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Aus den Augen, aus dem Sinn

Samstag, 25. April 2009

In der gegenwärtigen Diskussion um die von Frau von der Leyen ins Leben gerufenen Internet-Sperren wird viel über die Rolle der Politik, der Provider und des BKA gesprochen. Opfer kommen auch vor – als Bilder in der Überzeugungskampagne der Familienministerin.

Christian Bahls, Gründer von MOGIS, des Vereins MissbrauchsOpfer Gegen InternetSperren und selbst als Kind von sexuellem Missbrauch betroffen, sprach mit uns in einem E-Mail-Interview über seine Sicht auf die Rolle der Opfer in der aktuellen Diskussion und die Sinnhaftigkeit der Sperrmaßnahmen.

Zum weiteren Lesen empfehlen sich, neben den Quellen im Interview, die folgenden Seiten auf MOGIS: http://mogis-verein.de/category/ein-dossier/ und http://mogis.wordpress.com/2009/04/23/internet-ausdrucker-kooperation/.

tok: Herr Bahls, zunächst einmal herzlichen Dank dafür, dass Sie bereit sind, uns hier Rede und Antwort zu stehen. Es ist sicherlich nicht einfach, mit diesem Thema konfrontiert zu werden.

CB: Hmm naja .. Eigentlich ist es mal eine ganz gute Gelegenheit, die Sache aufzuarbeiten. Der manische Eifer, den Sie auf der Webseite sehen können, stammt im wesentlichen aus der Wut und der Ohnmacht, die in mir bei Betrachtung der Debatte aufsteigt. Eigentlich ist es so was wie der Mut der Verzweiflung. Vielleicht so, als wenn Sie eine Katze in die Ecke treiben.

tok: Ist die Internetsperre von Frau von der Leyen nicht etwas, das Sie als Opfer begrüßen müssten?

CB: Nein, als Opfer sehen wir uns hier als Galionsfiguren der schleichenden Einführung einer Internetzensur missbraucht. Es geht ja vorgeblich um die Einschränkung der Verbreitung “dokumentierten Kindes-Missbrauchs”. Seien wir doch mal ehrlich, da wird doch kein einziges Kind weniger missbraucht, nur weil Frau von der Leyen meint, ein paar DNS-Namen umbiegen zu müssen. Dagegen sind die zu erwartenden Einschränkungen der Grundrechte, insbesondere der Rezipientenfreiheit (Artikel 5 GG), des Fernmeldegeheimnisses (Artikel 10 GG), der Gewaltenteilung (Atikel 20 GG) und der Rechtsweggarantie (Artikel 19 GG) doch erheblich.

Die Pädo-Kriminellen tauschen nach Insider-Informationen Ihr Material heute in erheblichem Maße über den normalen Postweg, über Handys und auch Tauschbörsen aus. Dabei herrscht eine stark konspirative Vorgehensweise vor. Auch gibt es technische Möglichkeiten der Umgehung, deren Sperrung das Internet in Deutschland für kommerzielle Anwendungen mehr oder weniger komplett unbenutzbar machen würde, die also nicht umgesetzt werden könnten.

Die jetzt diskutierte DNS-Sperrung birgt die Gefahr einer Eskalation: Sperren werden umgangen, also wird es möglicherweise Regelungen gegen die Umgehung geben. Der Gesetzesentwurf sagt schon jetzt, dass es den Diensteanbietern “unbenommen [bleibt], sich für eine andere Sperrtechnik mit größerer Eingriffstiefe zu entscheiden”. Aus was den Umfang der geplanten Sperren angeht, sollte man meines Erachtens sehr skeptisch sein: Am Beispiel Finnland kann man ganz gut sehen, wie man ganz schnell von gesperrten ausländischen Seiten zu gesperrten inländischen Seiten weitergegangen ist. Heute wird dort sogar ein Zensurgegner gesperrt.

