In Berlin treffen sich die „Kleine Riesin“ und der „Große Riese“ – es wird ein Märchen erzählt, dass durchaus dem Tage angemessen ist und kommt, so eindrucksvoll es ist, tatsächlich völlig Low-tech daher. Kein Computer steuert die Bewegungen, keine Animation befördert die Wirkung, die die fantastischen Figuren der von der Straßentheater-Compagnie Royal de Luxe inszenierten Geschichte vom Wiederfinden nach langer Trennung ausstrahlen.
Die beiden, 15 und 7,5 Meter hohen Marionetten werden von Tragekonstruktionen gehalten, die sie durch die Straßen wandern lassen. Für den Zauber ihrer unglaublich lebensecht wirkenden Bewegungen sorgen allein beim Großen Riesen 30 sogenannte „Liliputaner“, also jene Akteure, die der 2,5 Tonnen schweren Marionette Leben einhauchen. Die Kleine Riesin bringt im Vergleich zu ihrem Onkel immerhin noch 800 kg auf die Waage.
Die Geschichte beginnt so fantastisch wie ein Riesen-Märchen nur beginnen kann: Vor langer, langer Zeit, als Berlin noch ein Sumpfgebiet war, lebten dort Riesen. So auch der Große Riese und seine Nichte, die Kleine Riesin. Als eines Tages Land- und Meeresungeheuer die Stadt entzweirissen, einen Teil mit Mauern umschlossen und so die Riesen trennten, begann für beide eine schmerzvolle Odyssee. Während die Kleine Riesin sich mit ihrem Boot auf die Suche nach ihrem Onkel begab, gelang es dem Großen Riesen nach vielen Jahren, den schlafenden Geysir am Meeresgrund zu finden. Unsaft geweckt, lässt dieser die Erde erbeben und bringt so die Mauer zum Einsturz – der Weg für ein Wiedersehen ist geebnet.
Bevor der Große Riese am 3. Oktober am Humboldthafen der Spree entstieg und sich auf die Suche nach seiner Nichte begab, wachte diese einen Tag zuvor mit ihrem Boot vor dem Roten Rathaus auf, neben sich einen geheimnisvollen Postsack. In dem Postsack der Kleinen Riesin befanden sich Briefe und Karten, die von der Stasi abgefangen und gelesen wurden und vielleicht niemals ihre Empfänger erreichten. Den Sack im Schlepptau, machte sich die Kleine Riesin auf den Weg, ihren Onkel zu finden.
Die Suche der beiden Riesen quer durch die ehemals geteilte Stadt führte sie an geschichtsträchtige Orte im historischen Zentrum Berlins wie Unter den Linden, Checkpoint Charlie, Potsdamer Platz und endete schließlich am Brandenburger Tor.
Und doch, ohne Computer und Internet wäre es viel schwieriger für uns, die wir nicht vor Ort sein können, den Weg der Kleinen Riesin und des Großen Riesen durch Berlin mitzuerleben. So gibt es beispielsweise bei Arte eine interaktive Karte, über die man den Weg der Riesen verfolgen und per Webcam beobachten kann.
So, nun aber zu den anderen Neuheiten dieser Woche.
Die PC-Benutzeroberflächen der Zukunft
Daniel Melanchthon, ein Microsoft Technologieberater, hat im Interview mit dem Online-Portal magnus.de einen interessanten Ausblick auf das gegeben, was uns wohl in naher Zukunft als Benutzeroberfläche des PCs erwartet. Melanchthon zufolge ist der Touchscreen dabei erst der Anfang einer ganzen Reihe von wirklich spannenden Entwicklungen.
Wir haben in der letzten Zeit einen erheblichen Sprung in der Entwicklung erlebt. Während sich in den letzten 30 Jahren die Nutzung von Computern kaum verändert hat, wurde mit der Einführung von Touchscreens, wie wir sie derzeit bei Smartphones finden, eine gänzlich neue Art der Bedienung etabliert, die sich schon bald auch bei PCs wiederfinden wird. So hat etwa Microsoft in Windows 7 bereits berührungsempfindliche Steuerfunktionen eingebaut.
