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Artikel mit ‘Rechtsextremismus’ getagged

Web 2.0 – braun oder bunt?

Mittwoch, 19. August 2009

Gerade lese ich eine Meldung, deren Inhalt mir so gar nicht gefällt. Rechtsextreme haben im vergangenen Jahr ihre Aktivitäten im Internet verstärkt, berichtet die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Die retrograden Zeitgenossen nutzen die Möglichkeiten des Web 2.0, um menschenverachtende Inhalte zu verbreiten und Jugendliche mit Videos und Musik zu ködern. Auch gründen Neonazis eigene soziale Netzwerke für Gleichgesinnte, in denen sie ungehindert gegen Minderheiten hetzen und demokratiefeindliche Thesen verbreiten können.

Hier sind die Betreiber dieser Dienste gefordert. Sie müssen weitere Anstrengungen unternehmen, um den Missbrauch ihrer Plattformen durch Rechtsextreme zu verhindern, zumal diese Klientel sich ja auch negativ auf ihr Ansehen und Geschäft auswirkt. Erst kürzlich ist in diesem Zusammenhang das Soziale Netzwerk Facebook mal wieder ins Gerede gekommen, da dort zahlreiche braundumme Mitglieder ihr Unwesen zu treiben scheinen.

Die Anzahl der allein von jugendschutz.net dokumentierten unzulässigen rechtsextremen Beiträge in Sozialen Netzwerken und Videoplattformen hat sich 2008 auf mehr als 1.500 verdoppelt. Auch gibt es derzeit so viele Szene-Websites wie nie zuvor: 1.707 Angebote recherchierte jugendschutz.net im vergangenen Jahr.

Ein Trend zieht sich dabei durch beinahe alle Bereiche: Rechtsextreme sprechen mit bunten Websites, Symbolen aus verschiedenen Jugendszenen und griffigen Slogans junge Internetuser an. Vor allem Neonazi-Kameradschaften und so genannte Autonome Nationalisten, von denen jugendschutz.net 2008 insgesamt 321 Angebote sichtete, nutzen multimediale Möglichkeiten wie Filme und verschleiern ihre rassistischen und antidemokratischen Botschaften. In vielen Fällen ist der rechtsextreme Kontext nicht mehr auf den ersten Blick zu erkennen.

“Für Rechtsextreme sind Videos und Musik inzwischen das Propagandainstrument Nummer Eins. Und die Möglichkeiten, die sich durch Web 2.0-Plattformen für die Verbreitung ihrer Hass-Botschaften bieten, sind schier unbegrenzt”, erläutert der Leiter des Arbeitsbereichs Rechtsextremismus von jugendschutz.net, Stefan Glaser. “Hier müssen auch die Betreiber der Plattformen konsequent an effektiven Lösungen arbeiten, um die Verbreitung unzulässiger Inhalte über ihre Dienste auch eigeninitiativ zu verhindern”, fordert Glaser.

Das Team von jugendschutz.net geht gezielt gegen unzulässige Inhalte vor, zum Beispiel durch die Kontaktaufnahme zu in- und ausländischen Providern. Insgesamt konnte jugendschutz.net im vergangenen Jahr in 80 Prozent der unzulässigen Fälle die Entfernung der Inhalte erreichen.

Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, die jugendschutz.net fördert, hält die Arbeit gegen Rechtsextremismus im Internet gerade im Hinblick auf die steigenden Zahlen und die gezielte Ansprache von Jugendlichen für enorm wichtig:

“Heranwachsende verbringen immer mehr Zeit im Internet, gerade auch im Web 2.0. Damit das Medium weiterhin Demokratie und Toleranz fördern kann, muss Rechtsextremen in sämtlichen Diensten die Rote Karte gezeigt werden. jugendschutz.net leistet hierzu einen wesentlichen Beitrag.”

Aktuell hat jugendschutz.net mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung (HLZ) die Broschüre “Klickt’s? Geh Nazis nicht ins Netz!” veröffentlicht, um 12- bis 15-Jährige über rechtsextreme Internet-Propaganda aufzuklären und ihnen zu zeigen, wie sie sich gegen Beeinflussungsversuche und Diskriminierungen zur Wehr setzen können.

