FocalPoint ist ein Werkzeug zur Fokuskontrolle und –verschiebung digitaler Fotos, das dem Anwender die Möglichkeit bietet, auch nach der Aufnahme zu bestimmen, welche Bereiche des Bildes sich im Fokus befinden. Das Werkzeug aus der renommierten Softwareschmiede onOne Software ist seit kurzem in deutscher Sprache erhältlich.
FocalPoint ist ein Plug-In für Photoshop, Photoshop Elements und Lightroom sowie Apple Aperture. Es bietet Fotografen einen einfachen Weg, die Schärfentiefe oder den Fokus realitätsnah zu kontrollieren und zu verschieben, um so mehr und präziser Kontrolle über das Bild zu bekommen. Mit dem „FocusBug“ legt FocalPoint eine selektive Maske zur Weichzeichnung über das Foto. Der Anwender bestimmt selbst die genaue Steuerung der Menge und Art von Unschärfe.
Die Nutzung von selektivem Fokus ist gestalterischer Bestandteil der Fotografie, seit es die ersten Objektive gibt. Er wird eingesetzt, um von störendem Hintergrund abzulenken und das Augenmerk des Betrachters auf das Hauptobjekt zu legen. Es gibt viele verschiedene Techniken, um die Fokusebene oder die Kantenschärfe zu steuern. Die bekannteste Methode ist, die Schärfentiefe mit Hilfe der Kamera zu kontrollieren, in dem eine große Blende verwendet wird, welche eine geringe Schärfentiefe hervorruft. Mit FocalPoint können Fotografen nun nach der Aufnahme den Fokus genau dahin legen, wo sie ihn haben möchten.
FocalPoint ist als kostenlose Testversion in deutscher Sprache unter www.ononesoftware.de oder www.globell.com verfügbar, so dass sich jeder Anwender vor dem Kauf ein eigenes Bild vom Leistungsumfang des Programms machen kann. Die Testversion hat eine Laufzeitbeschränkung von 30 Tagen.
FocalPoint ist zum Preis von 139,95 € als Download, für 149,95 € als Boxversion mit gedrucktem Handbuch erhältlich. Diese Preise verstehen sich inklusive der gesetzlichen Mehrwertsteuer. Jede Lizenz berechtigt zum Einsatz auf zwei Rechnern.
FocalPoint läuft unter Windows XP mit ServicePack 2 oder Vista bzw. Mac OS X 10.4.8 oder höher. Es erfordert außerdem eine Installation von Photoshop ab CS 2 oder Photoshop Elements ab Version 5 unter Windows, entsprechend Photoshop Elements ab Version 4.01 auf Max OS X oder Apple Aperture 2.1, Lightroom 1 oder 2. Die FocalPoint Unterstützung für Lightroom 2 setzt voraus, dass Photoshop CS2, CS3 oder CS4 ebenfalls installiert ist. Benötigt wird auch eine Grafikkarte mit den folgenden Mindestanforderungen: OpenGL 1.5, 128 MB VRAM, Auflösung 1024×768.
Wie geht man mit FocalPoint um?
FocalPoint kommt normalerweise gegen Ende des digitalen Workflows, aber noch vor dem Schärfen zum Einsatz.
Die FocalPoint-Effekte werden automatisch auf eine duplizierte Ebene angewendet, so dass das Original nicht beschädigt werden kann. Entsprechend kann man die Ebene auch jederzeit wieder löschen und einen neuen Fokuspunkt setzen.
FocalPoint unterstützt in Photoshop RGB-Dateien mit 8- oder 16-Bit, unter anderem JPG-, PSD- und TIF-Dateien sowie Raw-Dateien digitaler Kameras und viele andere Formate.
Wenn Sie routinemäßig in Graustufen oder CMYK arbeiten, wandeln Sie Ihr Bild einfach nach RGB um, bevor Sie FocalPoint verwenden. Wenn Sie Photoshop Elements verwenden, müssen Sie 16-Bit-Bilder vor der Bearbeitung mit FocalPoint in 8-Bit-Bilder umwandeln.
Da FocalPoint als Plug-in für Photoshop arbeitet, startet man das Programm aus der Photoshop-Menüleiste, die einen neuen Eintrag „onOne“ erhält, in der sich die Option „FocalPoint“ findet.
