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Artikel mit ‘Dummheit’ getagged

Wie Microsoft den „Line Dance“ erfunden hat

Donnerstag, 19. November 2009

Kann mir mal jemand verraten, was derzeit mit Microsoft los ist? Ich meine jetzt nicht das übliche Gezerre, ob Windows 7 ein gutes oder schlechtes Betriebssystem ist oder die Frage, wann das Unternehmen sich wohl einen weniger peinlichen CEO suchen wird.

Nein, ich meine die von Microsoft in letzter Zeit gestarteten Versuche, auf irgendeine Art und weise ‚Hip’, ‚Cool’ oder was auch immer zu sein und dabei immer so zu wirken, wie ein Mittsechziger, der unbedingt Eindruck bei einer knapp 18-jährigen schinden will.

Nach der etwas missratenen Windows-7-Rabattaktion und der noch deutlicher abgerutschten „Windows 7 Launch Party“-Idee versucht sich nun der Microsoft-Store in Mission Viejo, Kalifornien, an einer natürlich völlig spontanen Tanzeinlage, die auf den ersten Blick ein wenig an Wassergymnastik in einem luxuriösen Sanatorium erinnert.

Das auf YouTube zu sehende Video liefert uns einige interessante Denkansätze. Zum Beispiel kann man sich fragen, wer die armen Menschen wohl gezwungen hat, eine solch seltsame Variation eines Line-Dance (das war mal Anfang der 80er modern, glaube ich) einzustudieren. Und man kann sich fragen, wie man es durchhält, die dazu laufende Musik ebenso zu ignorieren wie das deutliche Desinteresse der meisten Kunden. Und wer ist dann bloß auf die hanebüchene Idee gekommen, dieses Dokument extremer Herausforderung auch noch zu veröffentlichen?

Sie sehen schon, die Fragen überwiegen bei diesem Dokument des Grauens. So geht es aber nicht nur mir, sondern auch den zahlreichen Kommentatoren des YouTube-Beitrags, die sich nicht nur fragen, warum der Microsoft Store nun ausgerechnet so deutlich aussehen muss wie ein Apple-Store und warum sich eigentlich niemand um die Kunden kümmert.

Aber zur Ehrenrettung der Protagonisten möchte ich doch noch einmal einwerfen, dass sie (hoffentlich) zu dieser Form arythmischer Sportgymnastik gezwungen wurden. Und immerhin – sie hatten etwas Bewegung …

Wie man „I Gotta Feeling“ von den Blackeyed Peas auch interpretieren kann, können Sie unter anderem hier sehen.

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Politisch korrekt veräppelt

Mittwoch, 11. November 2009

Früher, ja früher, so werden sich gerade angesichts der aktuellen Jubiläen so einige Menschen denken, früher, da war alles einfacher. Nun, das war es natürlich mitnichten, aber einiges war schon problemloser. So wusste beispielsweise jeder, dass PC immer nur den Computer meint. Heute gibt es dann auch noch das „pc“ für „political correctness“, für das seit einiger Zeit eingeführte Schlagwort der politischen Korrektheit, die man nach Möglichkeit damit äußert, dass man nichts sagt oder tut, das Mitmenschen beleidigen oder diskriminieren könnte.

Das ist eine gut gemeinte Einrichtung, die wohl auf der Hoffnung fußt, dass der, der über den Ausspruch seiner vernagelten Meinung nachdenken und sie anders formulieren muss, irgendwann am Ende dieser Gedankenkette auch anders denkt. Was im Ansatz sehr schön gedacht ist, kann aber dann, wenn es auf angstgetriebene Bürokraten trifft, leicht zur Farce werden, wie ein aktuelles Beispiel zeigt, das ich in einem Twitter-Beitrag von David Pogue fand.

Da beschreibt der Karikaturist Tom Richmond, wie er einen ganz fantastischen Auftrag erhalten hat. Er sollte für eine Art Abgeordnetenverzeichnis der USA die stattliche Zahl von 540 Kongressabgeordneten karikieren. Diese sollten dann in einer Software die eigentliche Leistung – den Übersichtskatalog mit Kontaktdaten usw. – illustrieren.

Gesagt, getan: Tom zeichnete seit dem Sommer wie wild und bald lagen vor ihm 540 gezeichnete Köpfe, während sein Auftraggeber bereits intensiv an dem passenden Programm arbeitete. Die wurden nun, von der Funktion Wackeldackeln nicht unähnlich, virtuell auf Körper montiert, so dass sie wippen und wackeln können, wenn man sie im iPhone anstößt oder das Telefon schüttelt.

Man zeigte die neue Anwendung herum: Freunde, Verwandte und Kollegen lachten und fanden die Anwendung nützlich.

Nun weiß ich nicht, wie weit Sie mit Apples App Store vertraut sind – das ist der virtuelle Laden, in dem der iPhone-Nutzer seine kleinen Programme, eben die Apps, erhält. Damit ein Programm in diesen App Store aufgenommen werden kann, muss man es Apple zur Prüfung vorlegen. Apple ist da sehr genau, denn man möchte ja ein friedliches, nettes Miteinander. Schmutz, Schund, Gewalt und Rassismus duldet der Konzern nicht – dass gerade vor ein paar Tagen dort „Mein Kampf“ inkl. Hakenkreuzlogo erschienen ist, kann man nur als dumme Panne werten.

Also, wie gesagt, man ist im Hause Apple sehr ordentlich, doch. Und so prüfte man auch die Karikaturen von Tom Richmond und bewahrte uns nach der Inaugenscheinnahme der vorgelegten Auszüge (die Sie hier sehen können) mit einer deutlichen und angewiderten Ablehnung so vor einem furchtbaren Erlebnis: dem Anblick von, so nennt es Apple, „obszönen, pornographischen oder diffamierenden“ Abbildungen eines gewählten Abgeordneten – und wir wissen ja, wie sensibel Abgeordnete sind und dass sie so etwas kaum aushalten.