Auch die von der bpb geförderte Online-Beratung gegen Rechtsextremismus des Vereins “Gegen Vergessen – Für Demokratie” setzt auf Aufklärung im Internet. Die Stelle betreibt einen sozialpädagogischen Beratungsangebot für Personen, die mit Rechtsextremismus konfrontiert sind und wendet sich damit auch an jüngere Internet-Nutzer.

Der aktuelle Bericht von jugendschutz.net kann hier als PDF heruntergeladen werden. Hinweise auf Rechtsextremismus im Internet können über die Online-Beschwerdestelle an jugendschutz.net gesendet werden: www.jugendschutz.net/hotline.

[Nachtrag 21. August 2009]: Natürlich kann und muss man auch privatwirtschaftliche Organisationen wie jugenschutz.net kritisch hinterfragen, zumal die ermittelten Zahlen (1.707 Websites) deutlich höher liegen als die des Verfassungsschutzes.

Ohne das Engagement von jugendschutz.net schmälern zu wollen, so muss man natürlich die Frage nach den Kriterien stellen und darf sich auch wundern, was wohl Ursache sein mag, dass jugendschutz.net davon spricht, dass „immer mehr Rechtsextreme“ das Internet nutzen, „mehr Szene-Websites als je zuvor“ existieren und die „Präsenz rassistischer und demokratiefeindlicher Inhalte im Web 2.0“ rasant wächst, während der Verfassungsschutzbericht 2008 deutlich unaufgeregter meldet:

„Das Internet bleibt für Rechtsextremisten eine bedeutende Plattform zur Verbreitung ihrer Ideologie, Mobilisierung ihrer Anhänger und Werbung neuer Sympathisanten. Die Anzahl der von Deutschen betriebenen rechtsextremistischen Internetpräsenzen blieb auch 2008 konstant bei etwa 1.000, wobei innerhalb dieser Gesamtzahl weiterhin eine äußerst hohe Fluktuation der rechtsextremistischen Homepages zu beobachten ist.“

Damit soll die Situation keinesfalls verharmlost werden, denn, so der Verfassungsschutzbericht:

„Die Gefahr einer weitgehend risikolosen anonymen Verbreitung rechtsextremistischer Propaganda im Internet muss vor allem deshalb als beachtlich eingestuft werden, weil ihre Wirkung auf Jugendliche durch das Angebot multimedialer Elemente (Ton- und Videosequenzen) gegenüber herkömmlichen Medien der rechtsextremistischen Szene deutlich gesteigert wird. Die Tatsache, dass Internet-Communities nicht im Verdacht stehen, von Extremisten betreut zu werden, fördert zudem, dass der rechtsextremistischen Szene nahestehende Personen sich hier unbeobachtet und sicher fühlen.“

Aufklärung ist hier absolut notwendig und wichtig, drastische „so viel wie nie zuvor“-Formulierungen sollten aber nicht den Vorwand für weitere Filter-Aktivitäten liefern, wie sie derzeit bereits laut werden.

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Nazis aus dem Takt bringen

Mittwoch, 08. Juli 2009

Das Städteportal meinestadt.de und die lokale Community meineleute.de unterstützen als Medienpartner die bundesweite Musikaktion “Nazis aus dem Takt bringen - Starke Stimmen gegen Rechts”. Sowohl auf meinestadt.de als auch auf meineleute.de laufen verschiedene Banner, die auf die Initiative gegen Rechtsradikalismus in Deutschland aufmerksam machen.

Im Rahmen dieser Aktion hat eine prominent besetzte Jury in den vergangenen Tagen aus über 300 Bands aus ganz Deutschland die zehn Favoriten ausgewählt. Die drei Siegerbands, die zusammen mit vielen bekannten Musikern aus Deutschland im September auch beim großen “Abschlusskonzert gegen Rechts” in Berlin auftreten und zudem eine CD aufnehmen werden, küren ab heute bis zum 10. Juli die Internetnutzer - unter anderem auch von meinestadt.de und meineleute.de.

“Für uns ist es selbstverständlich, diese Aktion zu unterstützen. Denn nur gemeinsam können wir etwas gegen Rechtsradikalismus in Deutschland tun und die Bürger dafür sensibilisieren. Als Portal für alle Städte Deutschlands ist meinestadt.de bestens geeignet, um dieses Thema in die Städte zu transportieren”, sagt Thorsten Laumann, Pressesprecher von meinestadt.de.

