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Artikel mit ‘Journalismus’ getagged

ROG: Festnahmen von Bloggern und Internetnutzern fast verdreifacht

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Es gibt Fakten, die gleichermaßen furchtbar und unverstehbar sind – und unbedingt ausgesprochen werden müssen. Zu diesen Fakten gehört die alljährliche Bilanz von Reporter ohne Grenzen (ROG), die die schrecklichen Auswüchse von Gewalt und Repressionen auflistet, derer sich Staaten bedienen, denen Menschenwürde und Meinungsfreiheit nur wenig bedeuten.

Auch im Jahr 2009 haben Repressionen und Gewalt gegen Journalisten und vor allem auch gegen Internetnutzer und Blogger zugenommen.

So sind mindestens 76 Journalisten in den vergangenen zwölf Monaten während ihrer Arbeit oder wegen ihres Berufs getötet worden. Das sind 16 mehr als im Jahr 2008. Eine größere Zahl von Journalisten wurde in diesem Jahr auch körperlich angegriffen oder bedroht. 1456 Medienmitarbeiter wurden in diesem Jahr Opfer dieser Form von Gewalt, im Vorjahr waren es noch 929. Ebenfalls deutlich erhöht hat sich die Zahl der zensierten Medien (2008: 353, 2009: 570). 33 Medienmitarbeiter wurden in diesem Jahr entführt (2008: 29).

Die um fast 27 Prozent erhöhte Todesrate unter Journalisten ist vor allem eine Folge des Mordes an 30 Journalisten auf der philippinischen Insel Mindanao im November 2009. Es ist das größte von Reporter ohne Grenzen (ROG) jemals dokumentierte Massaker an Medienmitarbeitern an einem Tag. Besonders gefährliche Länder für Journalisten waren außerdem Somalia (9 Todesfälle), Pakistan (5) und Russland (5).

In Kriegen und im Umfeld von Wahlen waren Journalisten im Jahr 2009 besonderen Bedrohungen ausgesetzt.

“Über einen bewaffneten Konflikt zu schreiben erweist sich als immer gefährlicher für Journalisten: Sie geraten in die Schusslinie, werden gezielt ermordet oder entführt. Aber auch die Berichterstattung während Wahlperioden ist in einigen Ländern eine riskante Arbeit, die im Gefängnis oder im Krankenhaus enden kann”, sagt ROG-Generalsekretär Jean-François Julliard anlässlich der Veröffentlichung der Jahresbilanz 2009.

Die 30 Journalisten auf der philippinischen Insel Mindanao wurden im November ermordet, weil sie über die Wahlkampagne eines Kandidaten für das Gouverneursamt berichten wollten. In Tunesien wurde der Journalist Taouflik Ben Brik einige Tage nach der Wiederwahl von Präsident Ben Ali verhaftet. Im Iran werden viele Journalisten bis heute für ihre kritischen Berichte vor und nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Juni mit Verhören, Gefängnisstrafen, Schikanen und schweren Misshandlungen bestraft.

Die weltweite Zahl der Festnahmen von Journalisten ist um etwa ein Siebtel zurückgegangen. Dafür hat sich die Zahl der Festnahmen von Bloggern und Internetnutzern fast verdreifacht. Viele autoritäre Regierungen wie die chinesische, die iranische oder aserbaidschanische befürworten harte Strafen für Internetnutzer, weil sich das World Wide Web zu einem Motor demokratischer Proteste entwickelt hat.

Zum ersten Mal veröffentlicht ROG in seiner Jahresbilanz die Zahl von Journalisten, die in den vergangenen zwölf Monaten gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen: 2009 sind 157 Medienmitarbeiter ins Exil gegangen, weil ihr Leben oder ihre Freiheit bedroht wurde.

“Unsere größte Sorge ist in diesem Jahr der massive Exodus von Journalisten aus repressiven Staaten wie dem Iran oder Sri Lanka. Die Behörden in diesen Ländern fördern häufig bewusst eine Flucht von Journalisten und Bloggern, um damit den Pluralismus der Meinungen und Kritik zu unterdrücken”, sagt Jean-François Julliard.

Lesen Sie hier die ausführliche ROG-Jahresbilanz 2009: www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/rte/docs/2009/Bila2009.pdf

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Kluft zwischen Berichterstattung über Social Media und Einsatz

Mittwoch, 30. Dezember 2009

In der derzeitigen Berichterstattung gehören Twitter, Facebook & Co. zu den Hype-Themen, doch im beruflichen Alltag der Journalisten werden Social-Media-Möglichkeiten noch eher selten genutzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Online-Umfrage, die Schwartz Public Relations im Oktober und November 2009 unter 800 Print- und Online-Journalisten sowie Bloggern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt hat.