Da muss man als Bürger schon einmal für das eigene Seelenheil Verzicht üben und auf eine nicht nur spaßige, sondern in erster Linie auch nützliche Anwendung verzichten. Solch einen Wahnsinn kann nämlich wirklich kein Politiker, kein iPhone-Nutzer und keine Demokratie aushalten – denn eine so angstgetriebene politische Korrektheit ist ein Wahnwitz, der an eine Kreuzung aus einem streberhaften Schüler – Sie kennen diese Sorte Spaßbremse, die dem Lehrer die Tasche hinterherträgt? - und dem unseligen McCarthy erinnert.

Früher, – Sie merken, ich bin in dem Alter, wo man beginnt, nach hinten zu blicken – also früher, da hat es manchmal geholfen, wenn man dem Streber einen Tritt in den Ar*** gegeben hat. Oh, das ist jetzt nicht korrekt, es muss bestimmt so was wie rückwärtig angebrachtes Gegengewicht aus Muskulatur heißen. Wie auch immer, wie es scheint, haben sich etliche Internetanwender mittlerweile von der schrecklichen Wirkung dieser überaus boshaften Karikaturen überzeugt und äußern sich recht heftig. Vielleicht kommen diese virtuellen Tritte ja an …

Grundsätzlich ist es sicher richtig, das Apple die eingesandten Apps prüft und ebenso kann es bei Prüfungen ab und an mal zu Fehlern kommen – auch hier arbeiten schließlich Menschen. Die Begründung, mit der Tom Richmonds Karikaturen abgelehnt wurden, – ein Beweisbild der schrecklichen Untat wurde ja extra mit angehängt – hat allerdings eine etwas andere Qualität, denn es muss sich jemand schon deutlich Gedanken darüber gemacht haben, dass hier „Personen des öffentlichen Lebens lächerlich gemacht werden“.

Irgendwie passt diese Meldung zum 11.11., kann ich doch so recht immer noch nicht glauben, dass dieser Unfug wirklich ernst gemeint ist …

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Webkäppchen und der böse Wolf

Mittwoch, 21. Oktober 2009

In unserer heutigen, umtriebigen Welt gibt es ja leider nur noch wenige Freiräume. Selbst Manager sind ja heute so vielen Zwängen unterworfen. Da tut es gut, von Menschen zu hören, die sich noch trauen, gegen den Strom zu schwimmen – so wie Manfred Hell, von dem die FAZ online schrieb, er betrete einen Raum nicht nur einfach, er stürme herein.

Manfred Hell ist einer, der es geschafft hat. Sein Unternehmen hat, so ist es in dem Artikel zu lesen, im Jahr 2007 156,3 Millionen Euro Umsatz gemacht, satte 21 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Aktuelle Zahlen liegen uns nicht vor, doch es scheint, als ginge es für das Unternehmen und seinen Chef weiter aufwärts.

Und es ist ja auch toll, wenn ein Unternehmenschef als belesener Naturbursche beschrieben wird, einer, der sich lange nicht vorstellen konnte, in der Wirtschaft zu landen und eine Promotion über Alfred Döblin anstrebte. Einer, der sagt, er habe gelernt, mit Anzugträgern umzugehen, auch wenn sie nicht aus seiner Welt stammen, die aber notwendig seien, um an Kapital zu kommen. Kapital, das sein Unternehmen heute unter anderem als Investitionsobjekt von „Private Equity“-Unternehmen erhält.

Es muss Spaß machen, mit einem solchen Menschen zu arbeiten, in einem Unternehmen, dem das positive Image von Freiheit und Abenteuer vorauseilt. Zumindest bis heute. Bei dem Unternehmen handelt es sich um die Jack Wolfskin Ausrüstung für Draußen GmbH & Co. KGaA.

Das Unternehmen, das, so die FAZ in Ihrer Online-Ausgabe, deutlich über zehn Prozent des Umsatzes ins Marketing investiert, hat seit einiger Zeit nämlich auch Neider – böse Menschen, die mit der Marke des Unternehmens Schindluder treiben.

Wer, so mögen Sie sich fragen, kann denn nur ein Interesse daran haben, ein so nettes Unternehmen zu schädigen? Willige Fälscher in osteuropäischen oder asiatischen Gefilden? Grimmige Markenpiraten, die auf schlechte Imitate frech das Logo der notorisch bekannten Marke mit der Wolfstatze pappen?

Nein, es ist viel Schlimmer: Mitglieder einer Handarbeits-Community namens DaWanda haben sich versammelt, um – getarnt als Teilzeitunternehmer – unter anderem mit Stickentwürfen für Katzenpfoten, Spiegel mit tatzengemustertem Plüschbezug und ähnlich pfotenbewehrten Artikeln vom Ruhm des unkonventionellen Outdoor-Ausstatters zu profitieren.

So kam, was kommen musste: Die Plattform DaWanda erhielt ein Schreiben der Wolfskinschen Anwälte mit dem Hinweis, doch, wie es in einem Blogbeitrag des Werbebloggers beschrieben wurde, „bestimmte Produkte aus dem Dawanda-Sortiment bis 08. Oktober zu entfernen, sonst würde Dawanda ‚kostenpflichtig in Anspruch genommen’.“

DaWanda entfernte daraufhin die tatzenbewehrten Angebote wie Stickvorlagen, kleine Sticker u.ä. aus seinem Sortiment, denn in der Tat ist Jack Wolfskin das, was man eine notorisch bekannte, sprich berühmte Marke handelt und hat, wie bereits die Zeitung taz erfahren durfte, recht umfassende Rechte an der Darstellung der Wolfspfote bzw. von Tatzenspuren.

