Wie ein Bericht der „European Interactive Advertising Association“ (EIAA) feststellt, ist das Internet ist aus dem Lebensalltag der Jugend nicht mehr wegzudenken. Demnach können sich 89 Prozent der 16- bis 24-jährigen Europäer kein Leben mehr ohne Web vorstellen, in Deutschland sollen es sogar 97 Prozent sein.
Diese Zahlen sind nicht nur interessant, es kommt sicherlich dem Branchenverband der pan-europäischen Online-Vermarkter vermutlich auch entgegen, dass neue Medien und Kommunikationstechnologien heute bei der jüngeren Generation höher im Kurs stehen. Was, so sagt der Verband, auch durch die Zuwächse bei den Nutzungsraten bestätigt wird. So gaben in den insgesamt zehn untersuchten europäischen Ländern 90 Prozent der Befragten (33,2 Mio. Menschen) an, jede Woche regelmäßig ins Netz einzusteigen. Versuchen Sie jetzt aber bitte nicht, sich bildlich vorzustellen, wie das wohl aussehen mag. Ich vermute, es ähnelt dem Einstieg in eine Badewanne. Dieses wöchentliche „Bad im Internet“ einem Wachstum von 27 Prozent gegenüber dem Vergleichswert aus 2004 entsprechen, wobei man sich fragen mag, wozu der Vergleich mit 2004 (und nicht etwa 2003, 2006 oder 2008) tatsächlich dienen soll. Aber die Zahl klingt schon gut.
Im Zuge der Meldung, die uns diese wirklich erstaunlichen Nutzungsraten mitteilt, erfahren wir aus berufenen Munde dann noch ein selbstverständliche Allgemeinplätze, wie etwa die Feststellung, dass es für junge Menschen (also wohl alle unterhalb 50) selbstverständlich geworden ist, im Internet Informationen zu suchen, Unterhaltungsangebote zu nutzen oder zu kommunizieren. Und, klar, solche Aktivitäten setzen einen Bandbreitanschluss voraus und machen nicht erschlossene, zumeist ländliche Regionen zu „digitalen Ausgestoßenen“.
Doch, wie uns die europäischen Internet-Werber wissen lassen, ist der durchschnittliche Deutsche im Alter zwischen 16 und 24 Jahren inzwischen 15,9 Stunden pro Woche online (ich erspare uns jetzt die 62 Prozent Zuwachsrate gegenüber 2004). Damit hat, und das ist der vielleicht einzig relevante Wert in der ganzen schönen Statistik, das Web die TV-Nutzung (11,4 Stunden pro Woche) überholt.
Was wir auch noch erfahren, ist, dass die digitale Jugend Entertainment- und E-Mail-Dienste (84 Prozent) schätzt, in sozialen Netzwerken kommuniziert (67 Prozent), Instant-Messaging nutzt (61 Prozent) und sich Video-Clips anschaut (52 Prozent).
Bevor Sie mir jetzt mit einer Altersgrenze kommen: auch oberhalb der 40 wird ganz selbstverständlich gesurft. Das „Pew Internet and American Life Projects“ ermittelte in einer Untersuchung, dass etwa 45 Prozent der 70- bis 75-jährigen Online sind.
Im Vordergrund soll für diese Zielgruppe vorwiegend die Suche nach bestimmten Informationen, E-Mail-Verkehr und das Einkaufen auf Online-Shopping-Portalen stehen.
So, nun aber zu den anderen Neuheiten dieser Woche.
Werbefinanzierte Light-Version von Office
Kurz vor dem Start von Windows 7 wird Microsoft auch in Sachen Office 2010 aktiv. So soll das Office-Paket erstmals auch in einer abgespeckten „Starter“-Version auf den Markt kommen – kostenlos.
Das wohl auch als Lockmittel zum Umstieg auf das „richtige“ Office 2010 gedachte Produkt bietet reduzierte Word- und Excel-Funktionen. Allerdings soll dieses Starter-Office mit Werbeeinblendungen finanziert werden – für Microsoft kein schlechter Schachzug, da dieses „Werbe-Office“ als OEM-Version mit neuen PCs vertrieben werden soll.
