehrenden Anlass gratuliert, sich etwas von der Seele redet oder beichtet, sich nochmals effektvoll in Erinnerung ruft und dergleichen mehr.

Momentan umfasst die Medienpalette von finalpopup.com SMS, E-Mails, Videobotschaften und einen Homepage-Generator, mit welchem auch Laien ihre eigene Homepage gestalten können sollen. Die Nutzer des Dienstes können sowohl ihre Beiträge wie Empfängeradressen zu jeder Zeit von überall auf der Welt ändern, ergänzen oder löschen.

Um zu gewährleisten, dass die Mitteilungen verlässlich erst nach dem Ableben des Verfassers versandt werden, wurde für finalpopup.com eine sichere Methode mit mehreren Optionen ausgetüftelt, betont der Anbieter, ohne näher ins Detail zu gehen. Auch sonst will der Dienst „äußerst hohe“ Sicherheitsstandards erfüllen, um die sensiblen Daten der Nutzer zu schützen:

„Botschaften und Daten werden bei fipup auf höchstem Sicherheitsniveau verschlüsselt übertragen, in gesicherter Serverumgebung verwaltet und gemäß den schweizerischen Datenschutzbestimmungen gehandhabt.“ Mehr als diese recht schwammige Aussage lässt sich der Webseite nicht entlocken.

Verdienen wird der Dienst mit seinen Kunden nicht schlecht – wird doch laut AGB bei der Registrierung des Nutzers eine „einmalige“ Registrierungsgebühr in Höhe von rund 30 Euro fällig. Warum die in ironisierende Anführungszeichen gesetzt wurde, mag der Kunde dann selbst und zu Lebzeiten herausfinden. Danach werden die gewählten Dienste jährlich in einer Art Abo ab 4,45 Euro für das Basispaket bezahlt. Damit leuchtet dann auch ein, warum der Anbieter darauf drängt, so früh wie möglich die letzten Worte bei ihm zu buchen.

Wenn ich ehrlich bin, wird mir irgendwie übel bei dieser Idee. Nun ja, wer so etwas braucht … 

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Krise? Geh ich nicht hin!

Montag, 16. Februar 2009

Krise – das ist nicht nur Nörgel, sondern auch eine Chance. So etwas in der Art muss sich jedenfalls eine Gruppe von Kreativen gedacht haben, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, der allgemeinen Jammerstimmung vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise zu trotzen und nebenbei etwas Umsatz über das Internet zu generieren.

“Man hat den Eindruck, mit jedem Euro, den die Regierungen weltweit zur Bekämpfung der Krise ausgeben, wird die Stimmung schlechter”, erklärt Mit-Gründer Pit Stratman (38). „Diese Negativ-Berichterstattung nervt so dermaßen, dass wir beschlossen haben, etwas dagegen zu tun“, so Stratman.

Nun ja, etwas gegen die Krise tun die geschäftstüchtigen Herrschaften tatsächlich – allerdings wohl zunächst gehen ihre eigene. Auf www.krisengejammer.de werden diverse rustikale Sprüche mit schlichten Motoven kombiniert und über ein vorgefertigtes Shopsystem verkauft. Nun ja …

Zustimmen muss man der Pressemitteilung der „Krisenjammerer“ aber in einem Punkt: „Wer seine Einkaufstasche füllt, leistet einen aktiven Beitrag gegen die Krise und das damit einhergehende Gejammer“, so Stratman.

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Die Bourne-Verschwörung ist doch kalter Kaffee

Montag, 16. Februar 2009

Ich will ja gar nicht sagen, ich hätte es ja schon immer gewusst – aber was soll ich machen? Dank meines unermüdlichen Forschungsdranges konnte ich nämlich schon 2005 die Grundlage zu einem aktuellen Filmstoff liefern. Aber Spaß beiseite – nee, eigentlich nicht, aber ich erzähle lieber der Reihe nach. Damals trug sich folgendes zu:

Unerschrockenen Forschern ist es mit Hilfe des Internets gelungen, eine der ungeheuerlichsten Verschwörungen aufzudecken, die man sich überhaupt vorstellen kann: Die Bielefeld-Verschwörung!

Ja, in der Tat, es geht um Bielefeld, die Stadt, der man nachsagt, Inspiration für den Raumschiff-Enterprise-Slogan „…die nie ein Mensch zuvor gesehen hat“ gewesen zu sein. Waren Sie schon einmal in Bielefeld? Sehen Sie, genau darum geht es bei der Bielefeld-Verschwörung.

Bielefeld, das fanden die investigativen Web-Surfer der Seite www.b-i-e-l-e-f-e-l-d.de heraus, gibt es nämlich gar nicht. Die Stadt, die angeblich in Ostwestfalen angesiedelt ist, sei nichts als eine Luftnummer – eine inszenierte Verschwörung, um uns alle in die Irre zu führen. Das Autokennzeichen „BI“ – eine Fälschung. Stadtpläne und Fotos – frei erfunden! Sogar eine virtuelle Fußballmannschaft namens „Arminia“ sei aufgebaut worden, um die Illusion perfekt zu machen.