Auch muss man aufpassen, nicht denunziert zu werden. Wenn man nämlich durch einen unverfänglichen Link auf einer Stop-Seite gelockt wird, dann loggt der Provider: Wer man ist, wo man herkommt und wo man hinwollte. Wenn Ihnen jetzt also jemand eine E-Mail mit einem solchen Link schickt, und Sie klicken darauf, dann wird das BKA sie eventuell später belangen.

Dazu möchte ich auch einfach mal Bundesjustizministerin Zypries zitieren, die gesagt hat, dass eine Strafbarkeit schon in dem Moment vorliegt, wenn nicht nachgewiesen werden kann, dass es sich um ein Versehen oder eine automatische Weiterleitung gehandelt hat.

Zusammen mit dem von den Sperrseiten geführten Logbuch und der Funktionalität moderner Browser (Iframes, Prefetch verlinkter Seiten, Bilder im Hintergrund nachladen) hat man ganz schnell ein sehr effektives Mittel, um unliebsame Personen privat zu denunzieren.

Der Blog Reizzentrum beschreibt es ganz schön in seinem Artikel: “Ich kriminalisiere Euch alle“.

tok: Helfen denn die Sperrlisten nicht bei der Verfolgung der Straftäter?

CB: Das BKA scheint nicht in der Lage zu sein, die gut 20 in Deutschland befindlichen Content-Server beschlagnahmen zu können, soll aber demnächst mit der Pflege einer Zensur-Liste betraut werden?

90% der Server mit kinderpornographischem Inhalt stehen in den USA, Europa, Australien, also eher zivilisierten Ländern. Die Server könnten zum größten Teil, wenn man denn will, in sehr kurzer Zeit stillgelegt werden, wie die Aktion von Carechild gezeigt hat.

Hier sollten nach 48 Stunden mindestens die Hälfte von insgesamt 20 Domains von der offiziellen dänischen Sperrliste für kinderpornografische Webinhalte nicht mehr erreichbar sein. Der Zeitaufwand dafür betrug ca. 8 Stunden und im Ergebnis waren 16 Internetdomains, die sich auf der dänischen Sperrliste befanden, Geschichte, einige sogar dauerhaft. Bei 4 Domains teilten die Provider mit, es handele sich nicht um illegales Material oder der Seitenbetreiber hätte sogenannte “record keeping documents” vorgelegt, aus denen das (volljährige) Alter der Darsteller hervorgeht.

Das klingt schon deutlich plausibler, als nach wie vor zugängliche Server in einer Liste zu verwalten und nichts zu unternehmen. Und nun stellen Sie sich vor, hier wäre nicht ein Verein tätig geworden, sondern eine Polizeibehörde. Dann könnte es für die Betreiber schnell übel aussehen – und das ganz ohne Zensurtechnik.

tok: Die Straftaten im Bereich der Kinderpornographie sind doch aber sehr angestiegen?

CB: Schauen wir uns die Zahlen an, die derzeit immer wieder die Runde machen. Erst neulich erschien da eine dpa-Meldung mit ganz erstaunlichen Zahlen: Da ist beispielsweise die Rede von 450.000 einzelnen Seiten mit kinderpornografischem Inhalt, die täglich angeklickt werden. Wenn man sich das einmal näher anschaut, sind es nicht 450.000 einzelne Seiten, sondern 450.000 vermutete Zugriffe. Vermutet deshalb, weil es sich um Hochrechnungen der 15.000 bis 18.000 täglichen Hits auf die norwegische Sperrliste mit über 3.000 Einträgen handelt. Dabei sagt selbst diese schwammige Zahl nichts darüber aus, warum die Seiten angesurft wurden und welche Inhalte dort überhaupt gesperrt wurden.

Dass das durchaus ein wichtiger Punkt ist, zeigt die recht gut analysierte finnische Sperrliste: 9 Seiten enthielten strafwürdige Inhalte, 28 Seiten hatten fragwürdigem Inhalt, 46 waren (halb-legale) Kinder-Model-Seiten, 879 waren legale Pornographie.

Ein Drittel davon war Gay-Porn - ein Fakt, der meines Erachtens die Gay-Rights-Bewegung nervös machen sollte. Die überwiegende Zahl der bisher bekanntgewordenen skandinavischen Sperrlisten listen zu einem Großteil nicht kinderpornographische Inhalte.

