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Artikel mit ‘Gesellschaft’ getagged

Die digitalen Immigranten

Montag, 27. April 2009

Gehören Sie zur Altersgruppe zwischen 44 und 60? Dann darf ich Sie herzlich im Kreis der digitalen Immigranten willkommen heißen. Als solche definiert der Forscher Moshe Rappoport von IBM Research die Gruppe der vor 1970 Geborenen. Sein Fazit lautet:

“Die Kluft zwischen den vor 1970 und nach 1980 Geborenen hinsichtlich der IT- und Computernutzung ist enorm. Erstere werden Zeit ihres Lebens digitale Immigranten bleiben.”

Rappoport konstatiert, dass “die meisten Jugendlichen (…) bis zu ihrem 20. Lebensjahr Tausende Computerspiel-Stunden hinter sich [haben] und (…) sich dadurch Fähigkeiten und Denkmuster an[eignen], die der älteren Generation völlig fremd sind.”

Daraus folgt für Rappoport die Notwendigkeit, sich auf den veränderten, natürlichen Umgang mit Technologie einzustellen. Galten Manager bisher als eine eher technologiekonservative Klientel, ist zu erwarten, dass es in den Unternehmensführungen zu einem radikalen Umdenken kommen wird, wenn die digital aufgewachsene Generation - die so genannten “Digital Natives” – nachrücken.

Dass dies nicht nur Zukunftsmusik ist und erst recht keine aus der Luft gegriffene Befürchtung, zeigt eine aktuelle Untersuchung von LexisNexis, die die Diskrepanzen im Verhalten dreier Altersgruppen aufzeigt. Dem Bericht zufolge wird die generationsbedingte Kluft im Umgang mit Informationstechnologien zunehmend zum Problem für die Manager.

“Die Ergebnisse legen nahe, dass Manager die sich auftuende Kluft zwischen der Babyboom-Generation und Mitarbeitern unter 29 akzeptieren müssen”, sagt Mike Walsh, CEO von LexisNexis. Verständnis sei schließlich eine der wesentlichen Voraussetzungen für eine optimierte Organisation von Arbeitsabläufen.

Walsh weist auf Auffassungs- und Verhaltensunterschiede zwischen den Generationen hin: Zwei Drittel der Babyboomer, also der 44- bis 60-jährigen Angestellten, meinten, dass PDAs, Blackberrys und Mobiltelefone zur Erosion der Benimmregeln am Arbeitsplatz beitragen. Weniger als die Hälfte ihrer unter 29 Jahre alten Kollegen stimmte zu. Laptops während Arbeitsgesprächen waren erfahrenen Mitarbeitern meist ein Dorn im Auge. Im Gegensatz dazu, glaubte eine Mehrheit des befragten Nachwuchses, die Effektivität der Meetings durch den Einsatz von Laptops zu erhöhen.

Doch es sind nicht nur diese Unterschiede in der Auffassung, die entscheidend sind, sondern auch die unterschiedliche Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien. So ergab die Berechnung der Nettobenutzungszeiten aller am Arbeitsplatz zur Verfügung stehenden Applikationen bei den Befragten interessante Werte. Die Durchschnittszeit überschritt mit 15,9 Stunden die täglich vorgesehene Arbeitszeit deutlich. Interessant ist hier jedoch die Verteilung, denn Angestellte unter 29 Jahren waren im Schnitt 22,9 Stunden pro Tag eingeloggt, während Senior Executives es gerade einmal auf 10,3 Stunden brachten.

Der Unterschied zwischen den „digitalen Immigranten“ und den „Digital Natives“ soll sogar neurologisch nachweisbar sein. Der Tagesspiegel berichtete unlängst über die Forschung des amerikanischen Neurowissenschaftler Gary Small, der mit den Worten zitiert wird:

„Der tägliche Umgang mit Hightech-Erfindungen führt dazu, dass Hirnzellen sich verändern und Neurotransmitter freigesetzt werden, wodurch allmählich neue neuronale Bahnen in unserem Gehirn gestärkt und alte geschwächt werden“.