„Was wir zukünftig sehen werden, sind intelligentere Bildschirme. Menschen verbinden bei dem Wort Computer immer einen grauen Kasten und ein Display, das auf dem Tisch steht. Doch mittlerweile gibt es auch einen Trend, der zu kleineren, leistungsfähigen Geräten geht”, sagte Melanchthon.
Der aktuellen Nutzergeneration, den “Digital Natives” sei es aber nicht mehr wichtig, Schallplatten zu kaufen oder Tapes zu besitzen.
„Sie wollen alles online und von überall Zugriff haben”, erklärte der Microsoft-Manager.
Das Betriebssystem müsse dabei in der Lage sein, sich anzupassen und dürfe nicht der limitierende Faktor werden. Eine Lösung sind für Melanchthon gebogene Displays, die dem Nutzer einen Rundblick bieten, visuelle Steuerung durch Bewegungen im Raum oder große Display-Tische, die mit den intelligenten Endgeräten kommunizieren.
“Die Frage wird sein, wie aufwendig die Technik sein wird. Der Weg geht weg vom LC-Display hin zu LEDs. Gut geeignet sind auch OLEDs, also organische Displays, die immer dünner werden. Aber auch Gegenstände können zu Bildschirmen werden”, betonte er.
Die Auflösung dürfe gleichzeitig nicht zu hoch ausfallen: “In einer internen Nutzerstudie haben wir festgestellt, dass dies viele Menschen überfordert, die eine Auflösung von 1.600 x 1.200 Pixel oder höher nutzen. Die Hälfte von diesen schalten bewusst auf eine geringere Größendarstellung zurück”.
(tok)
Von der intelligenten Suche zum Holodeck
Die Welt der Computer steht einmal mehr vor einem entscheidenden Umbruch in den Anwendungsmöglichkeiten. War es zunächst die Verschmelzung schlichter Daten mit Bildern, Musik und Animationen, so kommen aktuell immer mehr Versuche hinzu, den PC haptischer zu machen. So gibt es neue Bedienkonzepte, die unter anderem berührungsempfindliche Bildschirme umfassen, die in Gegenstände integriert sein können und so beispielsweise aus dem Wohnzimmertisch ein interaktives Spiel- und Präsentationsmöbel machen. Noch einen Schritt weiter denken bereits einige Forscher, wie etwa der MP3-Miterfinder und Leiter des Fraunhofer Instituts für Digitale Medientechnologie, Karlheinz Brandenburg.
In einem Interview mit Focus Online betont der Wissenschaftler, dass es in den nächsten 20 Jahren immer wichtiger wird, das Angebot an Daten zu organisieren. Suche und Verwaltung unserer Medien werden zu wichtigen Schlüsseltechnologien, die Qualität wird als Faktor in den Vordergrund rücken.
Die Medienangebote werden zunehmend individualisierter. In diesem Zusammenhang sieht er eine Entwicklung hin zu einer Verschmelzung von Kino und Computerspielen, eine Einbindung von 3-D-Video- und Audiotechnologien und einer stärkeren interaktiven Komponente, mit der die Menschen weiter in die Medienwelten eintauchen können. Er selbst beschreibt diese Entwicklung als Schritt in Richtung „Holodeck“.
Dabei spielt in seinen Augen auch das „Cloud Computing“ eine große Rolle – Daten und Inhalte werden nicht mehr lokal an einem Ort verfügbar sein, sondern weltweit verteilt sein.
Gefährliche Zukunft für den Mac?
Eine wenig erstrebenswerte Zukunftsentwicklung beschreibt der Sicherheitsanbieter Symantec für die Nutzer von Apple-Rechnern. Die Sicherheitsexperten haben festgestellt, dass die Anwender, die sich durch das leichtsinnige Herunterladen von Raubkopien der Produkte iWork 09 und Photoshop CS 4 mit Schadsoftware infiziert haben, nun Teil eines Botnetzes geworden sind.
Die Symantec-Entwickler beschreiben erste Versuche der infizierten Rechner, ein Mac-Botnetz zu generieren. Allerdings sind Mac-Nutzer noch immer weitgehend sicher vor Viren, Trojanern und Würmern, wenn Sie nicht völlig unvorsichtig zu Werke gehen und aktiv die Schadsoftware herunterladen und starten. Noch müssen wir also nicht mit einem sprunghaften Anstieg der Mac-Bots rechnen, auch wenn dieses Bot-Netz schob so etwas wie ein Novum darstellt.
