So langsam scheint Bewegung in den Markt der E-Book-Reader, der Lesegeräte für elektronische Bücher, zu kommen. Der Branchenriese Amazon, der nicht nur im Verkauf von „analogen“ Büchern vorn liegt sondern auch Marktführer im Bereich elektronischer Lesegeräte ist, wird seinen Kindle nach Europa bringen. Parallel dazu hat auch die Buchhandelskette Hugendubel angekündigt, Lesegeräte des Herstellers iriver vertreiben zu wollen. Und dann sind da immer noch die Spekulationen über ein 10-Zoll-Tablet-Gerät von Apple, das natürlich auch perfekt für die Nutzung als E-Book-Reader geeignet wäre.
Ab dem 19. Oktober soll der Kindle erhältlich sein – bestellt werden muss das Gerät allerdings über die US-Seite von Amazon. Das ist an sich problemfrei, führt aber für deutsche Kunden zu einigen Zusatzkosten. Zum Kaufpreis von 279 US-Dollar, der den kostenlosen Zugang zu Amazons 3G-Wireless-Netzwerk enthält, kommen dann nämlich noch Versandkosten, Zoll und Einfuhrsteuern hinzu – alles in allem noch einmal knapp 100 US-Dollar. Damit kostet der Kindle für Deutschland dann ca. 357 US-Dollar oder etwa 241 Euro.
Aber auch mit diesen Zusatzkosten ist der Kindle preislich damit absolut konkurrenzfähig. Zudem bietet er die geniale Möglichkeit, Bücher praktisch überall drahtlos laden zu können. Sein Speicher soll für rund 1.500 Bücher ausreichen, im Angebot von Amazon sind derzeit über 292 englischsprachige Titel. Besonderen Charme hat dabei die Idee, auch Magazine und Zeitungen wie Time, Newsweek, die New York Times oder die Washington Post abonnieren zu können. Deutschsprachige Titel sind derzeit über Amazon derzeit leider noch nicht zu bekommen, aber das wird wohl nur eine Frage der Zeit sein.
Die Marktanalysten von Forrester rechnen für 2009 mit etwa drei Millionen verkaufter E-Book-Lesegeräte allein in den USA, wobei Amazon mit rund 60 Prozent Marktanteil klar als führendes Unternehmen gewertet wird, gefolgt von Sony mit immerhin 35 Prozent Marktanteil.
Ein Problem wird sich aber Kindle und Co. im deutschen Markt stellen: die Geräte sind vielen Kunden schlicht kein Begriff, wie eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) anlässlich der Frankfurter Buchmesse ergeben hat. Dennoch knüpfen Verlage und Internet-Buchhändler hohe Erwartungen an die E-Book-Reader der neuesten Generation.
Zwar hat knapp jeder vierte Deutsche schon einmal von E-Books bzw. E-Book-Lesegeräten wie dem “Kindle” oder dem “Sony Reader” gehört, doch was sich genau hinter dem Begriff verbirgt, weiß erst gut jeder zwölfte.
Von den befragten E-Book-Kennern besitzen erst sieben Prozent einen passenden Reader. Zwar wollen weitere 20 Prozent in den nächsten zwölf Monaten ein E-Book-Lesegerät kaufen oder denken zumindest ernsthaft über eine Anschaffung nach, allerdings sind die derzeit in Deutschland verfügbaren Geräte noch zu teuer. Für einen Reader würden die meisten (68 Prozent) höchstens 200 Euro ausgeben, weitere 27 Prozent wollen entweder gar nichts bezahlen oder haben grundsätzlich kein Interesse am Kauf eines Lesegeräts.
Als wichtigste Wunschmerkmale eines E-Book-Readers nennen die Befragten eine lange Laufzeit (97 Prozent), viel Speicherplatz (93 Prozent) und die Möglichkeit, schnell von einer Seite zur nächsten blättern zu können (89 Prozent). Große Bedeutung hat auch das Thema Kompatibilität. So legen 95 Prozent Wert darauf, dass ihr Lesegerät möglichst viele unterschiedliche Formate darstellen kann.
Wer elektronische Bücher kennt, weiß deren Vorteile zwar durchaus zu schätzen. So ist das E-Book nach Ansicht von 76 Prozent dieser Befragten für Sach- und Fachliteratur sehr gut geeignet. Dennoch glauben nur 34 Prozent, dass E-Books auf lange Sicht das gedruckte Buch ersetzen werden. Vor die Wahl gestellt würden jedenfalls derzeit sieben von zehn Befragten lieber das gedruckte Werk in die Hand nehmen als sein elektronisches Pendant. Zudem sind die weitaus meisten nur zum Kauf eines E-Books bereit, wenn dieses weniger kostet als die Printausgabe.
Von den Befragten, die selber E-Books besitzen, hat jeder fünfte bislang noch nie für ein Werk bezahlt, knapp jeder zweite (47 Prozent) hat weniger bezahlt als für ein Taschenbuch. Demgegenüber hat nur jeder neunte schon einmal den selben Preis für ein E-Book bezahlt, den auch die gedruckte Ausgabe mit festem Einband gekostet hätte.
Ähnlich sind die Preisvorstellungen der Befragten, die zwar E-Books kennen, selbst aber noch keines gekauft haben. Rund 75 Prozent würden auf keinen Fall mehr für die elektronische Ausgabe bezahlen wollen als für ein Taschenbuch, während nur 14 Prozent keinen Unterschied zwischen einer gebundenen Ausgabe und einem E-Book machen würden. Weitere 14 Prozent würden für ein elektronisches Buch sogar grundsätzlich überhaupt nichts bezahlen.