Pfote ist Pfote, sagten sich wohl auch die Anwälte von Jack Wolfskin und schickten zur Sicherheit mehreren DaWanda-Anbietern Abmahnungen, deren Kostennote sich zwischen 800 und knapp unter 1.000 Euro bewegte, da sie, wie es im Text eines dieser Schreiben heißt, „über die Internet-Seite „de.dawanda.com“ unter anderem mit Tatzendarstellungen gekennzeichnete Produkte anbieten. Zwischen der Tatzendarstellung auf den von Ihnen vertriebenen Produkten und der Tatzenmarke unserer Mandantin besteht Verwechselungsgefahr. Die sich gegenüberstehenden Tatzendarstellungen sind nahezu identisch. Die Waren, für welche die Marken unsere Mandantin Schutz genießen, sind mit den Waren, für die Sie hochgradig ähnliche Tatzendarstellungen benutzen, identisch bzw. hochgradig ähnlich.“

Nun kann und will ich nicht beurteilen, ob diese Einschätzung der Ähnlichkeit berechtigt ist oder nicht und billige Jack Wolfskin alle Rechte an der Wolfspfote zu – wenn auch alle Darstellungsbeispiele, die ich in diesem Zusammenhang kenne, eher harmlosen Katzenpfötchen ähneln, zum Teil in bunten Stoffdrucken, die vom Stoffhersteller „Michael Miller Fabrics“ geliefert wurden. Diese Firma weist übrigens auf Ihren Stoffen auch wiederum „All Rights Reserved“ aus. Handelt es sich dabei womöglich um die Hintermänner einer gegen Wolfskin gerichteten Verschwörung?

So haben nun einige dieser Anbieterinnen das Vergnügen, via Abmahnung zu bereuen, die Pfote missbraucht zu haben. Und sie werden möglicherweise eine ganz anderes Verständnis des Satzes entwickeln, das die Homepage von Jack Wolfskin ziert: „Lernen Sie uns kennen!“.

Nun mag es rechtlich sogar vertretbar sein, mit Abmahnungen selbst gehen Klein-Übeltäter vorzugehen – aber hat sich bei Jack Wolfskin schon einmal jemand Gedanken über die Publikumswirkung gemacht? Obwohl, man war ja auch bereit, Jahrelang mit der Taz zu prozessieren und damit möglicherweise einen Teil der eigenen Käuferschicht zu verprellen.

Auch Dawanda zeigte sich in einem Statement betroffen über die Entwicklung:

„(…) Umso mehr sind wir über das Vorgehen von Jack Wolfskin verwundert. Wir haben uns bis jetzt bewusst hinsichtlich öffentlicher Stellungnahmen zurückgehalten und JW bzw. seinen Anwälten mehrfach den Dialog angeboten. Wir versuchen es auch derzeit noch einmal.

Gern hätten wir gemeinsam mit dem Unternehmen eine Lösung gefunden. Als Reaktion auf das Schreiben der Anwälte von Jack Wolfskin haben wir die beanstandeten Produkte von der Seite genommen. Dennoch erhielten unsere Mitglieder Abmahnungen und dies, obwohl deren Artikel bereits nicht mehr auf DaWanda zu finden waren. Als Antwort auf unser erneutes Gesprächsangebot erreichte uns die offizielle Stellungnahme von Jack Wolfskin, in der das Unternehmen sein Vorgehen bekräftigt. Wir sind von diesem Verhalten maßlos enttäuscht.

Die Art und Weise wie das Unternehmen gegen unsere Mitglieder und DaWanda vorgeht als auch die Verhältnismäßigkeit der getroffenen Maßnahmen sind weit von unseren Vorstellungen eines fairen Miteinanders entfernt. Weder unsere Mitglieder noch DaWanda selbst sind daran interessiert, die Markenrechte von Jack Wolfskin oder eines anderen Unternehmens zu verletzen. Im Gegenteil: bislang kooperieren wir konstruktiv mit anderen Marken bzw. diese mit uns.“

Natürlich haben wir sowohl Jack Wolfskin als auch die Anwaltskanzlei um eine Stellungnahme und Erläuterung der Vorgänge gebeten. Vermutlich hat man dort aber derzeit soviel zu tun, dass für eine Antwort bis zum Redaktionsschluss keine Zeit blieb. So kann ich Ihnen leider nicht mitteilen, was das Unternehmen zu den Fragen, worin die Bedrohung der Marke Jack Wolfskin bei der Darstellung von beispielsweise Katzenpfoten auf einer Kaffeetasse liegt, ob Jack Wolfskin plant, gegen weitere Unternehmen vorzugehen, die einen Pfotenabdruck nutzen und ob man ein PR-Problem bei der Kommunikation dieser Maßnahmen bzw. bei der Erklärung gegenüber den Kunden befürchtet, sagen würde.

Vielleicht aber erklärt die PDF-Datei, die als offizielles Statement (die Echtheit konnte ich in der Kürze der Zeit nicht prüfen) von Jack Wolfskin gehandelt wird, die Beweggründe des Unternehmens etwas näher. Schauen wir uns einige Auszüge an:

„Diese Vorfälle sind zwar bedauerlich, es handelt sich hier jedoch um eindeutige Markenrechtsverletzungen, auf die Jack Wolfskin zum Schutz der Marke leider mit Abmahnungen reagieren musste. (…)

Auf der DaWanda-Plattform wurden verschiedene Artikel mit einem Tatzenabdruck angeboten. Die einzelnen Fälle wurden von Jack Wolfskin in enger Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten eingehend geprüft. Daraufhin wurden nur die Anbieter abgemahnt, deren Produkte die Markenrechte von Jack Wolfskin auch wirklich verletzen. Anbieter, deren Artikel mit Pfotenabdrücken keine Ähnlichkeit zur Jack Wolfskin Tatze aufweisen, können ihre Artikel selbstverständlich weiter unbeanstandet verkaufen. Zudem erfolgten die Abmahnungen auch wirklich nur dann, wenn ein Anbieter im geschäftlichen Verkehr gehandelt hat. Das Merkmal eines Handelns im geschäftlichen Verkehr liegt regelmäßig nur dann vor, wenn in der Vergangenheit Verkäufe in einem gewissen Umfang getätigt wurden, wohingegen Kleinstanbieter, die beispielsweise nur ein oder zwei Produkte pro Jahr verkaufen, natürlich nicht kontaktiert wurden. (…)

Wenn verhältnismäßig kleine Unternehmer abgemahnt werden, wird darauf geachtet, die Kosten möglichst gering zu halten. Normalerweise berechnen sich die Kosten eines Abmahnschreibens nach dem zugrunde liegenden Gegenstandswert, der anhand der verletzten Marke bestimmt wird. Dieser wurde in den vorliegenden Fällen so gering wie möglich angesetzt. Die sich daraus ergebenen Kosten in Höhe von € 991,00 sind für einen Kleinunternehmer noch immer verhältnismäßig hoch, jedoch ist dieser für die Entstehung der Kosten verantwortlich, da er markenverletzende Ware verkauft hat und Jack Wolfskin dadurch zur Verteidigung der Marke gezwungen war.“

Einer der Betroffenen, Jolyon Yates, der, wie seine Webseite ausweist, sein Geld wohl eher nicht mit Outdoor-Artikeln verdient, und die Pfotenabdrücke seiner Katze „Princess“ genutzt hat, um einige Sticker herzustellen, beschreibt die Sachlage aus anderer und für mich durchaus auch nachvollziehbarer Sicht. Hier meine frei übersetze Wiedergabe:

„Offenbar hat die Jack Wolfskin GmbH & Co. KGaA (heute der weltgrößte Outdoor-Anbieter), obwohl erst 1981 gegründet, das Recht auf Katzenpfoten. Wer hätte das geahnt?

Ich muss sofort die alten Ägypter, Walt Disney und den Pink Panther informieren.

(…)

Ich verstehe, dass beispielsweise Apple (oder nehmen wir Blackberry!) seine Marke schützen muss – und Menschen daran hindert, Marken zu nutzen, die der eigenen ähneln – speziell im Technologiebereich. Ich musste nun aber feststellen, das mein örtlicher Lebensmittelladen immer noch Äpfel (und Brombeeren!) verkauft – und was noch schlimmer ist, sogar aus Kisten, auf denen Bilder von Äpfeln (und Brombeeren!) aufgedruckt sind.“

Man mag sich wirklich fragen, wovor ein Unternehmen dieser Größenordnung eigentlich Angst hat? Oder ist es gar keine Angst sondern ein viel schlichterer Beweggrund?

In einer Zeit, in der immer mehr Menschen Online Handel treiben, oft als Nebenerwerb oder aus schlichter Begeisterung für ein Hobby, lauern offenbar Fallen. Ob eine vergessene „Double-Opt-In“-Option oder eine Markenrechtsverletzung – der Betreiber eines Online-Shops ist leicht zu „erwischen“. Er tut gut daran, sich möglichst umfassend über die Rechtslage zu informieren und vor allem so gut wie möglich zu prüfen, ob er irgendwelche Markenrechte verletzt. So, wie es heute zugeht, in der Welt der Anzugträger, braucht man wohl nicht unbedingt auf eine gesunde Einschätzung der Maßstäbe zu hoffen. Und solange Abmahnungen auch eine relativ schnelle Methode sind, um mit nur wenig Aufwand noch etwas Geld zu verdienen und gleichzeitig seinem Kunden zu beweisen, wie fleißig man doch in seinem Sinne arbeitet, solange wird es auch Fälle geben, die in der Tendenz so bizarr erscheinen, dass man fast nicht glauben möchte, dass es wahr ist.

Und eigentlich ist es schon fast unglaublich, dass ein satirischer Beitrag wie der „Standardabmahnartikel“ von Sascha Lobo plötzlich so gar nicht mehr lustig erscheint, sondern aus der Vordruckabteilung eines Unternehmens zu stammen scheint.

Eine Lehre mag man auch noch aus diesem Fall ziehen: Bei „Star Trek“ gibt es Borgs, da sieht man, wer assimiliert wurde. In der Wirtschaft sieht man nicht, ob der eine oder andere „Nonkonforme“ schon längst von einer Gedankenwelt aufgesogen wurde, zu der er irgendwann einmal nicht gehören wollte. Es ist eben nicht das Outfit, dass das Verhalten steuert …

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Wie man sich mit Windows 7 zum Horst macht

Montag, 19. Oktober 2009

„Windows 7 enthält Erfahrungen aus einem Viertel Jahrhundert“, so lässt uns Microsoft in einer aktuellen Pressemitteilung wissen und schon die originelle Rechtschreibung zeigt, dass man auch nach einem Vierteljahrhundert mit nur einem Viertel der Kenntnisse, die gewöhnlich als durchschnittliche Schulbildung angesehen werden, bereits Karriere im Marketing machen kann.

Doch die Microsoft-Strategen wissen noch mehr zu berichten: „Das neue Betriebssystem Windows 7 wird schon seit einem Viertel Jahrhundert entwickelt.“ Ah ja.

Da würde ich mich natürlich freuen, einen der Microsoft-Entwickler kennenzulernen, der seit 1985 still und heimlich, womöglich verborgen in einer kleinen Abstellkammer unter einer Treppe in Redmond, an Windows 7 arbeitet. Aber was unsere Freunde hier vermutlich meinen, ist, dass Windows seit 25 Jahren beständig entwickelt wird. Und tatsächlich stellte Microsoft im November 1985 mit Windows 1.0 wenn schon kein Betriebssystem, so doch eine grafische Benutzeroberfläche für MS-DOS vor.

„War Windows damals noch eine Software für EDV-Enthusiasten, so ermöglicht es inzwischen jedermann die Computernutzung und dient als Plattform für Anwendungen und digitale Unterhaltung“, schwelgt die Presseabteilung von Microsoft.

Ähnlich enthusiastisch muss auch die Werbeabteilung ans Werk gegangen sein, die sich wieder einmal mit einem Klassiker der unfreiwilligen Komik hervortat. Nein, ich meine jetzt nicht den Werbespot-Klassiker zu „Where do you want to go today?“ aus dem Jahr 2000, der sinnigerweise mit den letzten Takten von Mozarts „Dies Irae“ unterlegt wurde, die so musikalisch auf die Frage, wohin man heute gehen wolle mit den frei übersetzten Worten „Wird die Hölle ohne Schonung den Verdammten zur Belohnung …“ antwortet.