Abgefragt wurden konkrete Wünsche der Journalisten und Blogger in Bezug auf den Einsatz von Social-Media-Elementen – insbesondere im Rahmen von „Social Media News Releases“ durch Pressestellen und Agenturen. Obwohl dieses Schlagwort in der Diskussion über Journalismus im Web 2.0 einen zentralen Platz einnimmt, konnte beinahe die Hälfte (46%) aller Befragten nichts mit dem Begriff „Social Media News Releases“ anfangen: Mehr als die Hälfte (51%) der klassischen Medienvertreter und knapp ein Drittel (31%) der Blogger sind mit dem Ausdruck nicht vertraut.

Dabei ist die Spannweite der Bedeutung sehr weit: Einige Teilnehmer halten „Social Media News Releases“ für einen reinen Marketing-Begriff, andere verstehen darunter Pressemitteilungen mit direkter Feedbackmöglichkeit. Wiederum andere Befragte sehen „Social Media News Releases“ als Möglichkeit, längst etablierte Informationskanäle im Internet zu nutzen. Immerhin ein Viertel (26%) der Online-Journalisten und ein Drittel (32%) der Blogger verstehen darunter eine Pressemitteilung, die speziell für Blogger aufbereitet ist.

Wie aber möchten Journalisten und Blogger in Zeiten von „Social Media“ informiert werden? Nur ein Drittel (33%) der Befragten wünscht sich Informationen via HTML-E-Mail mit Verlinkungen oder multimedialen Inhalten, was die Einbindung von Web 2.0-Elementen ermöglichen würde. 42% der Befragten bevorzugen stattdessen weiterhin Presseinformationen auf dem klassischen Weg als reine Text-E-Mail mit zusätzlichem Word- oder PDF-Anhang. Wichtigste Angaben in den Kontaktfeldern sind nach wie vor E-Mail-Adresse, vollständiger Name und Telefonnummer der zuständigen Person, wobei sich die meisten Kontaktangaben sowohl zu Unternehmen als auch Agenturen wünschen. Angaben zu Blogs, Twitter- oder Messaging-Accounts sowie Profilen bei Facebook oder Xing sind für 63% der Umfrageteilnehmer dagegen eher unwichtig.

Überraschenderweise stoßen multimediale Elemente bei den Befragten auf wenig Gegenliebe. So halten über 80% aller Teilnehmer Audio- oder Videocasts für weniger wichtig oder sogar unwichtig. Selbst 74% der Blogger halten Video- oder Tonbeispiele für weniger wichtig oder unwichtig. Dagegen sind neben dem Text weiterführende Links sowie Fotos und Grafiken – also die klassischen Informationsbausteine – für 77-80% der Befragten wichtige oder sehr wichtige Elemente einer Pressemitteilung.

Das Thema Suchmaschinenoptimierung spielt für über 60% aller Befragten (Blogger wie Journalisten) eine deutlich untergeordnete Rolle. Dagegen wünschen sich die Hälfte der Blogger und 44% aller Befragten eine stichpunktartige Auflistung der wichtigsten Punkte einer Pressemitteilung. Die Möglichkeit, sich gezielt Informationen über RSS-Feeds automatisch zu abonnieren, ist nur für 23% der Journalisten und Blogger attraktiv. Auch das Angebot, Bookmarks für die Recherche anzulegen, halten nur 11% aller Befragten und 16% der Blogger für wichtig.

„Es ist überraschend, wie groß die Kluft zwischen der Berichterstattung über ‚Social Media’ und dem tatsächlichen Umgang der Journalisten und Blogger im beruflichen Alltag ist. Die klassische Form der Presseinformation mit ihren etablierten Bestandteilen besitzt nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert“, erklärt Christoph Schwartz, Inhaber von Schwartz Public Relations. „Allerdings zeigt sich auch, dass immerhin rund 20-30% der Befragten den neuen Kommunikationskanälen gegenüber aufgeschlossen sind oder diese bereits aktiv nutzen. Gespannt sind wir auf den Trend, den unsere zweite Umfrage im kommenden Jahr zeigen wird.“

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Klimawandel - was denken die Anderen?

Montag, 14. Dezember 2009

Brasilien, China, Indien - in diesen großen Schwellenländern ist der Klimawandel auch längst Thema. Und diese Länder haben, obwohl das Kyoto-Protokoll sie nicht dazu verpflichtet, erstmals eigene C02-Minderungsziele formuliert. Wie aber berichten die Medien in diesen Ländern? Wie bilden sie öffentliches Bewusstsein? Bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen sind vom 14. bis 18. Dezember 2009 Journalisten, die darüber Auskunft geben können: zwölf Alumni des Internationalen Instituts für Journalismus (IIJ) von InWEnt.