Mag man einem Anwender, der illegale Software herunterlädt, noch aus Schadenfreude eine Infizierung gönnen, so sind die weiteren Folgen für andere Anwender natürlich unabsehbar, wenn Sie mit einer solchen Virenschleuder in Kontakt kommen. Von daher kann nach wie vor nur dringend vor der Beschaffung von illegaler Software aus dubiosen Quellen gewarnt werden.
Weniger Strippen – Messless-Universal-Ladegerät
Im privaten Umfeld und im Büro kommen oft genug gleich mehrere mobile Gadgets gleichzeitig zum Einsatz - vom iPhone über den Nintendo DS bis hin zur Digitalkamera. Jedes Gerät bringt sein eigenes Kabel zum Aufladen der Akkus mit.
Das mit den Ladegeräten der mobilen Geräte, das ist so eine Sache. Die Kabel zum Aufladen von Handys, Spielekonsolen, MP3-Playern oder Digitalkameras sehen alle gleich aus, passen aber immer nur an ihr “eigenes” Gerät. Schnell geht da ein Kabel verloren - und es fällt nicht einmal auf, bis es dann doch dringend benötigt wird.
Diesen Kabelsalat will das Universal-Ladegerät Messless beseitigen. Das von Guigiaro designte Gerät sieht dazu auch noch ganz ansehnlich aus. Es präsentiert sich als runde, schwarze Scheibe mit 20 Zentimetern Durchmesser, aus der vier Adapter-Slots herausragen. Handys, iPhones, mobile Spielekonsolen oder PDAs lassen sich einfach auf einen der Adapter stecken - schon kann der Ladevorgang beginnen. Mit der Hilfe verschiedener Adapter sollen über 2.000 verschiedene Geräte an dem Gerät aufgeladen werden können.
Das Messless-Gerät erlaubt es, bis zu vier Adapter gleichzeitig zu verwenden. Ausgeliefert wird das Universal-Ladegerät mit sechs Adaptern für die Anschlüsse Nokia normal, Nokia mini, PSP, Mini USB, Apple und Sony Ericsson K75.
Für 7,95 Euro lassen sich einzelne Adapter nachkaufen. Zusätzlich zu den sechs genannten Adaptern gibt es auch noch die Anschlüsse Nintendo DS lite, das Sony Ericsson T28, Samsung Handys oder für einen micro-USB-Anschluss. Weitere Adapter sollen folgen, sobald neue Geräte mit neuen Anschlüssen vorliegen.
Alle Adapter werden über USB an die Messless-Ladestation angeschlossen. Sie können demnach auch auf Reisen mitgenommen und unterwegs etwa direkt und ohne das Messless-Gerät an ein Notebook angeschlossen werden.
Das Gerät ist für rund 69 Euro in Elektronik-Fachmärkten und online beispielsweise bei Amazon
erhältlich.
Individuelle Alt-Technologie durch High-tech
Können Sie sich vorstellen, ganz genau auf Sie zugeschnittene Zeitungen oder Broschüren zu erhalten? Ich meine damit nicht per PDF oder auf einer Webseite, sondern so ganz „old fashioned“ auf Papier? So etwas ist heute ebenso möglich wie das bereits bekannte Erzeugen individueller Online-Zeitungen aus unterschiedlichen Internet-Quellen.
Für das Unternehmen medieninnovation.com, das an einer solchen Dienstleistung arbeitet, hat die Gesellschaft für Informatik soeben den Innovationspreis verliehen.
News2Paper heißt das Projekt des rührigen Kölner Unternehmens. Dabei handelt es sich um ein professionelles Informations- und Layout-System zur massenhaften Fertigung kundenindividueller Druckerzeugnisse.
“Die Innovation News2Paper verringert Informationsüberflutung - eines der zentralen Probleme einer zunehmend digitalisierten Welt. Mit wenig Aufwand können sowohl inhaltliche Interessen als auch Drucksatzformate in News2Paper personalisiert werden”, heißt es in der Begründung der Gesellschaft für Informatik.