Nein, mir geht es um einen aktuellen Werbespot, der in bester Verkaufskanal-Manier dazu auffordert, doch bitte eine Windows-Launch-Party durchzuführen. Dabei glänzt dieser mit 6:15 Minuten deutlich zu lange Spot nicht nur mit hölzernen Darstellern aus dem Regal der „political correctness“ (wo ist der Asiate?) und besticht durch eine Kameraführung, für die sich mancher Hobbyfilmer schämen würde, sondern er bietet auch interessante Einblicke in das Phänomen der Zeitreise - springt die eingeblendete Uhr doch beliebig vor und zurück. Dazu passen dann auch die Gläser, deren Füllung sich wohl der unterschiedlichen Dichte des Raums anpasst.

Aber sehen Sie selbst: http://www.youtube.com/watch?v=1cX4t5-YpHQ. Allerdings muss ich Sie warnen, dieser Spot ist nichts für sensible Naturen. Rückforderungen der 6:15 Minuten Ihres Lebenszeitkontos stellen Sie bitte direkt an Microsoft.

Die eigentliche Frage, die dieser Spot aufwirft, ist, ob es sich bei Microsofts Werbetruppe um eine heimlich eingeschleuste subversive Gruppe handelt, die es darauf anlegt, den Ruf des Unternehmens in Grund und Boden zu fahren. Am Geld kann es doch eigentlich nicht liegen, dass Microsoft bei seinen Werbespots mit einer gewissen Beständigkeit zwischen Peinlichkeitsobergrenze und Desaster hin- und herschnalzt.

Wie subversiv dieser seltsame Launch-Party-Spot tatsächlich konzipiert ist, zeigt ein weiteres Video (doch, ich weiß, was ich Ihnen da abverlange), bei dem schlicht das Wort Windows 7 durch ein typisches „Piep“ ersetzt wurde. So, und nun sagen Sie mir, welche Party diese Leute da planen und was Bemerkungen wie “You wanna make sure you have the right devices to hand” bedeuten sollen.

Wenn Windows 7 so viel „leistungsfähiger, zuverlässiger, schneller und aufgrund einer neuen, intuitiven Nutzeroberfläche einfacher zu bedienen“ ist, warum nur muss man es dann bewerben wie das drittklassige Imitat eines Essstäbchen-Sets? Und warum wählt man dazu ein Team, das vermutlich solche Verkaufsspots am Meter herunterkurbelt, eine Art Textschablone nutzt und deren aus Gepettos Schnitzstube stammende Darsteller ganz offensichtlich kaum eine Ahnung haben, wovon sie sprechen? Machen Sie einmal ein Gedankenexperiment und ersetzen Sie in dem Spot „Windows 7“ versuchsweise einmal durch „Kartoffelchips“ oder „Käsereibe“ – es funktioniert immer noch.

Natürlich können wir immer noch von den tiefsinnigen Tipps aus diesem profitieren – etwa, dass man seinen persönlichen Rechner, den man gerade mit Windows 7 versehen hat, den ganzen Abend über den Partygästen zum Ausprobieren überlassen solle. Wenn das bei Microsoft so üblich ist, verstehe ich einige Probleme von Windows jetzt viel besser.

Warum, liebe Microsoft-Strategen, glaubt ihr, irgendjemandem erklären zu müssen, wie er eine Party zu feiern hat? Die meisten von uns verstehen vermutlich mehr davon als eure lustige Kleindarsteller-Combo. Und, ganz nebenbei gefragt, wer hat jemals oder wird jemals eine Party für ein Betriebssystem geben? Geht’s noch?

Störend daran ist aber auch, dass dieser Spot, wie alle übrige Werbung, letztendlich von den Kunden bezahlt wird. Und wenn wir Käufer das schon tun, dann muss man uns doch nicht noch mit der Keule darauf aufmerksam machen, dass man uns für blöd hält, oder?

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Die zweite Stufe des Terrors

Dienstag, 21. Juli 2009

Bestellen im Internet ist fantastisch. Ich liebe es einfach, in Ruhe bei einer Tasse Kaffee Produkte vergleichen und auswählen zu können. Das ist doch viel angenehmer, als in schlecht sortierten und noch schlechter belüfteten Großmärkten mit manchmal nicht recht begeisterten Verkäufern umzugehen.

Allerdings hat die schöne Online-Bestellwelt auch ihre Grenzen, nämlich dann, wenn der Versand nicht von einem der großen Logistiker, ob nun Braun oder Gelb oder wie auch immer, vonstatten geht.

So hatte ich gerade wieder ein geradezu surreales Erlebnis mit einem Versand, der sich der direkten Abstammung eines griechischen Götterboten rühmt, tatsächlich aber in die weit weniger göttliche Familie derer von Otto gehört.

Vorausschicken muss ich, dass ich in einem recht modernen, aber auch großen Haus wohne, dass, neben 14 Mietparteien, die recht häufig wechseln, auch einen Aufzug beherbergt.

Jener hat den charmanten Vorteil, dass er mich und auch die verschiedenen Boten, ob nun göttergleich oder nicht, gefahrlos und auf meinen Wunsch hin zielsicher befördert. Keine Raum-Zeit-Schleife vergällt die Fahrt, die von den meisten als recht angenehm empfunden wird, erspart sie doch einen mühsamen und sinnlosen Fußweg, denn meine Wohnung ist, da sie vom Rest des Hauses abgetrennt ist, auch nur über diese elektrische Variante der Himmelsleiter zu erreichen.

Nun fährt, statistisch gesehen, jeder Mensch auf der Erde in 72 Stunden einmal Aufzug. Das wird auch von den meisten Menschen problemlos akzeptiert, doch mag es sein, dass so ein Götterbote da andere Ansichten hat und sich durch die feste Vorgabe eines Aufzugsschachtes und einer Etagenanordnung in der freien Entfaltung des Zustellweges behindert sieht.