Die jungen Journalisten aus Afrika, Asien und Lateinamerika nehmen teil am Kurs “Reporting on Climate Change”, einem seit nunmehr zehn Jahren von InWEnt angebotenen Format. Die Journalisten bereiten sich bereits seit November online vor, beobachten später in Kopenhagen die Delegationen ihrer Länder und berichten täglich in ihren Blättern, etwa der “Times of India” oder dem “China Economic Herald”. Sie schreiben über die Themen Anpassungs-Fonds und Technologietransfer, denn ihre Heimatländer sind schon jetzt vom Klimawandel unmittelbar betroffen. Die Artikel werden auch auf dem Weblog “The Daily IIJ” veröffentlicht.

(tok)

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Jeder hat drei blöde Sachen bei Google stehen

Mittwoch, 02. Dezember 2009

Immer häufiger sind Journalisten harschen Angriffen im Internet ausgesetzt. Ein unglücklicher Auftritt im Fernsehen, eine umstrittene Veröffentlichung oder eine Abmahnung an einen Blogger, der zu üppig aus dem eigenen Text zitiert hat - schon stehen Berichterstatter am digitalen Pranger. Wie viel Kritik und Beleidigung sind zumutbar?

“Bei Kritik gilt: jede. Beleidigungen: gar nicht”, sagt Stefan Niggemeier, Medienjournalist und Blogger, im Gespräch mit dem Medienmagazin journalist. “Grundsätzlich muss ich aber hinnehmen, dass andere Leute entscheiden, wie groß sie meinen Fehler aufblasen wollen.”

Ein Patentrezept für den Umgang mit den Kommentar- und Mailfluten gibt es laut Niggemeier nicht. Je nach Mentalität und Thema könne es besser sein, sich auf eine Diskussion mit den Anwendern einzulassen oder auch mal “alles an sich abtropfen zu lassen”. Schützen könne man sich jedoch nicht: “Man kann nur überlegen, wie man damit umgeht.”

Dass der Stein des Anstoßes dauerhaft im Netz bleibt, ist für Stefan Niggemeier ein handhabbares Problem.

“Es ist völlig normal, dass jeder von uns drei blöde Sachen bei Google stehen hat”, sagt der Berliner Journalist. “Wir werden lernen müssen, damit umzugehen, dass die eigene Geschichte so leicht zugänglich ist.”

Das Blog stefan-niggemeier.de ist für seine kritischen Beiträge und bissigen Userkommentare bekannt. Die Verantwortung für den Tonfall der Debatten sieht Stefan Niggemeier zum Teil bei sich selbst:

“Wenn ich einen Eintrag wirklich scharf formuliere und an die Grenze dessen gehe, was ich an Kritik zulässig finde, ist das gelegentlich für einige Kommentatoren Ansporn, noch einen draufzusetzen und damit zumindest meine Grenze des Zulässigen zu überschreiten. Daraus muss ich selbstkritisch schließen: Eigentlich hätte ich nicht so weit vorlegen dürfen.”

Den kompletten Themenschwerpunkt zur öffentlichen Rolle von Journalisten gibt es in der Dezemberausgabe des Medienmagazins journalist.

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Diese Republik ist keine Dschungelshow

Montag, 23. November 2009

Cicero-Herausgeber Wolfram Weimer würdigt den Hans-Bausch-Mediapreisträger Stefan Niggemeier als journalistischen Vorkämpfer gegen Verflachung und Bevormundung in den Medien.

Der Journalist Stefan Niggemeier hat am Mittwochabend, 18. November 2009, den mit 10.000 Euro dotierten Hans-Bausch-Mediapreis des Südwestrundfunks (SWR) für seine hervorragend recherchierten Analysen und klugen Einwürfe zum Medienschaffen in Deutschland erhalten. Zu der Preisverleihung waren zahlreiche Gäste ins Fernsehstudio 1 des SWR in Stuttgart gekommen, unter ihnen auch Kultblogger Sascha Lobo.

SWR-Intendant Peter Boudgoust würdigte Stefan Niggemeier bei der Preisverleihung als Blogger und Medienkritiker, der Journalisten den Spiegel vorhalte. Dies geschehe bei Niggemeier nicht plump und oberflächlich, sondern sehr differenziert. Boudgoust:

“Stefan Niggemeier steht für einen Qualitätsbegriff, der für alle Medien gilt.”

Wolfram Weimer, Herausgeber des politischen Magazins “Cicero” und zukünftiger Chefredakteur des “Focus”, nutzte seine Laudatio auf den Mitbegründer von “Bildblog.de” für einen kritischen Blick auf die deutsche Medienlandschaft. Im europäischen Vergleich sieht Weimer die deutsche Medienkultur stark von ihren Wurzeln entfernt. Weimer:

“Die seriösen, klassisch denkenden und handelnden Journalisten werden zusehends marginalisiert. Die Schaumschläger, Zuspitzer, emotionalen Hochjazzer und PR-Spezialisten drängen hingegen auf die bunten Bühnen der Medienindustrie.”

Weimer verwies auch auf den immer größer werdenden Konkurrenzdruck der Medien untereinander. Dies führe zu einem Wettlauf um den immer heißeren, den immer gemeineren, unglaublicheren Skandal. Weimer:

“Wir jagen von einer Panik in die andere. Vorgestern Waldsterben und Klimaschock, dann Kampfhunde und SARS, gestern Feinstaub und BSE, heute Vogelgrippe - oder ist es doch die Schweinegrippe? - der Alarmismus prägt die Mediendemokratie.”

In einer Zeit, in der man zuweilen den Eindruck habe, “dass am Ende eine ganze Gesellschaft im ‘Big Brother Container’ sitzt und über Pickel räsoniert”, sei Stefan Niggemeier “ein Trost, weil er ein Urprinzip der Demokratie verkörpert, das Prinzip der Gegenöffentlichkeit”. Niggemeier schaffe diese kritische Gegenwelt gerade mit dem Internet, von dem viele behaupteten, es sei unseriös und oberflächlich. Weimer:

“Tatsächlich legt gerade das Internet die Seriositäts- und Glaubwürdigkeitsdefizite des klassischen Mediensystems offen. Informationslücken, Debattentabus und Legitimationsdefizite der etablierten Print- und TV-Welt werden im Internet korrigiert.”

Der Erfolg Niggemeiers und der an ihn verliehene Hans-Bausch-Mediapreis sei ein Zeichen dafür, dass “die Verflachung und Bevormundung vom Publikum auf Dauer nicht hingenommen wird und die Gegenbewegung kommt, damit Deutschland nicht der Zwangs-RTLisierung ausgeliefert wird. Denn diese Republik ist mehr als eine Dschungelshow.”

Stefan Niggemeier veröffentlicht seine medienkritischen Beiträge in Printmedien, unter anderem der FAZ-Sonntagszeitung, und vor allem in seinem eigenen Webblog. Im Gespräch mit Moderatorin Gabi Bauer betonte er, dass viele Journalisten das Internet zu Unrecht verteufelten. Statt als Konkurrenz zum professionellen Journalismus sehe er Blogs und Foren als Ergänzung. Niggemeier:

“Im Netz kommen Stimmen zu Wort, die man sonst nicht hören würde.”

Dass er den Hans-Bausch-Mediapreis verliehen bekommen habe, sehe er auch als Aufforderung an die Medien, sich der Kritik zu stellen. Eine Aufzeichnung der Verleihung des Hans-Bausch-Mediapreises wird am Freitag, 27. November, um 16.30 Uhr in 3sat ausgestrahlt.

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Noch kein Ende der Kostenlos-Kultur im Internet in Sicht

Dienstag, 13. Oktober 2009

Nur 16 Prozent der deutschen Internetnutzer sind grundsätzlich bereit, für online veröffentlichte Artikel zu zahlen. Das hat der Webmonitor von BITKOM und Forsa ergeben.

“Bislang gibt es kaum eine Zahlungsbereitschaft für Nachrichten, Berichte und Reportagen im Internet”, sagte BITKOM-Vizepräsident Achim Berg. “Die Anbieter sind gefordert, mit intelligenten Geschäftsmodellen dazu beizutragen, dass auch im Internet nach und nach eine Bezahl-Kultur heranwächst.”

Derzeit finanzieren sich die Nachrichtenportale im Internet vor allem über Werbung. In den vergangenen Jahren sind diese Einnahmen stark gestiegen. BITKOM erwartet, dass der Online-Werbemarkt dieses Jahr erstmals die Marke von 1,5 Milliarden Euro überschreiten wird.

“Es sollte aber gelingen, auch im Internet durch den Verkauf einzelner Artikel, von Dossiers oder über Flatrates kostenpflichtige Angebote zu etablieren und damit gerade für den Qualitätsjournalismus ein zweites finanzielles Standbein aufzubauen”, so Berg.

Hoffnungsvoll stimmt Berg, dass die Zahlungsbereitschaft unter den höher Gebildeten bereits heute recht gut entwickelt ist. Während unter den Bundesbürgern mit Hauptschulabschluss lediglich fünf Prozent bereit sind, für Artikel im Internet zu bezahlen, ist es jeder vierte mit Abitur (27 Prozent). Ebenfalls überdurchschnittlich aufgeschlossen sind die 18- bis 29-Jährigen. Fast jeder Fünfte (19 Prozent) dieser Altersgruppe würde für journalistisch aufbereitete Artikel im Internet zahlen.

“Für viele Unter-30-Jährige ist das Zahlen von Kleinbeträgen im Internet absolut normal. Sie laden sich schon jetzt kostenpflichtige Musik oder Zusatzprogramme für Mobiltelefon, MP3-Player oder PC herunter”, betont Berg.

Entscheidend für die Attraktivität der Bezahl-Angebote sind angemessene Preise. Die Grenze liegt bei 1 Euro, wie der BITKOM-WebMonitor belegt: Bis zu 10 Cent pro Artikel würden 93 Prozent der grundsätzlich Zahlungsbereiten ausgeben, bis zu 1 Euro ist es immerhin noch mehr als jeder Zweite (56 Prozent). Bei höheren Preisen finden sich kaum noch Zahlungswillige.

Zeitungsverlage erzielen heute den Großteil ihrer Verkaufserlöse mit Abonnements. Dieses Geschäftsmodell lässt sich allerdings nicht ohne weiteres aus der realen Welt ins Internet übertragen, wie die Befragung zeigt. Jeder achte Internetnutzer (12 Prozent) akzeptiert den kostenpflichtigen Einzelabruf. Eine Journalismus-Flatrate, also das regelmäßige Überweisen einer monatlichen Pauschale, würden hingegen nur 4 Prozent nutzen wollen. Lediglich für eine sehr kleine Gruppe kommen beide Bezahlvarianten infrage.

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Bezahltes Internet? Eher nicht.

Freitag, 25. September 2009

Es mag all jenen, die mit dem Schreiben oder Verkaufen von Texten ihr Geld verdienen, nicht wirklich gut gefallen, aber die Idee, für Inhalte im Internet eine Vergütung erwarten zu können, wird vom Leser schlicht nicht goutiert.

So zeigte eine aktuelle Umfrage in Großbritannien, dass wohl nur etwa fünf Prozent der Leser bereit wären, für ihre Online-News zu zahlen.

Der Fluch des Umsonst-Gedankens, der einst aus gutem Grund von vielen Anbietern selbst ins Leben gerufen wurde, lässt sich nun, allen Wehklagens zum Trotz, von den Verlagen nicht mehr einfach so aus der Welt schaffen.

In einer Umfrage von paidContent:UK wurden Internet-Nutzer befragt, die mindestens einmal monatlich eine kostenfreie News-Seite lesen. Dabei zeigt sich, dass rund drei Viertel der Leser sich schlicht eine neue kostenfreie Nachrichtenseite suchen würden, sollte ihr bisheriger Favorit sich dazu entschließen, den Dienst kostenpflichtig zu machen. Auf der anderen Seite stehen magere fünf Prozent, die bereit wären, für die journalistische Leistung zu bezahlen.

Interessant sind aber auch die Zahlen zwischen diesen beiden Positionen. Laut paidContent:UK würden acht Prozent der Leser zu einer Art Zwischenlösung greifen und die weiterhin kostenfreien Überschriften lesen. Hier kann man konstatieren, dass es sich um Leser mit einem äußerst geringen Informationsbedürfnis handelt, ähnlich der Klientel, die ihren über die Headlines in der Kioskauslage festlegen.

Neben diesen acht Prozent „vorgetäuschter“ Leser ist die spannendste Gruppe die, die noch nicht sicher ist, was sie denn wohl tun würde. Immerhin 12 Prozent sehen sich hier in Ratlosigkeit vereint. Damit sind diese 12 Prozent auch die Gruppe, die letztlich für eine gewissen Gewichtung sorgen kann. Es ist schon ein gewisser Unterschied, ob sich 95 Prozent der Leser dazu entscheiden, dass die angebotene Leistung die Bezahlung nicht lohnt oder ob wir, im besten Fall, von „nur“ 83 Prozent sprechen. Ein Desaster hinsichtlich der (im Wortsinne) Wertschätzung der journalistischen Leistung ist es allemal. Aber es kann ja auch sein, dass die hier Befragten lediglich nicht gewillt sind, Herrn Murdochs Verlagsimperium eine weitere Einnahmequelle zu gönnen, während nicht klar ist, wie viel von diesen möglichen Umsätzen bei den Autoren landen.

Vielleicht sollten sich Verlage, statt das böse Internet zu beweinen, wieder darauf besinnen, dass ihr Verkaufserfolg auch von der Qualität ihrer Medien abhängt. Wenn man hier, wie in den letzten Jahren geschehen, immer weiter kürzt und den Druck erhöht, darf man sich nicht wundern, wenn das Ergebnis nicht mehr den Erwartungen entspricht.

Schafft man es zusätzlich nicht, Vermarktungskonzepte zu entwickeln, die über die enge Sichtweise der Printwelt hinausgehen, sollte man eher die eigene Nase suchen, statt wieder einmal mit dem Finger auf das böse kostenlose Internet zu zeigen.

Auch hierzulande fehlt das grundlegende Verständnis für die qualitative Fundierung, wenn man, wie einige Parteien es derzeit tun, den so genannten Qualitätsjournalismus ausschließlich in Printmedien verorten will. Dass dem nicht so ist, beweist uns mittlerweile nicht nur im Negativausschluss die Boulevardpresse mit ihrem nicht vorhandenen Recherche- und Wahrheitsanspruch, sondern auch die Riege der Abschreiber und Agenturaufbereiter in vormals redaktionell arbeitenden Zeitungen. Im umgekehrten Fall finden sich Angebote im Internet, die eine inhaltliche Tiefe aufweisen, die man sich von vielen Printmedien nur wünschen kann.

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Bekanntes, Selbstverständliches und Heißluft

Dienstag, 08. September 2009

Seit gestern ist es also da, das “Internet-Manifest“, das uns in “17 Behauptungen” erklärt, wie Journalismus in Zeiten des Internets funktioniert. Ein löbliches Unterfangen, bei dem sich die “Top 10″ der deutschen Internet-Schreiber das Hirn zermatert haben, um sich der “Debatte über den ‘Untergang des sogenannten Qualitätsjournalismus’ und der latenten Internetfeindlichkeit in vielen Medien ein zeitgenössisches Manifest”, wie es Netzpolitik.org formuliert,  zu stellen. So weit, so sinnvoll.

Doch was die illustre Runde, die von Mercedes Bunz, Mario Sixtus den unvermeidlichen Sascha Lobo bis zu Stefan Niggemeier (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) reicht,  da als Manifest zusammengestellt hat, hat kaum Brennkraft, provoziert nicht und bietet ob der dort gelisteten Selbstverständlichkeiten noch nicht einmal einen wirklichen Diskussionsansatz.

Wer würde schon Sätzen wie “Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen.” oder “Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen.” widersprechen?

Dabei sind die 17 Behauptungen nicht falsch, sie sind sogar sehr richtig und es ist schön, dass sie einmal am Stück aufgeschrieben wurden. Das war es dann aber auch schon.

Streiten kann man sich allenfalls noch über die blumige Behauptung Nr. 12, die uns erklärt “Mit journalistischen Inhalten lässt sich im Internet Geld verdienen. Dafür gibt es bereits heute viele Beispiele.” Ob das so schlicht und verallgemeinernd zutrifft, halte ich zumindest für die große Masse der Internet-Journalisten für fraglich.

Sehr idealistisch gesehen wird die Rolle des Konsumenten: “Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist.” Erinnert sich noch jemand an ein Boulevard-Blatt aus dem Hause Springer? Ist das nun herausragend, glaubwürdig oder besonders gut oder warum hat es eine Millionenauflage?

Wer dann noch mit Sätzen wie “Die “Generation Wikipedia” weiß im Zweifel die Glaubwürdigkeit einer Quelle abzuschätzen, Nachrichten bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen und zu recherchieren, zu überprüfen und zu gewichten – für sich oder in der Gruppe.” den Konsumenten zum Qualitäts-Pfadfinder macht, muss sich zumindest eine gewisse Blauäugigkeit vorwerfen lassen.

Hat man unsere schöne bunte Fernsehwelt und die gleichförmige Masse der Agenturmeldungen im Hinterkopf, wird eine Aussage wie die “dass mehr Informationen zu mehr Freiheit führt – sowohl für den Einzelnen wie auch für die Gesellschaft” zu einem Irrläufer erster Klasse, denn mehr Freiheit heisst dann auch mehr Aufwand, in einem anwachsenden Heuhaufen eine Nadel zu finden.

Die wirklich spannenden Punkte des Manifestes fallen auf den ersten Blick kaum auf, sie machen die Sammlung aber letztlich zu einem wichtigen Dokument. Etwa Behauptung Nr. 4:

“Die offene Architektur des Internet bildet das informationstechnische Grundgesetz einer digital kommunizierenden Gesellschaft und damit des Journalismus. Sie darf nicht zum Schutz der wirtschaftlichen oder politischen Einzelinteressen verändert werden, die sich oft hinter vermeintlichen Allgemeininteressen verbergen. Internet-Zugangssperren gleich welcher Form gefährden den freien Austausch von Informationen und beschädigen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Informiertheit.”

In der aktuellen “Journalismus vs. Internet” -Diskussion bezieht dann auch endlich Behauptung 8 Position:

“Suchmaschinen und Aggregatoren fördern den Qualitätsjournalismus: Sie erhöhen die Auffindbarkeit von herausragenden Inhalten und sind so integraler Teil der neuen, vernetzten Öffentlichkeit. Referenzen durch Verlinkungen und Zitate – auch und gerade ohne Absprache oder gar Entlohnung des Urhebers – ermöglichen überhaupt erst die Kultur des vernetzten Gesellschaftsdiskurses und sind unbedingt schützenswert.”

Übrig bleibt der Eindruck, dass es besser gewesen wäre, die 17 Behauptungen auf 3 oder 4 einzudampfen und dafür pointierter in die Diskussion einzugreifen. In dem jetzigen allgemeinen Geschwurbel über die Möglichkeiten des Internets gehen die Perlen sehr leicht unter.

Da gilt dann, um noch einmal das Manifest zu zitieren, die richtige Aussage “Qualitativ zu unterscheiden ist nicht zwischen bezahltem und unbezahltem, sondern zwischen gutem und schlechtem Journalismus.”