Laut Small würden die Kinder und Jugendlichen heute mehr Zeit mit elektronischen Geräten verbringen und würden entsprechend weniger lesen, musizieren, Sport treiben oder Gespräche führen. Er erwartet entsprechend eine „Schwächung der neuronalen Schaltkreise, die für den zwischenmenschlichen Kontakt zuständig sind“. So seien die „Digital Natives“ beispielsweise schlechter in der Lage, körpersprachliche Signale ihres Gegenübers zu deuten. Auch hätten sie Schwierigkeiten, ihre volle Aufmerksamkeit auf eine Sache zu richten oder über längere Zeit zuzuhören. Sie würden zu „Stimulus-Junkies“ und zeigten vermehrt Symptome einer Aufmerksamkeitsdefizitsstörung (ADHS).

Notwendig ist, wenn man diese Ergebnisse mal so stehen lässt, eine ganz neue Lernkultur, bei der die „digitalen Immigranten“ und die „Digital Natives“ voneinander lernen. Die einen könnten soziale Fähigkeiten und Verhaltensweisen erlernen, die anderen könnten medienaffines Verhalten und Multitasking erlernen.

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Die Computer-Kids steigen ins Berufsleben ein

Donnerstag, 19. März 2009

Sie haben ein Leben ohne Internet und Handy nie kennengelernt: Die nach 1980 Geborenen, die sogenannten „Digital Natives“, die jetzt nach Ausbildung oder Studium ins Management vorrücken.

“Sie bringen Fähigkeiten mit, die sie bei Computerspielen perfektioniert haben. Das verändert die Art und Weise, wie Business in den nächsten Jahren funktionieren wird, ganz grundsätzlich.”

Das sagte der IBM-Wissenschaftler Moshe Rappoport dem Technologiemagazin Technology Review in der Ausgabe 4/09.

“Die meisten Computerspiele präsentieren dem Spieler sehr viele multimediale Informationen”, erklärt Rappoport. “Aber nicht alle diese Informationen sind wesentlich.”

Ganz wichtig für einen erfolgreichen Spieler sei deshalb die Fähigkeit, in Echtzeit zu entscheiden, welche Information notwendig ist, um zu gewinnen. Spieler müssten außerdem bereit sein, Risiken einzugehen - wer zu vorsichtig spielt, verliert. Und sie müssten verlieren können.

Übertragen auf Geschäftsprozesse führe dies zu einer anderen Form von Management: “Man nimmt sich nicht mehr die Zeit, alle Informationen, die zur Verfügung stehen, zu studieren. Man probiert lieber aus.”

Dan Rasmus, Director of Business Insights bei Microsoft, sieht vor allem die im Internet erworbenen Sozialtechniken in einem positiven Licht. Er lobt die “Offenheit und Vernetzung” der „Digital Natives“:

“Das ist die erste Generation von Wissensarbeitern, die tatsächlich global vernetzt ist.”

Die Wahrnehmung, dass es keine Grenzen - weder zeitlich noch räumlich - gibt, unterscheide sich sehr stark von jener der Baby Boomer, die jetzt in Führungspositionen säßen.

Ein wichtiger Punkt, den Unternehmen beim Umgang mit „Digital Natives“ beachten müssten, sei deren großes Vertrauen in die eigenen sozialen Netzwerke.

“Wir wissen aus unserer Forschung, dass Digital Natives in geschäftlichen Dingen wahrscheinlich eher auf Menschen aus ihren persönlichen Netzwerken hören als auf Kollegen aus dem eigenen Betrieb”, sagt Rasmus.

Auf der einen Seite gebe es dabei natürlich Probleme mit der Sicherheit und dem Umgang mit geistigem Eigentum. Regierungen, Versicherungen oder Banken machten sich darüber eine Menge Sorgen. Aber es gebe auch Unternehmen, die jene neuen Möglichkeiten sehr positiv aufnähmen. Neue Ideen könnten so sehr schnell und kostengünstig getestet und diskutiert werden.

Damit das oft mangelhafte Sicherheitsbewusstsein und die hohe Risikobereitschaft der „Digital Natives“ nicht zu Problemen führt, empfiehlt Rappoport, jungen Leuten ältere Kollegen mit Erfahrung zur Seite zu stellen.

Das ergebe oft ein Powerteam:

“Weil der eine das denkt, was der andere gar nicht denken kann.”

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