Was auch immer es war, was am letzten Donnerstag den eher wenig eiligen Boten an meine Haustüre brachte, wird sich wohl nicht mehr gänzlich klären lassen. Alles begann, völlig unauffällig, mit einem Summen der Gegensprechanlage, durch die ein vermupftes „Paket“ zu vernehmen war. In geübter Praxis sagte ich mein Zaubersprüchlein auf, das in Kurzfassung etwa lautet „Nehmen Sie den Aufzug in den vierten Stock“.

Gerade will ich zum Aufzug eilen, um den armen Mann von seiner Last zu befreien, da klingelt es wieder: „Aufzug?“ „Ja, Aufzug. Vierter Stock.“

Also schnell zum Aufzug, auf das fröhliche Lämpchen gedrückt und schon rattert die Anlage, mit der Personen oder Lasten in einer beweglichen Kabine befördert werden, los. Die Tür öffnet sich und – nichts. Leer. Absolut und völlig leer. Wo kann er nur abgeblieben sein? Unterwegs falsch abbiegen klappt nicht so wirklich, auch halten kann der Aufzug nur da, wo man aufs Knöpfchen drückt. Im Hausflur: Stille.

Also begebe ich mich wieder in die Wohnung, vermutlich wird doch der Zusteller noch einmal die Sprechanlage bemühen, um mir mitzuteilen, wo er wohl abgeblieben ist. Sind ja eigentlich clever, diese Leute …

Nachdem sich nichts tat, beschloss ich, doch wenigstens nach der Briefpost zu schauen, als ich im Flur ein leises „Hallo“ höre.

Hallo, dachte ich, ein Hallo. Und rief „Hallo“, man ist ja freundlich. „Paket“, schallte es aus der Tiefe des Hauses zurück. Eine, wie ich finde, recht originelle Methode, um auf eine Zustellung aufmerksam zu machen.

„Gehen Sie wieder in den Aufzug“, sagte ich. „Geht nicht, der ist kaputt.“ „Nein, er funktioniert. Gehen Sie in den Aufzug, damit ich Sie hochholen kann.“ „Der ist kaputt.“ Das Geplänkel ging noch etwas hin und her, und obwohl vor mir der fahrbereite Aufzug fröhlich grinste, wusste der verkappte Aufzugsspezialist mit seinen hellseherischen Fähigkeiten wohl etwas, das ich nicht wusste – jedenfalls wehrte er sich geradezu ängstlich, den Aufzug zu betreten. Waren die Tragseile kurz vor dem Zerreißen? War womöglich eine Bombe an Bord? Man hört ja soviel in letzter Zeit …

Egal, ich musste das Risiko eingehen. Todesmutig schwang ich mich in die Kabine, die mit einem sanften Quietschen meine Anwesenheit registrierte. Sanft und unbehelligt glitt ich ins Erdgeschoss, um den Götterboten – die haben ja bekanntermaßen Flügel an den Knöcheln – auf der Straße zu erwischen.

Er begrüßte mich mit einem fröhlichen „Der Aufzug ist kaputt.“ Meine Beteuerung, selbigen doch soeben benutzt zu haben, konterte er geschickt: „Ja, vielleicht, wenn man nach unten fährt“.

Ich habe den Mann dann genötigt, daselbst ein Auge auf den Fahrstuhl zu werfen, was er unwillig auch tat. Zack, die Aufzugstür schloss sich, wiederum fuhr ich, frei von jedwedem Unbill, in die vierte Etage. Kein gerissenes Seil, kein ungebührliches Ticken, nicht einmal ein ungewohntes Quietschen konnten die Fahrt beeinträchtigen. Mich wunderte nur ein wenig, warum der Bote wohl nicht mitgefahren war und schob es darauf, dass er ja wohl das Paket holen werde.

Kaum wieder unten, fand ich den Fahrer dann in seinem Auto – nur gänzlich nicht bestrebt, mir das Paket zu geben. Ich spürte fast einen gewissen Unwillen, als ich ihn aufforderte, doch nun den angefangenen Job zu beenden.

Das Paket habe er längst abgegeben, nur bei wem, das wusste er beim besten Willen nicht zu sagen. Er war wohl viel zu sehr mit der Flügelpflege beschäftigt, als dass ihm in den Sinn kam, sich solche Nebensächlichkeiten merken zu müssen. Und was für ein schnöder Einfall, von ihm, dem Überbringer wichtigster Nachrichten, noch zu verlangen, mir, einem profanen Paketempfänger, solche dummen Details zu nennen.

Doch, ich kann es verstehen, wenn man schon von Göttern gesandt wird, muss es furchtbar unangenehm sein, sich ein Zubrot am Steuer eines schmutzigweißen Autos verdienen und sich mit profanen Dingen wie Quittungen, Empfangsberechtigten und – oh Graus – Dienstleistung beschäftigen zu müssen.

So sprach er nur das Nötigste mit mir und sagte das Zauberwort „Nachbar“. Na toll! Quittung? Aber nein, er hat ja sein Paket abgegeben.

Für mich heißt das, in den nächsten Tagen mit jeder Menge Menschen Bekanntschaft zu schließen, denn irgendjemand hat ja möglicherweise mein Paket. Oder es hat sich in einer Raum-Zeit-Schleife im Aufzug zurück in den Olymp verdünnisiert. Nichts genaues weiß man nicht …

Fest zu stehen scheint, dass die Götterboten heute auch in die Jahre gekommen sind und sich mit jeder Menge angelernter Hilfsflattermänner behelfen müssen: „Paket für Jupiter.“ „Das hier ist Griechenland, du Nase.“ „Dann geb ich’s eben bei Iphigenie ab.“ Und wir wundern uns, dass die ganze Götterwelt heute nur noch für Histörchen reicht.

Aber irgendwie hätte ich es mir denken können, denn dieser Götterbote ist ja nebenbei auch dafür zuständig, die Seelen der Verstorbenen in den Hades zu führen. Vielleicht war das ja nur ein Versuch, beide Aufgaben miteinander zu kombinieren und bei der Zustellung auch gleich noch für einen Herzschlag zu sorgen.

