Die nachfolgende Meldung fand ich doch recht interessant, zumal sich die spannenden Punkte so nett in Nebensätzen bzw. am Ende der Meldung verstecken. Ein Punkt wie der, dass das das Beherrschen des “journalistischen Handwerks” als weniger bedeutend gesehen wird, ist im Zeitalter der allerorten aufpoppenden Leservoyeure schon mal eine mehr als spannende Innensicht der Branche.
Fast schon ein Allgemeinplatz ist demgegenüber die Feststellung, die Qualität der klassischen Medien habe sich verschlechtert - allerdings nicht nur diese. Sowohl die etablierten und weniger etablierten Printmedien leiden an einem fast phobisch anmutenden Verhältnis zu Sprache und inhaltlicher Durchdringung, als auch die Online-Medien, die hier einen nicht minder desaströsen Eindruck hinterlassen. Die Anschlussfrage, woher diese Mängel denn stammen, wurde leider nicht gestellt. Man hätte vielleicht etwas über schlechte bis nicht vorhandene Ausbildung und das gefährliche Dreigestirn Unkenntnis, Bequemlichkeit und Zeitdruck erfahren.
Die “Abkehr vom Qualitätsjournalismus” geht dabei Hand in Hand mit einer riesigen Menge von PR-Material, das aber in vielen Fällen mit grottenschlecht noch beschönigend umschrieben würde. Das wiederum ist auch kein Wunder, denn wer einmal gesehen hat, wie es in vielen Agenturen zugeht, weiß, dass man von Praktikanten, Volontären und einigen zu schnell beförderten Beratern nicht mehr erwarten kann. Wer unter hohem Druck in kurzer Zeit Ergebnisse produzieren muss, ohne dass er über das entsprechende Rüstzeug verfügt, kann nur noch Geschwafel abliefern - und ich rede hier weiß Gott nicht von irgendeiner Lieschen-Müller-Agentur.
Aber zurück zur Innensicht der schreibenden Zunft. Hier offenbarten sich nämlich auch langfristige Probleme, etwa dann, wenn in vielen Medien keine interne Blattkritik zur Qualitätsverbesserung stattfindet. Wenn dazu noch Gespräche mit Experten an die letzten Stelle in der Recherche-Hitliste treten, wird die Sache doch etwas befremdlich.
So, genug der Vorrede, hier die Meldung:
Journalisten sind der Meinung, dass das parallele Arbeiten für verschiedene Medienbereiche in Zukunft die wichtigste Fähigkeit für ihren Beruf ist. Dies ist das Ergebnis des jüngsten Medien-Trendmonitors der dpa-Tochter news aktuell in Zusammenarbeit mit Faktenkontor. Insgesamt haben über 2.100 Journalisten an der Online-Umfrage teilgenommen.
Print, Web und mobile Anwendungen - die Mehrheit der befragten Redakteure (59 Prozent) geht davon aus, dass die Fähigkeit, für mehrere Bereiche gleichzeitig zu arbeiten, in Zukunft große Bedeutung haben wird. Auf Rang zwei folgt die Kommunikation mit den Rezipienten - also den Lesern, Hörern und Zuschauern. Rund jeder Dritte (37 Prozent) erachtet dies als relevant für die zukünftige Arbeit. Dass ein Journalist schnell arbeiten muss, finden gut 36 Prozent der Befragten in diesem Kontext wichtig. Faktoren wie “technisches Verständnis”, “Aufgeschlossenheit gegenüber Innovationen” oder das Beherrschen “journalistischen Handwerks” werden von den Redakteuren als weniger bedeutend für die Zukunft angesehen.
Mehr als die Hälfte der befragten Journalisten ist der Ansicht, dass sich die Qualität der klassischen Medien in den letzten Jahren verschlechtert hat. Diese Meinung vertreten vor allem Redakteure, die mehr als 20 Jahre Berufserfahrung haben. Dass das Niveau der Berichterstattung traditioneller Medien in den letzten Jahren sich nicht geändert hat, glaubt gut jeder vierte Befragte. Dagegen haben fast 15 Prozent der Journalisten eine qualitative Verbesserung von Print, TV und Radio festgestellt. Gleichzeitig finden die meisten Befragten (49 Prozent), dass der Journalismus in klassischen Medien derzeit hochwertiger ist als im Online-Bereich.
Über zwei Drittel (69 Prozent) der Journalisten geben an, dass die Menge an Material und Informationen, auf die sie zugreifen können, in den letzten fünf Jahren merklich bis extrem gestiegen ist. Die meisten Redakteure (65 Prozent) nehmen den dadurch erzeugten Mehraufwand im Kauf, um die Informationen zu sichten, aber 42 Prozent behaupten, dass sie vieles davon ungelesen entsorgen. Lediglich fünf Prozent der Journalisten geben an, dass die Anzahl der Presseinformationen, die sie erhalten, etwa gleich geblieben ist.
Weitere Ergebnisse des Medien-Trendmonitores:
- Für rund 43 Prozent der Redakteure ist die Abkehr vom Qualitätsjournalismus die größte Herausforderung. Gleichzeitig sieht jeder Fünfte in der Etablierung profitabler Erlösmodelle im Internet eine besondere Anforderung für seinen Berufsstand.
- Gut jeder zweite Redakteur gibt an, von einem Unternehmenssprecher oder PR-Berater schon mal belogen worden zu sein. Mit steigender Berufserfahrung bestätigt sich diese Tendenz.
- Suchmaschinen sind die wichtigsten Quellen bei der Recherche von Journalisten (93 Prozent der Befragten). Printmedien (90 Prozent) und Pressemitteilungen (79 Prozent) folgen an zweiter und dritter Stelle. Erst danach werden “Interviews mit externen Experten” oder “Datenbanken/Bibliotheken/Archive” genannt.
- Das Gegenlesen von Beiträgen wird von einer großen Mehrheit der Redaktionen (über 80 Prozent) als Maßnahme zur Qualitätssicherung angesehen. Nur etwas mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Befragten hält Konferenzen zur internen Blattkritik ab, um den qualitativen Anspruch des Mediums sicherzustellen.