Das ist der Paul. Der Paul ist 58 und hat es schwer. Der Paul ist nämlich Rentner. Und er hat einen Computer. Und weil der Paul auch irgendwo dazugehören möchte, hat er einen Internetanschluss. Jetzt gehört der Paul dazu – zu den 69 Prozent der Haushalte in Deutschland, die einen Internetanschluss nutzen.*
Damit könnte der Paul glücklich sein. Ist er aber nicht. Der Paul hat nämlich viel Zeit. Darum liest er gern. Newsletter zum Beispiel. Und weil der Paul auch gern reden möchte, schreibt er auch. Dazu hat der Paul ein tolles E-Mail-Programm.
Aber weil der Paul vieles nicht so versteht, wird er schnell böse mit Leuten. Die sind nämlich gemein zu ihm. Die machen so Sachen, die der Paul nicht verstehen kann. Sie schreiben mit großen und kleinen Buchstaben und benutzen sogar Genitiv und Dativ und solche schlimmen Dinge. Einfach so. Echt gemein.
Weil die so gemein sind, schreibt Ihnen das der Paul immer wieder. Ob sie wollen oder nicht, denn der Paul hört einfach nicht darauf, wenn diese gemeinen Leute sagen, er soll nicht mehr schreiben. Schließlich hat der Paul ein Recht darauf, zu schreiben, wo er doch von ihnen so komische Newsletter bestellt hat. Paul ist nämlich hartnäckig und gibt so leicht nicht auf. Die müssen doch einsehen, dass Sie endlich auch so schreiben müssen, dass er es versteht.
Und wenn der Paul eine E-Mail bekommt, die er nicht versteht, dann wird er richtig böse. Dann erklärt er denen, was er von Ihnen hält. So richtig. Mit schlimmen Worten. Zur Not erfindet er sogar etwas. Das ist dann gelogen. Macht aber nichts. Denn der Paul möchte, dass alle wissen, wie schwer er es hat und wie böse alle sind, die ihn nicht verstehen.
Und weil das so schön ist, macht der Paul das immer wieder, egal, wie oft er gesagt bekommt, er soll damit aufhören. Wenn der Paul so weitermacht, hat er bald noch viel mehr Post. Dann schreiben ihm nämlich Leute, deren Beruf es ist, Leuten wie ihm zu sagen, dass er aufhören soll. Das ist dann richtig so, damit der Paul versteht, dass er etwas nicht versteht.
Das bringt mich auch schon zum heutigen Thema: Stalking im Internet. In der Realität stellt sich das nämlich viel weniger komisch dar als in dem obigen, überzeichneten und frei erfundenen Beispiel. Ein besonders tragischer Fall ereignete sich erst vor kurzer Zeit in den USA. Dort brachte sich ein 13-jähriges Mädchen um, nachdem es über seine MySpace-Seite terrorisiert wurde. Wie die Rheinische Post in Ihrer Online-Ausgabe berichtete, hat eine Frau gemeinsam mit ihrer Tochter und einem Freund aus Rache der komplexbeladenen 13-jährigen einen Internet-Freund vorgespielt. Dieser vorgebliche 16-jährige zeigte sich zunächst an dem Mädchen interessiert und flirtete, um ihr dann mitzuteilen, dass die Welt ohne sie schöner wäre. Die schockierte 13-jährige hat dieses brutale Spiel nicht verkraftet und sich das Leben genommen.
Natürlich kommt es nicht immer zu derart drastischen Vorfällen, aber es lässt sich nicht leugnen, dass es eine ganze Reihe von Betroffenen gibt, die von so genanntem Cyber-Stalking betroffen sind. So werden beispielsweise Menschen mit E-Mails terrorisiert, teilweise werden auch anonym „Fakten“ an die nähere Umgebung, etwa Familienmitglieder oder Arbeitgeber, verschickt. Ein solcher, oft monatelang andauernder Terror kann die Betroffenen in Depressionen stürzen und massiv in ihrem Leben beeinträchtigen.
Wie die Seite Cyberstalking.at beschreibt, gibt es bisher noch keine einheitliche Definition von Cyberstalking. „Einige Experten sehen Cyberstalking als eine Erweiterung der physischen Form von Stalking an. Cyberstalking bezieht sich im allgemeinen auf den Gebrauch von Internet, Email und anderen Kommunikationsmitteln, um eine Person zu belästigen und/oder zu stalken.“**
Klar hervorgehoben wird auch, dass zu Cyberstalking nicht etwa die Belästigung durch Spam-Mails gehört. Vielmehr handelt es sich bei Cyberstalking um einen absichtlichen, bewussten, methodischen und langfristig erfolgenden Vorgang. Hinzu kommt die Gefahr, dass das virtuelle Stalking sich auch zu einer realen, d. h. physischen Bedrohung ausweiten kann.
Cyberstalking tritt dabei in drei Grundformen auf: E-Mail-Stalking, bei dem die Mailbox mit bedrohlichen oder geschmacklosen Inhalten zugemüllt wird, gern auch mit Viren oder Trojanern garniert. Einen Schritt weiter geht das Internet-Stalking, bei dem rufschädigende Falschinformationen im Internet verbreitet werden, persönliche Daten gemeinsam mit sexuellen oder herabwürdigenden Inhalten präsentiert werden, Webseiten, Newslettereinträge, Bestellungen etc. unter dem Namen des Opfers durchgeführt werden oder auch Beiträge unter dem Namen des Betroffen präsentiert werden. Schließlich ist da noch das Computer-Stalking, bei dem der gesamte PC unter Kontrolle des Täters gerät.
In Deutschland ist seit dem 31.März 2007 das Gesetz zur Strafbarkeit beharrlicher Nachstellungen in Kraft. „Stalking-Opfer werden künftig strafrechtlich besser geschützt. Der Gesetzgeber hat damit ein eindeutiges Zeichen gesetzt: Stalking ist keine Privatsache, sondern strafwürdiges Unrecht“, so Bundesjustizministerin Brigitte Zypries zu der Gesetzesnovelle.
Interessante Quellen zum Weiterlesen sind unter anderem das Stalking-Forum oder auch Cyberstalking, Stalking-KIT, Bundesministerium der Justiz: Rat für Stalkingopfer und Stalkingpraxis.
Quellen:

