Manche Nachrichten werden nicht besser oder richtiger, auch wenn Sie überall zu lesen sind. So auch die derzeit kolportierte Meldung, der Computervirus würde in diesem Jahr seinen 25 Geburtstag feiern. Erschaffen habe den ersten Virus, so die diversen Berichte, Fred Cohen. Was man dazu sagen soll? Vielleicht ‚herzlichen Glückwunsch’? Nicht wirklich, den Berichte wie dieser hier sind schlichtweg falsch.
Der erste Computervirus, der Elk Cloner,stammt nämlich bereits aus dem Jahr 1982. Er wurde vom damals 15–jährigen Rich Skrenta für den Apple II geschrieben. Herr Cohen darf allerdings für sich beanspruchen, den Begriff „Computervirus“ geprägt zu haben – allerdings im Jahr 1984. In seiner Doktorarbeit „Computer Viruses - Theory and Experiments“ definiert er eine noch heute gültige Beschreibung vom Wesen des Computervirus:
„We define a computer ‘virus’ as a program that can ‘infect’ other programs by modifying them to include a possibly evolved copy of itself. With the infection property, a virus can spread throughout a computer system or network using the authorizations of every user using it to infect their programs. Every program that gets infected may also act as a virus and thus the infection grows.“
In seiner Doktorarbeit beschäftigte Cohen sich mit Software, die andere Programme veränderte, indem sie sich selbst darin einbaute. Aufgrund der Analogie zu biologischen Viren prägte Cohen den bis heute gültigen Begriff Computervirus.
Heute hat der Computervirus den Bereich der Wissenschaft und der weitgehend harmlosen Experimentierfreude längst verlassen – die Klientel, die heute Viren schreibt, ist eher unter den Begriff Cybergangster einzuordnen und hat überwiegend eindeutige finanzielle Interessen. Auch gibt es nicht mehr „den“ Computervirus – die Bezeichnung hat sich zu einem Gattungsbegriff gewandelt, unter dessen Dach sich zahlreiche Spezies versammeln, so etwa Bootviren, Makroviren, Würmer, Trojanische Pferde, Polymorphe Viren, Retroviren und Rootkits, um nur einige zu nennen.
Als erster Virus für IBM-kompatible PCs gilt übrigens der im Januar 1986 aufgetauchte Schädling mit dem Namen “Brain”.