Das weltweit patentierte System und Verfahren zur massenhaften Erstellung kundenindividualisierter Druckerzeugnisse ermöglicht eine Reihe neuartiger Medienprodukte. Insbesondere werden auf Grundlage des Verfahrens individualisiert gedruckte Zeitungen möglich, die auf den Abonnenten zugeschnittene Inhalte und Werbung enthalten und als herkömmliche Zeitung in den heimischen Briefkasten zugestellt werden.
Eine spezialisierte Version von News2Paper ist bereits auf der Website www.news2paper.com im Einsatz. Dort kann jeder aus unterschiedlichsten Internet-Quellen seine eigene Online-Zeitung automatisch erstellen lassen.
3D-Modell in Google Earth
Computerwissenschafter des Georgia Institute of Technology haben ein System entwickelt, mit dem der virtuelle Globus Google Earth mit Echtzeit-Videos angereichert werden kann. Das Team hat dafür diverse Überwachungs- und Webkameras in Atlanta angezapft und die digitalen Satellitenbilder mit Video-Aufnahmen von Sportereignissen, Verkehrsströmen, Fußgängern und dem Wetter verknüpft.
Im Detail sucht das System in den diversen Video-Feeds nach sich bewegenden Objekten und verwandelt diese dann in animierte 3D-Modelle. Objekte, die sich beispielsweise auf einer Straße bewegen, werden in zufällig ausgewählte 3D-Automodelle verwandelt. Mit Fußgängern am Gehsteig oder mit Sportlern im Stadion wird genauso verfahren, nur eben mit beliebigen 3D-Figuren. Das System soll auf diese Weise die Privatsphäre schützen, da Details über die Personen oder über Autos (zum Beispiel Kennzeichen) unkenntlich gemacht werden.
Um Bewegung in die virtuellen Städte zu bringen und dem Augmented-Reality-Ansatz näher zu kommen, bieten sich laut den Wissenschaftern viele Möglichkeiten. Beispielsweise würde die Integration von lokalen Wetterdaten einen völlig neuen Weg eröffnen, um die aktuellen Wetterbedingungen in einer Stadt zu verfolgen. Auch für Sportübertragungen sehen die Forscher großes Potenzial. Ramesh Raskar vom Massachusetts Institute of Technology Media Lab sagt, dass dieses Upgrade von den meist statischen virtuellen Globussen ein eindrucksvoller erster Schritt sei, um es Nutzern möglich zu machen, Geschehnisse an irgendeinem Ort der Welt in Echtzeit verfolgen zu können. Durch Inhalte, die Nutzer über Smartphone-Videokameras und andere Applikationen verbreiten, könnte dieses Erlebnis noch weiter bereichert werden, so Raskar.
In der Zwischenzeit lassen die Entwickler von Google Earth mit einem neuen Feature aufhorchen. Vor kurzem wurde eine 3D-Weltkarte veröffentlicht, die die vorhergesagten Auswirkungen des Klimawandels bis ins Jahr 2100 simuliert. Die Daten dazu, die das Ausmaß der erwarteten Temperatur- und Niederschlagsveränderungen anhand mehrerer Szenarios zeigen, liefert das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Die neuen Tools wurden in Partnerschaft mit der dänischen Regierung und anlässlich der bevorstehenden UN Climate Change Convention (COP15) im Dezember vor kurzem der Öffentlichkeit vorgestellt.
Nutzer können mithilfe dieses Tools die prognostizierten Auswirkungen des Klimawandels in ihrem eigenen Land entweder durch Installieren eines Plug-ins bei Google Earth oder auf der speziell dafür eingerichteten Webseite http://www.google.com/landing/cop15/ betrachten. Derzeit werden nur wahrscheinliche Temperatur- und Niederschlagsveränderungen angezeigt, allerdings sollen bald Modelle folgen, die auch den Anstieg des Meeresspiegels, das Schmelzen der Polarkappen sowie den zunehmenden Wassermangel veranschaulichen sollen. Prominente Unterstützung erhält das Google-Projekt von Klimawandel-Aktivist Al Gore, der sich erhofft, dass das 3D-Modell mehr Leute dazu bringt, sich mit dem Thema zu beschäftigen.