Übrig bleibt die Erkenntnis, dass es viele Faktoren für Firmenpleiten gibt und ich eine zusätzliche Facette im Falle Otto kennenlernen durfte. Und sicherlich werde ich zukünftig nur noch da etwas bestellen, wo keine Götterboten ihre Finger im Spiel haben. Die erdgebundenen Dienste können nämlich ganz unbeeindruckt Aufzug fahren.

[Nachtrag 20.7.: Das Paket fand sich dann am Freitag nachmittag im Hausflur, fröhlich für jedermann zur Mitnahme geeignet. Der bis dato noch unbekannte Nachbar hatte es dort wohl abgestellt. Mittlerweile hat sich auch das Beschwerde-Management des Logistikers (doch, so etwas haben sie da) wortreich und durchaus glaubwürdig entsetzt für diesen Vorfall entschuldigt.]

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Von unbelehrbaren Nichtverstehern

Freitag, 10. Juli 2009

Vielleicht erinnern Sie sich: vor einigen Tagen versuchte ich, bei der Telekom eine ganz einfache Frage beantwortet zu bekommen: Was bedeuten die lustigen rosa Markierungen auf der Karte mit dem Ausbaustatus von DSL16+ und VDSL? Und was meint Ausbaustatus eigentlich?

Solche Anfragen unterliegen anscheinend einer besonderen Sicherheitsstufe, die nur von einem speziell ausgebildeten Kundenverhinderungskommando bearbeitet werden darf – jedenfalls gab es auf diese schlichten Fragen vom 18. Juni bislang keine Antwort.

Als ich den Beitrag „Von Koberern und Kartenlesern“ schrieb, fragte ich natürlich noch einmal bei den sachdienlichen Bearbeitern kundenseitiger Störeinflüsse nach. Und – man mag es glauben oder nicht – ich erhielt Antwort. Nur 11 Tage nach der ersten Anfrage zeigte die Kundenverwirreinheit der Telekom eine erste menschliche Regung. Man schrieb mir:

„Sie haben bisher noch keine Antwort von uns erhalten - bitte entschuldigen Sie. Ihr Anliegen ist bereits in Arbeit, jedoch benötigen wir noch etwas Zeit. Wir melden uns bei Ihnen, sobald Ihr Anliegen erledigt ist.“

Immerhin – das schwingt doch so etwas wie die Erkenntnis mit, dass man mit dem Anliegen, das man dergestalt erledigt, auch gleich das Kundenvertrauen mit abserviert. Aber ich würde mich ja freuen, wenn es denn möglich wäre, mein Anliegen zu erledigen. Gern auch möglichst schmerzfrei.

Heute habe ich dann aufgegeben. Der Form halber habe ich noch eine Nachfrage abgeschickt, um zu erfahren, ob man denn vielleicht doch noch jemanden finden könne, der wisse, was die in Echtzeit gepflegten rosa Flecken zu bedeuten hätten und ob der Erfinder der Begriffe Verfügbarkeit und Ausbaustatus nicht doch in einem geheimen Wandschrank eine Haftnotiz mit der Erklärung hinterlassen hat. Sowas wird ja auch schon mal unter die Tastatur geklebt …

Aber insgeheim habe ich schon nicht mehr mit einer offiziellen Antwort gerechnet. Der verantwortliche Telekom-Anarchist, der seine armen Kollegen mit diesem kaum lösbaren Rätsel zurückgelassen hat, ist entweder längst undercover in einem anderen Unternehmen tätig oder hat sich in irgendein Land abgesetzt, das weder mit der Bundesrepublik noch der Telekom ein Auslieferungsabkommen hat.

Sie können sich kaum vorstellen, wie überrascht ich war, plötzlich in der Post einen Brief – ja, wirklich, auf echtem Papier und mit Unterschrift – von „Ihnen“ fand. Ich eilte an meinen Schreibtisch, öffnete hastig das Schreiben, dessen Worte mir die Antwort auf die allentscheidenden Fragen geben sollte, die, schaut man auch die Bearbeitungszeit, mindestens so schwer herauszufinden gewesen sein müssen wie die ultimative Antwort „42“.

Ich möchte Sie nun im Originalton teilhaben lassen an der Erläuterung der Telekom zur Frage, was es mit all den interessanten Angaben auf der Seite http://entertain.eki.t-home.de/service/dslcheck/ auf sich hat:

„Sehr geehrter Herr Kieslich,

vielen Dank, dass Sie sich an uns gewandt haben.

Leider ist derzeit an Ihrem Wohnort eine VDSL-Leitung nicht verfügbar. Somit können Sie die Pakete Entertain Comfort VDSL sowie Entertain Comfort Plus VDSL und Entertain Premium VDSL nicht nutzen.

Auch wenn wir dieses Mal Ihren Wunsch nicht erfüllen können, hoffen wir doch, Sie bald wieder zu unseren zufriedenen Kunden zählen zu dürfen.“

Liebe Telekom, man soll ja bekanntlich die Hoffnung nie aufgeben …

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Von Kaffee und Versandhäusern

Montag, 11. Mai 2009

Haben Sie auch manchmal so nostalgische Anflüge? Also, ich schon – ich vermisse manchmal die „gute, alte Zeit“, als die Welt noch übersichtlich war. Der Autohändler verkaufte Autos, der Lebensmittelhändler verkaufte Lebensmittel und der Kaffeehändler …. Na gut, der Kaffeehändler hat schon früher versucht, alles mögliche zu verkaufen, aber Kaffee war immerhin sein Hauptangebot. Im großen und ganzen machte jeder etwas, was er gut beherrschte und das, um es mit dem regierenden Bürgermeister von Berlin zu sagen, war auch gut so.

Doch mit dem Internethandel wuchsen die Begehrlichkeiten, das Geschäft lockte (verständlicherweise) und man machte plötzlich „in Internet“. Seltsam übrigens, dass dabei in meiner subjektiven Wahrnehmung gerade die alten Versandprofis bis heute nicht besonders gut aussehen – aber das ist ein anderes Thema.