Gern wird auch, wie in der dpa-Meldung, davon gesprochen, dass die Zahl der Anbieter von 2006 zu 2007 um über 110 Prozent im vergangenen Jahr angestiegen sei. Das ist jedoch eine frei erfundene Zahl, denn tatsächlich ist die Anzahl der Verdachtsfälle für Besitz und Verschaffung gestiegen. Das sagt allerdings nicht mal etwas über die tatsächlichen Verurteilungen aus.

In der Polizeilichen Kriminalstatistik aus dem Jahr 2007 sieht die Sache dann ganz anders aus, da wird nämlich klar, dass die Anzahl des Verdachtsfälle auf den Straftatbestand der Verbreitung nahezu konstant bei 2800 geblieben ist.

Auch muss man sich wirklich klar machen, dass hier lediglich mit Verdachtsfällen jongliert wird – häufig, ohne dass überhaupt klar ist, ob sich überhaupt kinderpornographisches Material finden lässt.

Informationen findet man auch hier: http://netzpolitik.org/2009/zahlenspiele-des-familienministeriums/

tok: Wie beurteilen Sie denn die Haltung der Politik zum Internet?

CB: Das Internet ist kein großer Pornotauschring. Stattdessen können Sie im Internet vielen Leuten bei der Kreation wunderbarer Inhalte zuschauen. Natürlich, in jeder Stadt gibt es schmutzige Ecken, dort wäre es dann angemessen, die Polizei etwas häufiger vorbeizuschicken.

Aber was hier gerade umgesetzt wird, entspricht einer Art “Großen Mauer”, das ist es, was sich manche Politiker unter “Kontrolle des Internet” vorstellen. Aber wollen wir wirklich eine “Great Wall of Germany” aufbauen? Denn das ist die letzte Konsequenz aus der Eskalation von “Sperren fortentwickeln” und “Sperren umgehen”.

tok: Welche Alternativen sehen Sie denn?

CB: Wäre es nicht angebracht, statt dieser gefährlichen Symbolpolitik den Opfern echte Hilfe anzubieten und die Dunkelziffer bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zu verringern?

Die Täter müssen verfolgt werden, nicht vordergründig die von ihnen verbreiteten Inhalte. Noch-Nicht-Tätern können Projekte wie http://www.kein-taeter-werden.de/ helfen, so was muss man unterstützen.

Wenn man Kindesmissbrauch wirklich wirksam verhindern will, dann müssen Kinder stark gemacht werden, so dass sie dann weniger Schwachstellen haben, die Täter benutzen können, um sich Ihnen zu nähern und sie einzuwickeln. Ganz wichtig ist es, das Übel zu bekämpfen und nicht nur das Böse aus dem Bewusstsein auszublenden.

Wir müssen unseren Ängsten manchmal begegnen, sonst bekommen Sie zuviel Macht über uns!

tok: Ich bedanke mich für das nette Gespräch.

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Wenn sich die Argumente sperren

Montag, 13. April 2009

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen gründet ihr umstrittenes Vorhaben zur Errichtung von Kinderpornografie-Sperren im Internet auf fehlinterpretierte Statistik. Die angeblichen Fakten erweisen sich bei näherer Analyse als nicht belegbar, so das Computermagazin c’t in seiner Ausgabe 9/09.

Den dringenden Handlungsbedarf leitet die Familienministerin unter anderem aus der drastischen Zunahme der Kriminalität auf diesem Gebiet ab, die das Bundeskriminalamt (BKA) gemeldet haben soll. c’t hat die Zahlen hinterfragt und festgestellt, dass sie keine Aussagekraft für die politische Debatte haben. In der oft zitierten Statistik erfasst das BKA jede Ermittlung bei einem Anfangsverdacht, sie besagt nichts über die Zahl der schlussendlich nachgewiesenen Straftaten.