“Nazis aus dem Takt bringen” ist eine Initiative unter anderem von Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, dem DGB-Bundesvorsitzenden Michael Sommer, dem Bundesvorsitzenden des Musikverbandes Dieter Gorny, Smudo von den Fantastischen Vier, der Band The BossHoss, Professor Tim Renner und der Soulsängerin Oceana. Zahlreiche Bands und Künstler haben zudem ihre Unterstützung für das Projekt erklärt: Peter Fox, Rosenstolz, Marius Müller-Westernhagen, Polarkreis 18, Söhne Mannheims, Selig, Eisblume, K.I.Z., 2Raumwohnung, Virginia Jetzt!, Bosse, Jennifer Rostock, und viele andere.

Hier geht’s direkt zur Abstimmung: www.myspace.com/nazisausdemtaktbringen

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Nazis in Internet-Gemeinschaften

Montag, 08. Dezember 2008

Nicht nur das aktuell viel beachtete Interview eines holländischen Fernsehteams mit Johannes Heesters und der daraus resultierende Wirbel um den „guten Kerl“ Hitler (mehr dazu hier) hat das Thema Rechtsextremismus wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt.

Internet-Gemeinschaften wie Facebook und MySpace sowie der Internet-Musiksender last.fm sind vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebt, stellt die Computerbild nicht zu unrecht fest. Neben dieser Zielgruppe ziehen die Plattformen aber auch immer mehr Rechtsradikale an, die dort ihr braunes Gedankengut verbreiten, sagt das Magazin in Ausgabe 26/2008.

So gäbe es, berichtet Computerbild in einer Pressemitteilung, bei MySpace beispielsweise einen deutschen Nutzer namens Adolf, der in sein Mitgliedsprofil SS-Runen eingebaut habe.

Schlimm sehe es auch bei der Musik-Community last.fm aus: Auf den deutschen Seiten des britischen Angebots finden sich, so die Computerbild, Nazi-Parolen wie “Sieg Heil an alle Kameraden hier” und ausländerfeindliche Hass-Botschaften wie “raus mit dem gesindel und wech gas oder sonst was”.

Mit nur einem Klick kann jedes Mitglied Kontakt zum jeweiligen Verfasser aufnehmen. Von Nutzern geschriebene Artikel porträtieren Gruppen wie “Störkraft” und “Zillertaler Türkenjäger”, Mitglieder veröffentlichen zugehörige Listen mit Hass-Liedern der Bands.

Alexandra Beyersdörfer von jugendschutz.net berichtet, dass die Kontrollstelle 2007 “mehr als 750 rechtsextreme Videos und Profile in solchen Communities dokumentiert hat, Tendenz steigend”.

Unglaubliches weiß Computerbild auch von Apples Musikshop iTunes zu berichten. In dessen deutschem Ableger konnten Nutzer sogar zwei Alben von “Landser” kaufen - einer “Musikgruppe”, die 2005 vom Bundesgerichtshof zur kriminellen Vereinigung erklärt wurde. Die verbotene Gruppe spielt Lieder namens “Polacken Tango” und “Zigeunerpack”. Auf Nachfrage von Computerbild entfernte Apple die Band aus iTunes.

Internetnutzer können selbst aktiv werden, um rechtes Gedankengut aus dem Netz zu verbannen: Hass-Propaganda lässt sich meist direkt bei den Online-Gemeinschaften melden. Die last.fm-Betreiber versprechen etwa, rechtswidrige Meinungsäußerungen innerhalb von 24 Stunden zu entfernen - wie bei den hier genannten Fällen. Falls die Anbieter nicht reagieren, können Hass-Parolen beispielsweise beim Unternehmen www.jugendschutz.net gemeldet werden.

Wenn Sie beim Surfen im Internet auf Webseiten mit rassistischen und rechtsextremen Inhalt gestoßen sind, sollten Sie diese Inhalte nicht einfach ignorieren, sondern Sie anzeigen. Eine Möglichkeit dazu bietet haGalil.com, das größte jüdische Onlineportal in deutscher Sprache, das auf seiner Website das weltweit meistgenutzte “Formular zur Meldung rechtsextremistischer Seiten” zur Verfügung stellt. Nach der Meldung einer Website mit rassistischen und rechtsextremen Inhalt wird bei haGalil recherchiert, der strafrechtliche Gehalt der angegebenen Website geprüft und Anzeige gegen die Verantwortlichen der Seiten erstattet.