Wichtige Begriffe zu FocalPoint
Was meinen die verschiedene Begriffe, von denen im Umfeld von FocalPoint die Rede ist? Hier ein paar Erläuterungen:
- FocusBug: Der FocusBug ist das hauptsächliche FocalPoint-Bedienwerkzeug. Es hat die Form eines stilisierten Insekts mit einem Körper, Beinen und Fühlern.
Zum Verschieben des FocusBugs klicken Sie auf seinen Körper und ziehen ihn mit der Maus an die gewünschte Position. Seine Größe und Rotation passen Sie an, indem Sie mit der Maus an seinen Beinen ziehen.
Außerdem können Sie mithilfe der Fühler den Wert und die Art des Weichzeichners sowie die Auswahlkante steuern. - Sweetspot: Der Sweetspot ist der geschützte Bereich unter dem FocusBug, auf den der Weichzeichner nicht angewendet wird. Der Sweetspot wird mit dem FocusBug gesteuert.
- Randbereich: Der Randbereich ist der Bereich außerhalb des Sweetspots, der weich gezeichnet wird.
- Neigung: In der Fotografie wird eine Neigung durch Neigen der Linsenebene der Kamera aus der Senkrechten zur Filmebene erzeugt. Dies geschieht mithilfe von Speziallinsen wie Tilt-und-Shift-Objektiven oder einer Fachkamera. Diese Technik ermöglicht dem Fotografen die präzisere Steuerung der Fokusebene und Feldtiefe.
In FocalPoint können Sie mit der Neigungssteuerung die Auswahlkante über der Fläche des Sweetspots variieren, um den Neigungseffekt zu simulieren. - Vignette: Eine Vignette ist eine Abdunkelung oder Aufhellung der Ränder eines Bildes. Sie dient dazu, den Blick des Betrachters auf den gewünschten Bildbereich zu konzentrieren.
Ein erster Blick auf FocalPoint
Vor einigen Tagen war ich in Bottrop auf der „Kustom Kulture“, um mir da die amerikanischen Straßenkreuzer und Hot Rods anzusehen. Natürlich habe ich die Gelegenheit genutzt, auch ein paar Fotos zu machen.
Um das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, habe ich das neue „Focal Point“ von OnOne Software an einigen der dort entstandenen Bilder ausprobiert, denn gerade hier konnte ich sehr schön mit verschiedenen Schärfepunkten und Vignetten spielen.
Das Programm ist wirklich überzeugend – es ist ungeheuer einfach, den Schärfepunkt beliebig zu verschieben und auch die Unschärfe der Umgebung kann ruckzuck angepasst werden. Alle Einstellungen spielen sich in einem Vorschaufenster ab und sind zügig anwendbar.
Die wichtigsten Funktionen von FocalPoint
Selektiver Fokus: „FocalPoint“ ermöglicht Fotografen, in jedem Bild Schärfentiefe, Fokusebene und selektiven Fokus kreativ und präzise zu kontrollieren. Die Fokuskontrolle funktioniert ähnlich wie bei Verwendung eines Objektivs. Der Fotograf kann damit schnell und einfach einen Fokuspunkt als Kreis oder in der Ebene festlegen und dann kontrollieren, wie viel und welche Art von Unschärfe angewendet werden soll.
Der auffälligste Regler in FocusPoint ist sicherlich der „FocusBug“, ein Regler, den man über das Motiv schieben kann, um intuitiv den Schärfepunkt und seine Form und Größe festzulegen. Er funktioniert etwa so, als hätte man ein virtuelles Objektiv zur Verfügung, das sich durch „Drag & Drop“ in Echtzeit steuern lässt. Mit dem „FocusBug“ lässt sich die Fokusebene sogar neigen – die Wirkung entspricht etwa einem Tilt/Shift-Objektiv.
Vignettierungen lassen sich problemlos mit einem Klick hinzufügen, wobei die Intensität über Schieberegler einstellen lässt. Einige Vignetten sind auch bereits voreingestellt aus einem Menü abrufbar.
Die Einstellungen lassen sich in „FocalPoint“ speichern und als Voreinstellungen nutzen – man muss also das Rad nicht immer wieder neu erfinden, wenn man einen schönen Effekt gefunden hat. Die FocalPoint-Voreinstellungen können dann auch in Photoshop-Aktionen eingebunden werden, um z.B. in Stapelverarbeitungen genutzt zu werden.
Sehr schön ist, dass sich die von „FocalPoint“ erstellten Maskierung nicht nur direkt auf das Bild anwenden lassen, sondern auch auf eine neue Ebene gelegt werden können. So lassen sich auch nachträglich noch Änderungen vornehmen.