Für die Fallzahlensteigerung zwischen 2006 und 2007 gibt es viele Gründe, beispielsweise die bessere Ausbildung und Ausstattung der Ermittler. Dass sich das Problem tatsächlich verschärft hat, ist dagegen eher unwahrscheinlich. So waren im Jahr 2007 im Zug einer einzigen Polizeiaktion 12000 Bürger in Verdacht geraten, von denen nun viele in der Fallstatistik stehen. In mehreren Bundesländern ist der größte Teil dieser Fälle unterdessen ad acta gelegt worden, ohne dass sich der Verdacht bestätigt hätte. Bisher wurde keine einzige Verurteilung bekannt.

Auch die anderen Argumente von der Leyens erwiesen sich als nicht stichhaltig, so c’t: Die geplanten Internet- Sperren seien leicht zu umgehen. Sie würden nicht dazu führen, dass organisierte Kinderpornohändler weniger Geld verdienten. Erfahrungen aus skandinavischen Ländern, die solche Sperren bereits eingeführt haben, bestätigen dies. Gehandelt wird das grauenhafte Material nämlich längst fast ausschließlich in geschlossenen Zirkeln im Internet.

Das Experiment eines Kinderschutzvereins hat gezeigt, dass Kinderporno-Webseiten, die lange auf einer dänischen Sperrliste standen, innerhalb weniger Stunden aus dem Netz genommen werden konnten. Offenbar war es für die Behörden einfacher, die Seiten auszublenden, als sie entfernen zu lassen.

“So sind die Inhalte für den normalen Surfer vielleicht nicht mehr sichtbar, aber für die Pädokriminellen umso länger”, kritisiert c’t-Redakteur Holger Bleich.

Gemäß dem aktuellen Gesetzentwurf ist keine Überprüfung der verschlüsselten Sperrliste des BKA durch Richter oder Parlamentarier vorgesehen. Vor diesem Hintergrund hält c’t-Redakteur Bleich die vorgesehene Gesetzesänderung für bedenklich:

“Es wird mit zweifelhaften Argumenten Handlungsdruck aufgebaut, um eine Sperr-Infrastruktur einzuführen, die keiner demokratischen Kontrolle unterliegt. Der Kampf gegen Kindesmissbrauch könnte als Vehikel genutzt werden, um ganz andere politische Ziele zu erreichen.”

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Kann es das sein?

Mittwoch, 18. März 2009

Der Fall Winnenden ist sicher eines der tragischsten Ereignisse, das man sich überhaupt vorstellen kann und dessen Entsetzlichkeit für uns kaum fassbar ist. Aber das soll jetzt nicht Thema sein, ich möchte nur ein Beispiel aus diesem Fall aufgreifen, um einen ganz anderen Punkt zu beleuchten.

Im Umfeld des gruseligen Amoklaufes gab es Berichte, der Täter habe in einem Forum eine entsprechende Ankündigung seiner Bluttat veröffentlicht. Grundlage dieses von der Polizei verkündeten Ermittlungsergebnisses war ein Bildschirmfoto, ein Screenshot, des Forums. Dieser Umstand hat jedoch die Ermittler nicht misstrauisch gestimmt und während im Internet bereits nach wenigen Stunden bekannt war, dass es sich um eine Fälschung handelte, wurde noch über einen Tag lang der offizielle Standpunkt einer Internet-Ankündigung vertreten.

Nun könnte man diese kleine Panne, wie auch die doch sehr langsame Annahme dieser Entwicklung durch die Medien mit einem „das ist halt so, das passiert im Eifer des Ermittlungen schon mal“ abtun. Im Prinzip ist ja auch nichts passiert.

Das ist jedoch nicht der Punkt, auf den ich hinaus möchte. Vielmehr möchte ich mit Ihnen nun den Bogen schlagen zum immer drängender vorgebrachten Vorstoß von Frau von der Leyen, Familienministerin und selbsternannte Internet-Expertin, die Internetprovider in Deutschland dazu zu verpflichten, kinderpornographische Inhalte zu filtern.