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tagesschau.de steht für Qualitätsjournalismus und Seriosität

Mittwoch, 24. Juni 2009

Das Internet-Angebot tagesschau.de wird von der überwältigenden Mehrheit seiner Nutzer als glaubwürdig, seriös, sachlich und politisch ausgewogen wahrgenommen.

In einer aktuellen Online-repräsentativen Studie des in Hannover ansässigen Kommunikationsforschungsinstituts aserto im Auftrag des NDR zu Nachrichtenangeboten im Internet kam tagesschau.de auf Zustimmungswerte zwischen 92 und 98 Prozent. Damit schneidet das Online-Nachrichtenangebot der ARD hinsichtlich journalistischer Qualitätskriterien aus Nutzersicht insgesamt besser ab als alle in der Untersuchung besonders detailliert abgefragten Mitbewerber.

Für die Studie hat aserto 1200 Onliner in ganz Deutschland befragt. Sie wurde anlässlich der Erarbeitung des Telemedienkonzepts für tagesschau.de erstellt. Darin geht es u. a. um den Beitrag von tagesschau.de zum publizistischen Wettbewerb in qualitativer Hinsicht.

Neben der Nutzerbefragung haben die Wissenschaftler von aserto außerdem eine Inhaltsanalyse von tagesschau.de und mehreren anderen Online-Nachrichtenangeboten durchgeführt.

“Hier wurden keine Nutzer befragt, sondern die Internetseiten nach einer einheitlichen, standardisierten Vorgehensweise untersucht, um zusätzlich zu der Wahrnehmung der Nutzer eine unverzerrte Sicht auf die Online-Nachrichtenangebote zu erhalten”, so Prof. Dr. Lars Harden zur Vorgehensweise bei der Studie. Harden ist einer der Geschäftsführer von aserto.

Die Ergebnisse der Inhaltsanalyse zeigen, dass sich tagesschau.de mit einem auf politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen zugeschnittenen Profil deutlich von den privaten Wettbewerbern unterscheidet. Die Schlagzeilen sind bei tagesschau.de stärker als bei konkurrierenden Angeboten auf Politik, Ausland und Wirtschaft fokussiert. Bei der privaten Konkurrenz hingegen nehmen vermischte und boulevardeske Themen einen großen Anteil ein. Auch ist die Bildsprache von tagesschau.de nach den Ergebnissen der Analyse im Vergleich zum Wettbewerb weniger emotional aufgeladen.

Interessierte Nutzer können die Ergebnisse der Studie unter http://intern.tagesschau.de abrufen - dort auf “tagesschau.de” klicken und den Einleitungstext bis zum letzten Absatz herunterscrollen.

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Blinken, Schulterblick, Gas

Freitag, 03. April 2009

Hat Ihnen neulich mal wieder ein afrikanischer Potentat ein paar Millionen Schwarzgeld angeboten, hat Sie der bislang unbekannte Erbonkel mit Öl und Diamanten bedacht? Vielleicht möchte Sie auch eine nette junge Dame heiraten, um Ihnen ihr Vermögen zu übergeben? Sie bekommen billiges Viagra, eine mühelose Vergrößerung Ihrer primären Sexualmerkmale (Achtung: geschlechtsspezifische Eignung beachten!) oder Sie können kostenlos die tollste Software herunterladen?

Sie können sicher sein, liebe Leser, irgendeiner glaubt diesen Mist und geht auf diese Angebote freudestrahlend ein. Mittlerweile wundert mich das nicht mehr so wirklich, denn eigentlich findet sich diese Leichtgläubigkeit überall. Natürlich ist es nicht immer so offensichtlich, manchmal muss man etwas mehr darüber nachdenken, vor allem, wenn betrügerische Absichten dahinterstehen, wie die, über die wir in der letzten Zeit mehrfach berichtet haben.

Allerdings machen wir es den Betrügern auch wirklich sehr leicht, denn, so im Großen und Ganzen betrachtet, glauben wir eigentlich fast alles – vor allem dann, wenn es durch die Medien geht. Da wird vernebelt und Unsinn erzählt, doch kaum einer macht sich die Mühe, einmal zu hinterfragen, was ihm denn da so berichtet wird. Während man in der Fahrschule (und die haben ja die meisten von uns erfolgreich absolviert) beigebracht bekommt, sich immer doppelt abzusichern (erst Blinken, dann noch ein Schulterblick, dann erst losfahren), verliert sich diese Sichtweise in anderen Lebensbereichen zugunsten einer medialen Fast-Food-Haltung. Haben Sie gehört, dass sich jemand gewundert hat, dass im (unzweifelhaft tragischen) Fall der erwachsenen jungen Männer, denen nichts besseres eingefallen ist, als sich im Ausland gegen ausdrücklichen Rat und jeden Verstand mit, wie inzwischen bekannt ist, Methylalkohol aus dubiosen Quellen bis zum Tode abzufüllen, immer nur von Schülern gesprochen wurde? In einer Tonlage, die vermuten ließe, man habe ahnungslose 10jährige gegen ihren Willen mit umgeschnalltem Bierfässchen in hilflose Bier-Bernhardiner verwandelt? Was zunächst einmal nichts damit zu tun hat, dass es falsch und verbrecherisch es ist, Methylalkohol als Wodka zu verkaufen. Aber „arme Schüler im Ausland“ verkaufen sich vermutlich auch gut.

