Wann sind Sie eigentlich zum letzten Mal in einen Laden gegangen und konnten tatsächlich erfolgreich das mitnehmen, was Sie kaufen wollten? Mir gelingt das, wenn ich mal von Lebensmitteln und dergleichen absehe, nur noch sehr selten.
Heute war es mal wieder soweit, ich wollte etwas kaufen. In den Kopf gesetzt hatte ich mir ein Telefon, das ein bekannter Mobilfunkanbieter in seinen Shops aufwendig bewirbt. Leider ist das Gerät nicht ganz billig und so habe ich mich einige Tage mit dem Kaufgedanken getragen. Heute war es dann soweit, ich betrat das Ladenlokal, warf einen prüfenden Blick auf das Display mit dem ausgestellten Gerät und trat frohgemut an die Theke, zum äußersten bereit und willens, einige hundert Euro zum Umsatz beizutragen.
„Hallo, ich hätte gern Gerät XY“, eröffnete ich die erste Runde des Verkaufsgesprächs. „Aber gern“, tönte es mir entgegen. Gut, hier wäre der erfahrene Mobiltelefonkäufer schon misstrauisch geworden, aber ich war ganz zutraulich. „Mit welchem Vertrag“, lächelte mich der Verkäufer an. „Kein Vertrag, nur ein Telefon“, konterte ich und sein Lächeln schrumpfte deutlich zusammen. „Aber warum nicht?“ Ich erklärte, mit meinem jetzigen Angebot glücklich zu sein, aber vielleicht später auf das Angebot eines Vertrages zurückzukommen.
Also verschwand ein Kollege im hinteren Teil des Ladens, der wohl das Lager beherbergte. „Keins mehr da“. Das hätte ich mir fast denken können, immerhin wird dieses 400-Euro-Gerät ja heftig beworben, wie kann man da erwarten, dass es auch verkauft wird?
„Aaaaber”, so schob der Verkaufsjüngling nach, „wir könnten Ihnen das Vorführgerät geben“. Eine tolle Idee von dem Mann, doch noch den Verkauf zu tätigen. „Billiger können wir es Ihnen aber nicht lassen.“ Da war er wieder, der Tiefschlag des Einzelhandels.
Die Diskussion darüber, dass es eigentlich üblich ist, benutzte Geräte mit einem gewissen Rabatt an den Kunden weiterzugeben, verpufften an der Wand, die da lautete, dass dieses spezielle Gerät ‚leider’ (warum konnte ich dieses Bedauern nicht so recht glauben?) nicht rabattierbar sei.
Unverrichteter Dinge verließ ich leicht frustriert das Ladenlokal, um 300 Meter weiter die nächste, ebenso rote Filiale anzusteuern. Zum Glück gibt es nämlich bei uns in der Innenstadt mehr Telefonläden als Mülleimer.
So langsam hatte ich das Gefühl, in einem alten Western gelandet zu sein – genau an der Stelle, wo es das große Duell zwischen Kunde und Verkäufer gibt.
Die Sonne flirrt vom Himmel, ich gehe langsam die staubige Hauptstraße entlang, den Blick auf mein Gegenüber gerichtet, der sich hinter der Theke auf den Schlagabtausch vorbereitet, als er mich kommen sieht. Von irgendwoher weht der Klang einer Mundharmonica zu mir herüber. Passanten fliehen in die nächsten Hauseingänge.
Ich schlage meinen Mantel zurück, meine Hand schwebt locker über der Geldbörse, bereit, im entscheidenden Moment zuzugreifen.
Ich fixiere den Händler, kein Zucken verrät meine Absicht, als wir die Tageszeit austauschen. Ich spüre, wie er auf meine Bewegung lauert. Jetzt schlage ich zu und setze ich meine Ich-brauche-jetzt-wirklich-ein-Telefon-Mine auf und fragte nach dem Gerät, das auch hier in aller Schönheit auf einem großen Verkaufsständer thronte.
„Ja, haben wir“, kontert er geistesgegenwärtig. Ich konnte es kaum fassen. Um ein Haar hätte er mich erwischt. „Gut“, presse ich zwischen den Lippen hervor, wachsam den zweiten Mann fixierend. Was hat er vor? Warum nähert er sich verdächtig langsam der Hintertür? „Nehme ich.“ Man kann eine Stecknadel fallen hören, so ruhig ist es in Mobile City plötzlich. Der zweite Mann stutzt – ich habe sie in der Zange, es gibt keinen Ausweg, er muss ins Lager.
Nach überraschend kurzer Zeit kehrte er zurück: „Komisch. Im System stehen noch zwei Geräte, es ist aber keins da.“ Die Mundharmonika verstummt, die Telefonladen-Cowboys habe aufgegeben - ein Versuch, mir etwas Vergleichbares zu präsentieren, wird gar nicht erst gemacht und der Abspann läuft. Moment, was steht da? Ein Film der Bestellservice.de, produziert von Internet Inc.
Muss man sich da eigentlich noch wundern, warum der Einkauf im Internet immer beliebter wird? Man stelle sich das einmal vor: Zwei Filialen desselben großen Anbieters, beide bewerben mit deutlichem Nachdruck ein durchaus hochpreisiges Gerät und in beiden Filialen ist man völlig überrascht davon, dass es Kunden gibt, die so ein Gerät tatsächlich mitnehmen wollen. Und das, obwohl geschätzte 6 weitere Mitbewerber in etwa 300 Metern Umkreis vorhanden sind. Kein Versuch, dem offenbar zahlungswilligen Kunden entgegenzukommen oder wenigstens ein vergleichbares Gerät anzubieten. Es muss dem Handel wohl doch noch recht gut gehen.
Ich werde jetzt ein anderes Gerät kaufen – natürlich im Internet, wo ich es noch etwas billiger bekomme als im Handel.