Nun können Sie mit Fug und Recht argumentieren, dass es doch wünschenswert sei, wenn Kinderpornographie nicht weiter zugänglich sei. Und wissen Sie was? Sie haben damit völlig recht. Was mich allerdings nachdenklich stimmt, ist, dass die Filtersysteme, die genutzt werden sollen, durchaus nicht unkritisch sind (siehe auch http://www.kieslichdaily.de/keine-ungeteilte-freude/) und die zu filternden Seiten ausschließlich vom BKA zusammengestellt werden, also von der Polizei. Hier haben Sie jetzt den Anschluss an die kleine Datenpanne im Fall Winnenden, denn niemand kann kontrollieren, welche Seiten vom BKA gelistet werden und ob wirklich alle gesperrten Seiten auch dem Kriterium Kinderpornographie entsprechen. Eine parlamentarische Kontrollinstanz ist nämlich in diesem Modell nicht vorgesehen, auch kein Datenschutzbeauftragter order irgendeine andere Instanz.

Außerdem muss man sich vor Augen führen, dass es auch heute beleibe nicht ausreicht, „kinderpornographie“ in den Browser einzutippen, denn über die Tatsache, dass derartige Dinge als kriminell eingestuft sind, besteht durchaus kein Zweifel. Die Klientel, die derartiges sucht, agiert bereits hoch konspirativ und vorsichtig. Entsprechend ist zu erwarten, dass zahlreiche Umwege eingeschlagen werden, um das miserable Material irgendwo gut versteckt zu erreichen.

Es wird also ein hoher Recherche- und Personalaufwand notwendig sein, um derartige Seiten aufzuspüren und in die Filterliste einzutragen. Dass hier Pannen zu erwarten sind, ist fast unausweichlich. Was passiert beispielsweise, wenn das unflätige Bildmaterial auf dem Server eines Unternehmens versteckt wird? Wird dann der Firmenrechner gesperrt? Und wie wird sichergestellt, dass nicht legales Material fälschlicherweise blockiert wird? Immerhin hat es auch schon sehr lange gedauert, bis ein, nun wirklich auch für Laien leicht als Fälschung zu vermutender Screenshot überhaupt angezweifelt wurde. Und in diesem Falle gab es die Möglichkeit starker öffentlicher Beachtung – wie wird es aussehen, wenn es keine öffentliche Kontrolle gibt?

Natürlich gibt es dazu noch einen weiteren Risikofaktor, denn wie wir aus den Initiativen unseres Bundesinnenministers wissen, wecken technische Möglichkeiten auch immer Begehrlichkeiten. Wer weiß, was so mancher BKAler in näherer oder weiterer Zukunft noch so alles sperren möchte, wenn man einmal über eine solche, unter keinerlei Aufsicht stehende Möglichkeit verfügt.

Letztendlich scheint es mir auch immer etwas prekär, an den Symptomen zu arbeiten und nicht an der Ursache. Über die aufwendige und teure Sperrung von Webseiten wird das eigentliche Problem nicht beseitigt und es steht zu befürchten, dass es nicht einen Mißbrauchsfall weniger geben wird.

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Keine ungeteilte Freude

Mittwoch, 11. Februar 2009

Keine ungeteilte Freude ruft die Absicht des Familienministeriums unter Ägide von Frau von der Leyen hervor, kinderpornographische Webseiten durch die deutschen Provider sperren lassen zu wollen.

Vorbild des Filterbestrebens sind die in Skandinavien genutzten Filter, die jedoch auch in der Kritik stehen. In erster Linie wird bei solchen Systemen befürchtet, dass Sie eher kosmetrischen Charakter haben, da sie technisch durchaus umgehbar sind und in einschlägigen Kreisen sogar als Wegweiser zu den inkriminierten Seiten gelten sollen. In erster Linie werden Filtersysteme aber argwöhnisch betrachtet, da fast überall schon einmal Seiten gesperrt worden sein sollen, die keine Kinderpornographie enthalten und die technische Möglichkeit der Sperrung Begehrlichkeiten weckt.