Als Informationsquellen zum Thema Rechtsextremismus gibt es einige gute Internetauftritte, darunter Mut gegen rechte Gewalt, die Bundeszentrale für politische Bildung und Netz-gegen-Nazis.de. Auf diesen Plattformen gibt es auch Hilfe, etwa zu Fragen wie „Was kann ich tun, wenn Neonazis in “meinem” Internet-Forum aktiv sind?“

Eine Übersicht über das Thema Rechtsextremismus liefern auch Wikipedia oder die Seiten der Friedrich-Ebert-Stiftung

 

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Wer ist verantwortlich?

Mittwoch, 26. März 2008

Dass der Betrieb von so genannten Web-2.0-Plattformen nicht immer nur ein Quell reiner Freude ist, konnten wir ja in der Vergangenheit schon einige Male feststellen. Die Rechtslage gilt nach wie vor als verworren und im Streitfall steht die Frage, wer denn für die dort eingestellten Inhalte verantwortlich ist und wie schnell diese entfernt werden müssen, im Raum.

Jüngstes Beispiel ist die Google-Tochter YouTube, gegen die der Zentralrat der Juden gerade eine Klage vorbereitet. Der Vorwurf: “Mittäter an Rassenhass und Diskriminierung”.

Wie in einigen Nachrichtenmeldungen zu lesen war, will der Zentralrat der Juden in Deutschland den Suchmaschinengiganten Google verklagen, da er sich mit seiner Videoplattform YouTube zu einem “Mittäter an Rassenhass und Diskriminierung” mache.

Ausgelöst wurde die Klage durch en Vorwurf, die rechtsextremistische Szene nutze YouTube für Ihre Zwecke und würde dort volksverhetzende Videos präsentieren. Als Beispiel wurde ein Video genannt, auf dem ein Bild des verstorbenen Zentralrats-Präsidenten Paul Spiegel verbrannt wird. Dieser Film sei monatelang auf YouTube abrufbar gewesen.

Der Zentralrat der Juden ist der Meinung, die Betreiber der Seite würden nicht wirksam gegen derartige Inhalte vorgehen und fordert daher von Google, mehr Kontrollpersonal einzustellen.

Wie eine Report-Sendung bereits im letzten Sommer berichtete, scheint es sich dabei nicht um einen Einzelfall zu handeln. So habe etwa Jugendschutz.net, die zentrale Stelle für die Einhaltung des Jugendschutzes im Internet, in mehr als hundert Fällen zum Hass aufstachelnde Videos bei YouTube abgemahnt, ohne dass Google diese Filme aus dem Angebot genommen hätte.

Google sieht das natürlich etwas anders und betont die Verantwortung als Plattformbetreiber. Man würde seit mehr als drei Jahren mit der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia zusammenarbeiten, um jugendgefährdendes Material auszusortieren. Ganz deutlich betont auch der Sprecher von Google Deutschland, Stefan Keuchel, dass man derartige Inhalte auf der Plattform nicht wolle. Auch habe man eine technische Möglichkeit, die verhindert, dass einmal von der Plattform verbannte Videos erneut hochgeladen würden.

Allerdings muss Keuchel auch eingestehen, dass es die schiere Menge an neu eingestellten Videos unmöglich mache, alles auf seine Rechtmäßigkeit zu kontrollieren.

Nun ist Youtube eine besonders prominente Plattform und hier eingestelltes Material erreicht in der Tat auch einen besonders großen Personenkreis. Ob es hier mit dem genannten Argument getan ist, mag daher bezweifelt werden.

Doch auch andere Plattformen sind schon in juristische Bedrängnis gekommen – bekanntester Fall dürfte wohl ein Forum des Heise-Verlages sein, der für unflätige Kommentare einzelner Nutzer in die Pflicht genommen wurde.

Dem berechtigten Wunsch nach dem Unterbinden von über den alltäglichen Unsinn hinausgehenden schädigenden Äußerungen steht hier die universelle 24-Stunden-Verfügbarkeit einer Internet-Plattform gegenüber. Auf lange Sicht werden sich daher wohl Verfahren zu diesem unliebsamen Aspekt des Internets häufen.

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