Der erste Einsatz
Die erste Aktivität von FocalPoint erlebt man noch vor dem Öffnen des eigentlichen Programmfensters. Das Plug-In legt nämlich zuerst eine neue Ebene in Photoshop an, um das Bild nichtdestruktiv bearbeiten zu können. So kann man auch mit FocalPoint ganz problemlos experimentieren, denn das Originalbild bleibt unverändert erhalten.
FocalPoint erscheint dann mit einem übersichtlichen Programmfenster, das ein großes Vorschaubild zeigt und rechts davon in einer Leiste gibt es übersichtliche Regler für die Blendenform, den Weichzeichner, die Vignettierung und die Körnung. Am unteren Bildrand finden sich drei Werkzeugsymbole für den FocalBug, das Verschieben-Werkzeug und die Lupe.
Bei aktiviertem FocalBug-Werkzeug kann man das Werkzeug intuitiv auf dem Vorschaubild verschieben und den Sweetspot auswählen. Mit der Maus kann man an den „Beinchen“ des FocalBug ziehen und so die genaue Form des Sweetspots festlegen und auch den Grad der Weichzeichnung festlegen.
Doch der FocalBug kann noch mehr: Man kann ihn nämlich rund oder quadratisch darstellen. Die Form wird dabei im Popupmenu „Form“ des Bereichs „Blende“ festgelegt. Standardmäßig wird die runde Form verwendet, mit der ein runder oder ovaler Sweetspot erzeugt wird. Dies entspricht der Verwendung einer selektiven Fokuslinse. Der Randbereich wird auf alle Seiten des Bildes angewendet.
Die quadratische Form dagegen simuliert die Darstellung eines Tilt-und-Shift-Objektivs oder einer Fachkamera. In diesem Fall wird ein Sweetspot erzeugt, quer durch das gesamte Bild verläuft.
Die Weichzeichnung wird hier an den einzelnen Seiten des Sweetspots verändert. Zum Steuern der Neigung drücken Sie die Alt-Taste, klicken auf den Körper des FocusBugs und verschieben den Mauszeiger. Das Raster wird eingeblendet und entsprechend der Bewegung Ihres Mauszeigers auf dem Körper des FocusBugs dreidimensional geneigt. Zum Zurücksetzen hält man einfach die Alt-Taste gedrückt und doppelklickt auf den FocusBug.
Über die Schieberegler Vignette und Körnung lassen sich dann noch weitere Effekte hinzufügen. Clevere Lösung dabei: Die Körnung lässt sich, ohne dass man die Werte verändern muss, über ein Kontrollkästchen mit nur einem Mausklick nach Lust und Laune an- und abschalten.
Hat man seine Lieblingseinstellung gefunden, kann man sie auch leicht über das Feld Voreinstellungen mit einem Klick auf das „+“-Symbol speichern. So kann man beispielsweise weitere Bilder mit denselben Werten bearbeiten oder, wie ich es bei mir der Fall war, das Bild doch noch einmal bearbeiten, bevor man den Fokuspunkt setzt. Zur besseren Übersichtlichkeit können diese Voreinstellungen auch noch in Kategorien unterteilt und mit Kommentaren versehen werden.
Um den gewählten Fokuspunkt besser beurteilen zu können, kann man im Menü „Ansicht“ den Befehl „Maske einblenden/ausblenden“ aufrufen. Diese Maskenansicht stellt den Sweetspot in Form einer schwarzweißen Maske dar, mit der man die Begrenzungen des Sweetspots genau erkennen kann.
Wenn alles stimmt, bestätigt man die Einstellungen – hier in unserem Beispiel natürlich mit Absicht etwas zu stark ausgeführt - mit einem Klick auf die Schaltfläche Übernehmen.
Das Ergebnis wird als neue Ebene in Photoshop bzw. Photoshop Elements übertragen und kann hier weiter bearbeitet werden. Zum Abschluss wird das Bild wieder wie gewohnt scharfgezeichnet. Hier kann man bei Bedarf auch noch einmal die FocalPoint-Voreinstellungen direkt aus dem Menü aufrufen – hier etwa die „Leichte dunkle Vignette“.
Um von diesem Foto zum fertigen Bild zu gelangen, benötigt man mit FocalPoint nur wenige Augenblicke.
































