Die Sperrsysteme arbeiten mit „schwarzen Listen“, deren Inhalt (beispielsweise im Falle von Schweden) aus mehren Quellen stammt.

„ Zum einen arbeitet „Ecpat” (”End Child Prostitution, Pornography and Trafficking of Children for Sexual Purposes”) und andere Kinderschutzorganisationen mit der Polizei zusammen und diese erhält Tipps auf einschlägige Adressen. Auch die Polizei selbst kämmt das Internet durch und ergänzt regelmäßig diese Liste.“, so berichte beispielsweise die Online-Ausgabe der Taz in ihrem Artikel „Sperren verhindern Missbrauch nicht“.

Das besondere Problem dieser Listen ist, dass sie nicht öffentlich sind und somit auch die erfassten Seiten keiner Kontrolle unterliegen. Dass das nicht immer gut gehen kann, führt der Taz-Artikel am Beispiel eines finnischen Hackers aus, der den Inhalt der Sperrliste auf seine Webseite stellte und zu ganz erstaunlichen Ergebnissen kam:

„Nach seiner eigenen Einschätzung enthielten 99 Prozent von 1047 zufällig ausgewählten zensierten Seiten kein kinderpornografisches Material, sondern legale Pornografie oder „Modellfotos”. Oder es waren gänzlich andere Seiten erfasst worden, wie eine japanische Bonsaibäumchen-Seite, eine Puppen- und eine Violinenfabrik, sowie verschiedene Foren mit Tipps für Windows-Probleme und technische Hilfe bei Computerpannen.“

Mittlerweile gibt es in Skandinavien Initiativen, die Filter auch auf andere unliebsame Seiten, etwa Filesharing-Angebote und Spieleseiten, auszudehnen.

Wie der Spiegel Online berichtet, hegt auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags erhebliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit des geplanten Sperrfilters. Die Pläne werden als technisch unausgereift und verfassungsrechtlich bedenklich bezeichnet. Die Sperrabsichten gefährdeten schwerwiegend die im Grundgesetz garantierte Kommunikationsfreiheit.

Interessant ist vor allem auch der im Spiegel Online zitierte Gedanke, „es bestehe die Gefahr, dass Provider aus Furcht vor Geldbußen auch Inhalte sperren, ‚die an sich unbedenklich sind’.“

In der Taz wird ein finnischer Abgeordneter mit dem Standpunkt zitiert, dass Sperrlisten sogar kontraproduktiv seien und es nur einen Weg gebe, den Missbrauch zu stoppen – nämlich ein deutliches Vorgehen gegen die Produzenten und Anbieter.

Da sich aber deutsche Politiker noch nie durch Fachwissen von etwas haben abhalten lassen, können wir wohl davon ausgehen, dass auch Frau von der Leyen das Projekt bar jeder Vernunft durchsetzen wird.

 

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Als das Internet böse wurde

Montag, 02. Februar 2009

In der letzten Zeit wird ungeheuer viel über die Möglichkeit gesprochen, Webseiten und Zugänge zu überwachen, zu kontrollieren oder zu sperren. Das mag in dem einen oder anderen Fall mehr oder weniger sinnvoll oder angeraten sein – wichtig ist aber, sicherzustellen, dass es dabei nicht zu Pannen kommt. Wie leicht selbst geübten Unternehmen im Internet eine Indizierung missglücken kann, hat am Samstag Google gezeigt.

Für einen kurzen Zeitraum wurden dort alle Suchergebnisse als potentiell gefährlich eingestuft und mit dem Hinweis versehen, dass der Seitenaufruf schädigende Inhalte übermitteln könne.

Was war passiert? Dazu muss man sich kurz ansehen, wie Google überhaupt Informationen über gefährliche Seiten erhält. Der Suchmaschinen-Riese nutzt dazu so genannte „Black Lists“, also Übersichten über gefährliche Seiten und Links, die Google von einer Organisation erhält, die auf das Herausfiltern dieser bösartigen Seiten spezialisiert ist. Diese Informationen bzw. Links werden dann von Hand – ein Automat wäre zu ungenau – geprüft und in die Google-Datenbank übernommen.