Mit dem Office Starter will sich Microsoft wohl gegen die steigende Zahl von kostenfrei erhältlichen Produkten wie OpenOffice oder Google Docs positionieren. Ob dieser Schuss nicht nach hinten losgeht und die Anwender durch die Werbung schlicht zu sehr genervt werden, wird sich zeigen müssen.
Mehr Apple zu Weihnachten
Von einer Wirtschaftskrise kann bei Apple keine Rede sein, wenn man der Investmentbank Caris & Company glauben will. Die Banker erwarten einen Absatzboom in der Weihnachtssaison und gehen davon aus, dass sich die Zahl der verkauften iPhones gegenüber 2008 um 94 Prozent steigern wird. Es wird damit gerechnet, dass Apple 2010 36,6 Mio. Handys absetzen wird. Langfristig gesehen soll das iPhone im Jahr 2011 die Umsätze der Mac-Rechner übertreffen.
HD-fähige Minicamcorder für kleines Geld
Die Zeiten verpixelter und verwackelter Webvideos sind passé: Bereits mit günstigen Minicamcordern kann man Filme in High Definition drehen und ohne große Umwege ins Netz stellen, schreibt das Computermagazin c’t.
Schnell soll es gehen, sofort, auf Kopfdruck. So spontan wie die Szene entsteht, soll sie in High Definition (HD) gefilmt, gespeichert und ohne große Umwege auf Videoplattformen wie Youtube, facebook oder sevenload eingestellt werden.
Dazu bieten sich handliche, taschengeldkompatible Ein-Knopf-Geräte an, mit denen man ohne langes Gefummel an Menüs und Drehrädchen sofort loslegen kann. Vier der sieben Minicamcorder in der Preisklasse bis 200 Euro, die c’t auf den Prüfstand stellte, verfügen über einen Bildstabilisator und eine HDMI-Buchse zum Anschließen eines HD-Displays. Ein ordentliches Zoom-Objektiv bekommt man hingegen erst in den höheren Preisregionen.
Am unteren Ende der Preisskala schnitt der PenCam Trio HD von Aiptek überraschend gut ab. Der Camcorder kommt mit schmaler Silhouette und schlankem Design wie ein Diktiergerät daher. Die Bedienung erfolgt über wenige, sinnvoll arrangierte Knöpfe. Die Aufnahmen machen einen brauchbaren Eindruck; allerdings ruckt es beim Zoomen im aufgezeichneten Video deutlich und das Display taugt nur zur recht ungenauen Kontrolle des Kamera-Blickwinkels.
“Die 110 Euro, die man für dieses Gerät bezahlen muss, rechtfertigen aber die gebotene technische Leistung allemal”, resümiert c’t-Redakteur Ulrich Hilgefort. “Wer vor allem Wert auf Aufzeichnungsqualität legt, für den kommt der Camcorder CG10 von Sanyo in Betracht, der mit einem 5-fach optischen Zoomobjektiv und guter Ausstattung punktete. Er ist im Internet schon ab etwa 170 Euro zu haben.”
“Vor dem Kauf eines Internet-Camcorders lohnt es sich aber nachzuschauen, ob die Digitalkamera im Wohnzimmerschrank solche Videos nicht schon in ausreichender Qualität liefert; aktuelle Modelle wie etwa die Canon Ixus 200 IS haben hier allerhand zu bieten”, rät c’t-Experte Ulrich Hilgefort.
Das kollektive Unbewusste im Internet
Mit einer neuen Online-Forschungsmethode macht das Bremer Marktforschungsunternehmen „Konkret“ auf sich aufmerksam. Mit einem speziellen Tool wollen die Marktforscher eine neue Befragungstechnik ins Internet bringen.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Tests werden hier bei Befragungen keine Antworten vorgegeben, aus denen dann eine passende ausgewählt werden muss. Stattdessen werden offene Fragen gestellt, die der Teilnehmer intuitiv beantworten soll. Trotz dieser Offenheit erlaubt die spezielle, mit der Methode einher gehende Interview-Prozedur den Einsatz statistischer Verfahren bei der Datenauswertung.
