Das Leben kann schon manche Momente enthalten, die einen aufschrecken lassen und in denen man sich fragt: „Was tue ich hier eigentlich? Gibt es einen tieferen Sinn?“ Viele haben solche Momente schon erlebt – manche allerdings auch noch nie.
Thomas G. Hornauer ist ein Mensch, der sich dieser Sinnsuche verschrieben hat. Er betreibt mit seinem Kanal Medial einen fragwürdigen Esoterik-Shoppingsender, der inzwischen die Fernsehkanäle verlassen musste. Mittlerweile ist Hornauer mit einem Livestream im Internet präsentiert:
„Den Nutzern werden auf der Kanal Telemedial-Vermittlungsplattform interaktive wissenschaftliche Beratungsleistungen und Horoskope anhand anerkannter Regeln der Astrologie, des Kartenlegens, des Hellsehens oder der allgemeinen Lebensberatung für alle Bereiche und Probleme des menschlichen und tierischen Lebens angeboten. Bei den Experten handelt es sich um kompetente, geprüfte und erfahrene Astrologen, Seher, Kartenleger, Psychologen oder allgemeine Gesundheits- und Lebensberater. Die Nutzer können Beratungsleistungen und Horoskope per Telefon und per SMS erhalten. Außerdem werden den Nutzern auf der im Fernsehen zu empfangenen Kanal Telemedial-Vermittlungsplattform Produkte von verschiedenen Anbietern zum Kauf angeboten“, so die AGB der Plattform.
So werden natürlich auch alle Aktionen, die bei anderen Unternehmen als unverfilmbar, weil zwischen banal und blöde angesiedelt, wie etwa das Lesen der E-Mails oder eine wilde Google-Suche, fröhlich ausgestrahlt – es wird schon einen geben, der sich davon zu einem kostenpflichtigen Anruf oder einer Spende, die dort Energieausgleich genannt wird, animieren lässt.
In einer Art Lebenshilfe per Telefon, die in erster Linie der Selbstdarstellung des Chefs Hornauer zu dienen scheint, dürfen dann Menschen, die keinen anderen Ausweg mehr wissen, gegen nicht zu geringe Gebühren pro Minute anrufen.
In seinem Programm ringt Hornauer mit allem, was sich ihm in den Weg stellt: den Menschen, die ihn kritisieren oder über ihn berichten, der deutschen Sprache, seinen Atemwegen und dem Sinngehalt seiner Worte. Hornauer zeigt sich dabei erstaunlich innovativ. So gilt er beispielsweise als der Erfinder der „Senilcourage“ und glänzte auch schon einmal durch die Aufforderung an Staatsanwälte, doch bei einer von ihm gewitterten Verschwörung Amnesie zu erteilen.
Dabei ist er, dem die Nähe zu Sektierern nachgesagt wird, auf eine herzerfrischende Weise komisch, wenn auch nur für einen kurzen Moment – dann realisiert der Zuschauer, dass Hornauer das, was er da schnaubend von sich gibt, tatsächlich ernst zu meinen scheint.
In seiner Art, jede öffentliche Kritik und Kommentierung seiner Auftritte als Grund zur Klagedrohung zu sehen – wobei ihm grundlegende Kenntnisse des Urheber- und Zitatrechts nicht geläufig zu sein scheinen – ähnelt er einem Stalker auf Speed, der versucht, alle Opfer auf einen Schlag zu belästigen und zu bedrohen. Es fällt schwer, die öffentlich gemachte Ankündigung, er würde seine Feinde mit seinen Millionen plattmachen wollen, anders zu werten.
Hornauer und sein obskures Firmengebilde, das die „neue Art von interaktivem Fernsehen“ darstellen soll und der Sender für „Ihre innere Heilung“ sein soll, lässt uns einen Blick in die unterste Schublade des Internets werfen und stellt den Betrachter auf eine harte Probe, muss man sich doch sehr beherrschen, um sich nicht nach dem ersten Kopfschütteln zu fragen, ob derartige Dinge nicht eigentlich auf die von der Leyensche Liste gehören.
Aktuell hat der Mann, dem es wichtig ist, darauf hinzuweisen, dass es sich bei „TELEMEDIAL“, „KANAL-TELEMEDIAL“ und „THOMAS G. HORNAUER“ um eingetragene Wort- bzw. Bildmarken handelt, sich neben Oliver Kalkofe, dem Portal Ciao und vielen anderen nun auch den Medienjournalisten Stefan Niggemeier als „Feind“ auserkoren und führt mit der von ihm gewohnten Leichtigkeit sein Verständnis von Medien und vor allem vom Internet vor.
Wie das dann aussieht, können Sie dem YouTube-Beitrag an dieser Stelle entnehmen. Auslöser der dort zu beobachtenden verbalen Inkontinenz war augenscheinlich dieser Beitrag von Stefan Niggemeier: Kanal Telemedial: Das ist strafrechtlich!, in dem Herrn Hornauers Auffassung über Internetforen als kriminelle Vereinigungen zitiert wird. Nehmen Sie sich die Zeit und machen Sie sich ein Bild von diesem wirklich ganz erstaunlichen „immateriellen Teleshop“.
Sehr viel Interessantes zur fremden Welt des Herrn Hornauer findet sich auch bei The Aufsichtsbehördle.