Am Samstag hat nun der „menschliche Faktor“ in Gestalt eines „/“-Zeichens zugeschlagen. Ein Mitarbeiter hat versehentlich in die Datenbank dieses Zeichen eingetragen – mit dem Ergebnis, dass für kurze Zeit das gesamte Internet, nämlich sinnbildlich alles, was sich hinter „http://“ befand, als Böse eingestuft wurde.

Nun hat eine entsprechende Kontrollinstanz von Google den Fehler schnell bemerkt und wieder beseitigt, aber es hat doch rund 40 Minuten gedauert, bis das Problem behoben war. Wenn man sich jetzt vorstellt, es hätte sich dabei nicht um Google gehandelt, wo das Ergebnis des Fehlers jedem Anwender sofort bei der Suche ins Auge gestochen ist, sondern um eine „Schwarze Liste“ eines Sperrfilters, womöglich im BKA oder einer ähnlichen Institution, kann schon ein mulmiges Gefühl auftreten.

Wer also, ob berechtigt oder nicht, die Idee von nachhaltigen Zugangssperren hegt, müsste auch sicherstellen können, dass solche Fehler nicht auftreten. Der Schaden, der sonst angerichtet werden könnte, ist kaum auszumalen. Und Menschen neigen nun einmal dazu, Fehler zu machen – gerade dann, wenn es sich um tägliche Routinearbeiten wie etwa den Abgleich von Listen handelt …

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Zeitsperren und Webfilter

Dienstag, 20. Januar 2009

Mit Zeitwächtern können Eltern die PC-Nutzung ihrer Kinder effektiv einschränken. So bleibt noch Zeit für Hausaufgaben oder das Baumhaus. Untaugliche Internetseiten lassen sich mit Webfiltern ausschließen. Dabei bewähren sich für deutschsprachige Jugendliche Filter aus hiesiger Produktion, schreibt das Computermagazin c’t in der Ausgabe 3/09.

Internet-Filter versuchen Pornoseiten, gewaltverherrlichende Inhalte und Ähnliches vor Kinderaugen zu verbergen. Denn selbst die harmlosesten Kinderseiten liegen nur ein paar Mausklicks von Nazi-Propaganda oder Gräuelvideos entfernt.

Am besten schützt davor eine Software, die mit sogenannten Whitelists arbeitet, also nur explizit ausgewählte Webseiten auf den Rechner lässt. Auf diese Art kann man auch dafür sorgen, dass Kinder nur in moderierten Chats unterwegs sind, in denen obskure Annährungsversuche sofort bemerkt und unterbunden werden. Sinnvoll sind Whitelists allerdings nur für Jüngere.

Bei Jugendlichen, die zu Recht mehr Freiraum beim Surfen im Internet fordern, schließen Blacklists bekannte Porno- und Gewaltseiten aus. “Naturgemäß sind die Filter aber nicht hundertprozentig zuverlässig”, so c’t-Redakteur Urs Mansmann. “Im Test hat sich gezeigt, dass amerikanische Filterprogramme mehr Seiten durchlassen als deutsche Produkte.”

Speziell bei Abzock-, Hass- und Gewaltseiten ist die Erfolgsquote deutscher Software höher. Hier schlüpften den US-Programmen vor allem deutschsprachige Seiten durchs Netz, etwa Neonazi-Propaganda. Ein weiteres Ergebnis: Die kostenlosen Programme haben besser abgeschnitten als kommerzielle Produkte.

Wer einen Zeitwächter einsetzt, erspart sich viele Diskussionen. Die Software warnt die Kinder, bevor ihre Zeit am PC abläuft, und sperrt den Computer, wenn es soweit ist. Besonders praktisch sind Programme wie KidsWatch, Kindersicherung 2008 oder WinTimer, mit denen man Zeitfenster für einzelne Anwendungen bestimmen kann. Windows Vista hat einen Zeitwächter bereits im Betriebssystem integriert, die Funktionen sind jedoch eher bescheiden.

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