Bisher adaptieren Marktforschungsinstitute lediglich klassische Vorgehensweisen für die Anwendung im Internet. Einerseits werden auf quantitative und deshalb leicht für die Onlinenutzung umsetzbare Verfahren gesetzt, wie z.B. standardisierte Fragebögen. Das Problem dabei besteht allerdings darin, dass die Befragten ihre Meinung nur mittels bereits vorformulierter Antwortkategorien abgeben können.
Besonders bei tiefenpsychologischen Fragestellungen, in denen auch unterschwellige Entscheidungsgrundlagen ermittelt werden sollen, stößt diese Online-Forschung aber oft auf ihre Grenzen.
“Die Methode ermöglicht detaillierte Einblicke in Markenimages und präzise Positionierungsanalysen, die aufzeigen, wie die untersuchten Marken im Wettbewerbsumfeld dastehen”, bemerkt André Scharf, Geschäftsführer der Marktforscher.
Handysteuerung über Augen
Forscher des japanischen Mobilfunkkonzerns NTT Docomo haben Kopfhörer entwickelt, die eine Steuerung von Handys oder MP3-Player über die Augen ermöglichen. Dabei machen sich die Kopfhörer die elektrischen Ladezustände des Augapfels zunutze, die an den Rändern und in der Mitte unterschiedlich ausfallen. Bewegen sich die Augäpfel in eine bestimmte Richtung, kann der veränderte Ladezustand von Sensoren am Kopfhörer erfasst werden. Festgelegte Augenbewegungen, wie nach oben oder rechts zu schauen, können folglich bestimmten Bedienfunktionen von Handys oder anderen mobilen Geräten zugeordnet werden.
In einer Demonstration zeigte NTT Docomo, dass mit einer Augenbewegung von rechts nach links ein MP3-Player auf dem Handy eingeschaltet werden kann. Zwei kurz nacheinander folgende Augenbewegungen nach rechts führten dazu, dass der Player zum nächsten Lied weitersprang. Eine kreisende Augenbewegung im Uhrzeigersinn hebt die Lautstärke an, die Bewegung entgegen des Uhrzeigersinns sorgt für ein klangliches Abdimmen.
Docomo arbeitet eigenen Angaben zufolge bereits seit drei Jahren an der Entwicklung des Systems, bis zur Marktreife werde aber noch einige Zeit vergehen. Zum einen müssten die verwendeten Elektroden noch verfeinert werden. Gleichzeitig sollten zur Steuerung nur Augenbewegungen berücksichtigt werden, die im Alltag normalerweise nicht zur Anwendung gelangen. Ein Video, das zeigt, wie Docomos Steuerung funktioniert, findet sich auf YouTube.
Google erkennt Grippe-Trends
Vor ein paar Jahren weckte eine große Grippewelle das Interesse einiger Google-Techniker: Schlägt sich eine solche Epidemie in den Mustern der Suchmaschinenanfragen nieder? Lassen sich die Suchanfragen auf Google zur Erkennung von Grippetrends nutzen?
Im November 2008 wurde Google Grippe-Trends in den USA eingeführt und erwies sich, so Google, als leistungsstarkes Tool. Auf Grundlage aktueller Suchanfragen, die Internetnutzer beim Auftreten einer Grippeerkrankungen typischerweise in den Suchschlitz der Suchmaschine eingeben, ließ sich die aktuelle Verbreitung der Krankheit ablesen. Google Grippe-Trends soll so nahezu in Echtzeit über die Anzahl der Grippeerkrankungen eines Landes informieren.
Seit dem 8. Oktober 2009 steht Google Grippe-Trends in 20 weiteren Ländern zur Prognose und Bekämpfung von Grippewellen zur Verfügung. Auf Grundlage der Muster früherer Suchanfragen wurde in Zusammenarbeit mit dem „Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten“ und nationalen Gesundheitsorganisationen ein Modell geschaffen, mit dem sich die Grippeaktivität in diesen Ländern genau abbilden lässt.