Ein noch schöneres Beispiel für die grassierende Leichtgläubigkeit – auch unter Journalisten – habe ich bei Stefan Niggemeier gefunden. Unter dem Titel „A Street View Named Desire“ beschreibt er den Werdegang einer Meldung, die in sich schon etwas unglaubwürdig ist, und durch ihre Weitergabe immer noch übler zugerichtet wurde.

Was ist passiert? Zunächst brachte die „Sun“ einen Bericht, nach dem sich eine Frau von Ihrem Mann getrennt habe, weil sie sein Auto via „Google Street View“ vor dem Haus seiner Geliebten gesehen habe. Eine typische Boulevard-Notiz, die ihren Weg durch all die üblichen Blog und Nachrichtenseiten nahm. Na und, werden Sie sagen, das ist halt Klatsch und Tratsch. Richtig, aber jetzt wird die Sache spannend, denn kurz nachdem die Meldung in der „Sun“ war, meldet sich ein Blogger, der seinerseits behauptete, die Meldung erfunden zu haben und die „Sun“ mit gefälschten E-Mails hereingelegt zu haben. Auch diese Nachricht rauschte durch den Medienwald und wurde gern gebracht – zeigte sie doch, wie furchtbar viel besser Blogs gegenüber den so leicht hereinzulegenden Printmedien sind.

Aha, nun ist alles klar, nicht wahr? Der Blogger schreibt ein paar Mails mit einer hübschen Geschichte, die Zeitung bringt es, der Blogger zeigt öffentlich die schlechte Recherche der Zeitung auf. Nö, eben nicht.

Denn jetzt kommt der eigentliche Witz der Geschichte: Die „Sun“ hatte ihrerseits die Geschichte aus der „Times“ und sie ist einigermaßen belegbar. Die Erfindung dabei war die Behauptung des Bloggers, die Geschichte erfunden zu haben.

Interessant dabei: Es hat sich anscheinend niemand die Mühe gemacht, einmal kurz innezuhalten und ein paar ganz normale Fragen zu stellen, etwa „Wie glaubwürdig ist die unbewiesene Behauptung eines Unbekannten mit dem Alias „Idiot Forever”? Ist die Geschichte schon vorher erschienen? Aber es klang einfach toll, das musste dann auch stimmen. Ich wette, einige dieser Kollegen haben auch schon Geld nach Nigeria überwiesen, um ihre Millionenerbschaft zu erhalten.

Ganz und gar seltsam sind dann entschuldigende Aussagen wie diese hier: „Nachprüfen lässt sich für uns weder die eine, noch die andere Version.“

Da möchte ich Stefan Niggemeier zitieren: „Diese armen Journalisten sind gezwungen, Nachrichten zu veröffentlichen, von denen sie überhaupt nicht wissen, ob sie stimmen. Denn was sollen sie tun? Recherchieren?“

Wem das noch nicht peinlich genug ist, der mag sich jetzt noch einmal die ursprüngliche Geschichte zur Hand nehmen: Eine Frau reicht also die Scheidung ein, weil sie auf „Google Street View“ das Auto ihres Mannes vor dem Haus seiner Geliebten gesehen hat. So berichtet vom Anwalt der betroffenen Frau in einem Artikel, in dem er sich über verschiedene Aspekte von „Google Street View“ auslässt.

Nun ist es richtig, dass man in „Google Street View“ Straßen, Häuser, Autos und sogar Personen sehen kann. Aber es ist kein Echtzeit-System. Und es hat auch keine Leuchtmarkierungen für Ehebrecher. Wieso hat eigentlich niemand bei dieser Geschichte die Frage gestellt, woher die Frau wusste, wo Sie auf Google Earth suchen musste? Die Chance, bei einem zufälligen Besuch in irgendeiner Gegend zufällig des Gatten PKW zu sehen, aufgenommen just zum Zeitpunkt, als er auf Geschäftsreise gewesen sein soll, scheint mir doch ein wenig dünn. Mit etwas bösem Willen könnte man sogar auf die Idee kommen, dass es einfach ein schönes, griffiges Beispiel eher narrativen Charakters ist, das dem Anwalt gefiel, weil es die Möglichkeit gab, zu zeigen, dass man a) auch in Scheidungen macht und b) dabei auch ganz ganz modern arbeitet.

Wie auch immer, ob in der Zeitung, dem Fernsehen oder im Internet sollten Sie immer auf das mentale Äquivalent zu „Blinken, Schulterblick, Gas“ zurückgreifen.

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