Welche Tragweite die „Bielefeld-Verschwörung“ hat, wird schnell klar, wenn man den Einleitungstext der Webseite der ursprünglichen Entdecker dieser Verschwörung ansieht:

„Warnung: Diese Seite enthält Material, von dem SIE nicht wollen, dass es bekannt wird. Speichern Sie diese Seite nicht auf Ihrer lokalen Platte ab, denn sonst sind Sie auch dran, wenn SIE plötzlich bei Ihnen vor der Tür stehen; und das passiert schneller als man denkt. Auch sollten Sie versuchen, alle Hinweise darauf, dass Sie diese Seite jemals gelesen haben, zu vernichten. Tragen Sie diese Seite auf keinen Fall in ihre Hotlist/Bookmarks/etc… ein!!! Vielen Dank für die Beachtung aller Sicherheitsvorschriften.“

Die Webseite mit diesem Hinweis ist inzwischen im Internet nicht mehr erreichbar. Sie wurde stillgelegt – von IHNEN? Aber das Internet ist groß und zahlreiche unerschrockene Webseitenbesitzer wehren sich gegen den Bielefeld-Mythos und geben die Informationen unter der Hand weiter.

Was hat es mit Bielefeld auf sich? Aufschluss darüber gibt die „Ur-Seite“, die die „Verschwörung“ aufdeckte:

„Vor einigen Jahren fiel es einigen Unerschrockenen zum ersten Mal auf, dass in den Medien immer wieder von einer Stadt namens ‘Bielefeld’ die Rede war, dass aber niemand jemanden aus Bielefeld kannte, geschweige denn selbst schon einmal dort war. Zuerst hielten sie dies für eine belanglose Sache, aber dann machte es sie doch neugierig. Sie unterhielten sich mit anderen darüber, ohne zu ahnen, dass dies bereits ein Fehler war: Aus heutiger Sicht steht fest, dass jemand geplaudert haben muss, denn sofort darauf wurden SIE aktiv. Plötzlich tauchten Leute auf, die vorgaben, schon einmal in Bielefeld gewesen zu sein; sogar Personen, die vormals noch laut Zweifel geäußert hatten, berichteten jetzt davon, sich mit eigenen Augen von der Existenz vergewissert zu haben - immer hatten diese Personen bei ihren Berichten einen seltsam starren Blick. Doch da war es schon zu spät - die Saat des Zweifels war gesät. Weitere Personen stießen zu der Kerngruppe der Zweifler, immer noch nicht sicher, was oder wem man da auf der Spur war.

Dann, im Oktober 1993, der Durchbruch: Auf der Fahrt von Essen nach Kiel auf der A2 erhielten vier der hartnäckigsten Streiter für die Aufdeckung der Verschwörung ein Zeichen: Jemand hatte auf allen Schildern den Namen ‘Bielefeld’ mit orangem Klebeband durchgestrichen. Da wusste die Gruppe: Man ist nicht alleine, es gibt noch andere, im Untergrund arbeitende Zweifler, womöglich über ganz Deutschland verteilt, die auch vor spektakulären Aktionen nicht zurückschrecken. Von da an war uns klar: Wir müssen diese Scharade aufdecken, koste es, was es wolle!“

Die Macher der Aufklärungs-Webseiten belegen eindringlich, dass Fotos der vorgeblichen Stadt am Computer entstanden sein müssen und die als Einwohner auftretenden Menschen nur Statisten sein können. Und tatsächlich passen die Puzzlestücke zueinander – Bielefeld gehört in eine Reihe mit anderen großen Verschwörungen wie der ersten Mondlandung (hat nie stattgefunden und wurde in der Wüste von Arizona gespielt) oder dem Untergang der Titanic (das war ein Versicherungsbetrug mit dem Schwesterschiff Olympic).

Soweit der damalige Bericht, der natürlich nicht ernstgemeint war. Bei der „Bielefeld-Verschwörung“ handelt es sich um eine Parodie auf die – dann tatsächlich meist ernstgemeinten – Verschwörungstheorien, die sich im Internet finden.

Sie sehen, im Internet ist Raum für jeden noch so abwegigen Gedanken, denn schon von jeher war das Web auch ein Hort für Verschwörungstheoretiker. Zum Glück eben auch für eher humoristische…

Die Geschichte findet hier aber mitnichten ihr Ende. Der Grund, warum ich sie noch einmal ausgegraben habe, findet sich in einer aktuellen dpa-Meldung, nach der das seit 15 Jahren kursierende Gerücht nun verfilmt werden soll.

“Die ganze Kommunikation in Bielefeld ist kontrolliert - eine moderne Version der DDR”, sagte der Leiter des Filmprojekts, Fabio Magnifico, am Freitag an dem Ort, der Bielefeld genannt wird, der Deutschen Presse-Agentur dpa. “Dieser Mythos ist einzigartig auf der Welt.”

Ob diese Filmabsichten nun wiederum eine geschickte Weiterführung des Bielefeld-Kults sind oder ob an der Sache wirklich etwas dran ist, lässt sich leider noch nicht mit Sicherheit sagen. Spannend fände ich den Bielefeld-Film aber schon.

Angeblich soll bis zum Frühjahr 2010 ein “Agenten-Thriller im Stil von James Bond” entstehen. Gedreht werden soll, so die Meldung, in Griechenland - und in Bielefeld. Das Filmprojekt ist eine Koproduktion von Medienwissenschaftern der Universität Bielefeld und dem Bielefeld Marketing. Womit zumindest bewiesen ist, dass die Bielefelder, sofern sie existieren, über Humor und gesunden Geschäftssinn verfügen.

Wenn Sie sich selbst einen Eindruck vom Ausmaß der Bielefeld-Verschwörung machen wollen, schauen Sie auch hier nach: de.wikipedia.org/wiki/Bielefeldverschwörung 

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