Tja, und auch der Kaffeehändler ist natürlich ganz groß im Internet, denn er ist inzwischen längst zum Universalanbieter zwischen Küche und Keller geworden und hat – nur noch zufällig, wie es scheint – auch Kaffee im Angebot. Und tatsächlich ist das Internet eine tolle Geschäftsplattform, das geradezu zur fröhlichen Verständigung zwischen Kunden und Versendern einlädt, wie beispielsweise in dieser kleinen Episode:

Anfang April klingelte es. Es war der Postbote mit einer Lieferung des Kaffeehändlers, denn auch wir konnten uns dem Wunsch, unsere Haushaltsausstattung etwas zu erweitern, nicht entziehen. Flugs war das Paket geöffnet, und es war wohl auch alles da. Nur die Rechnung, die war etwas befremdlich, denn es handelte sich um die Auflistung einiger Wäschestücke, die eine Dame in Tschechien geordert hatte. Eine wenig schöne Panne, denn wir konnten nun die Rechnung nicht begleichen und immerhin hatte unser Vertrauen in den Datenschutz des Kaffeehändlers etwas gelitten.

So entspann sich der folgende Maildialog:

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Bestellung ist wohlbehalten angekommen. Mir fehlt allerdings die Rechnung dazu. Beiliegend fand ich nur eine Rechnung an eine Bestellerin in Prag. Ich vermute, diese Dame hat meine Rechnung mit meinen Daten, was mich nicht sonderlich fröhlich stimmt.

Senden Sie mir doch bitte ein Doppel meiner Rechnung zu, damit ich die Überweisung vornehmen kann.

Die Antwort kam prompt:

Sehr geehrte Frau …,

vielen Dank für Ihr Schreiben.

Die gewünschte Rechnungskopie wird Ihnen umgehend zugesandt.

Für weitere Auskünfte stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Kaffeehändler-Team

Nach knapp sechs Wochen kam dann auch schon Post vom Kaffeeröster – allerdings nicht etwa die erwartete Rechnungskopie, auch keine Entschuldigung für den schlampigen Umgang mit den Kundendaten, sondern eine Mahnung, in der man uns großmütig darauf hinwies, uns doch für dieses Mal noch die Mahngebühr zu erlassen. Na, wenn das nicht kundenorientiert ist.

Also eine neue Mail an die Teilnehmer im Wettbewerb „Deutschland sucht den Super-Versender“:

Sehr geehrte Damen und Herren,

jetzt bin ich doch ernsthaft sauer. Zunächst senden Sie mir eine Rechnung für eine mir völlig fremde Person. Auf meinen Hinweis dazu senden Sie mir die unten angehängte Mail (man beachte das Datum) mit der Ankündigung, die Rechnung käme noch, was nicht passierte. Auf eine Entschuldigung habe ich wohl sowieso vergeblich gewartet. Und jetzt eine Mahnung? Ihr Geschäftsgebaren ist einigermaßen befremdlich und dringend änderungsbedürftig.

Die Überweisung werde ich vornehmen. Ob ich noch einmal bei Ihnen bestelle, werde ich mir reiflich überlegen.

Außerdem erwarte ich noch immer die Mitteilung, wer meine persönlichen Daten auf der ursprünglichen Rechnung erhalten hat, nachdem ich die Daten der Dame in Tschechien zur Kenntnis nehmen durfte.

Die Antwort kam prompt am nächsten Tag – offenbar war man wachgerüttelt:

Sehr geehrte Frau …,

vielen Dank für die Information, dass Sie eine E-Mail erhalten haben, die für einen anderen Empfänger bestimmt war. Hierfür entschuldigen wir uns!

Offensichtlich lag uns zu einem Kunden eine falsche E-Mail-Adresse vor. Eine entsprechende Korrektur haben wir bereits veranlasst, so dass Sie zukünftig keine E-Mails mehr von uns erhalten, die nicht für Sie bestimmt sind.

Wir freuen uns, wenn wir mit Ihrem Verständnis rechnen können.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Kaffeehändler-Team

Auf diesen Ausbund an Geisteskraft brauchten wir dann auch erst einmal einen Kaffee. So langsam verstehe ich auch den tieferen Sinn des Werbespruchs, mit dem der Kaffeehändler alle seine E-Mails versieht: Jede Woche eine neue Welt. Vermutlich ist man dort schlich in einer ganz anderen Welt als wir. Zur Klärung gab es dann noch einmal eine Mail an den Versandexperten:

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist wirklich unfassbar! Lesen Sie doch bitte die Mails, die Sie bekommen.

Das hilft, wirklich.

Es geht nicht um eine falsche Mailadresse sondern darum, dass ich bis heute immer noch keine Rechnung erhalten habe. Ich spreche von Papier, nicht von Mails. Hier nochmal die Kurzfassung für Sie - bitte lesen:

Anstelle der Rechnung für meine Bestellung habe ich eine Rechnung für eine Dame in Prag bekommen; wohin meine Rechnung gegangen ist, weiß ich nicht. Ich habe zwar eine Mahnung, aber immer noch keine Rechnung.

Ihre Antwort ist wirklich niederschmetternd. Sie sollen nicht imaginäre Mailadressen berichtigen, sondern mir eine Rechnung schicken. Also bitte: die Rechnung an mich ausdrucken und an mich schicken. Die Rechnung - nicht irgendetwas Anderes.

Nun bin ich ernstlich gespannt, was wir als Antwort bekommen. Vielleicht eine Rechnung eines Bestellers aus Nigeria, im Tausch von 6 Millionen US-Dollar, die der verstorbene Schwager des letzten Bremer Kaffeerösters dort versteckt hat? Oder das filigrane Deco-Kaffeeset einer arabischen Prinzessin? Vielleicht wird auch einfach nur unsere E-Mail aus dem Verteiler gestrichen – wer weiß?

Interessant ist übrigens, dass der Kaffeehändler in einem endlosen Blabel unter seinen Mails auch immer auf eine Extra-Webseite zur Qualität seiner Produkte hinweist. Von der Qualität der Mitarbeiter ist da nicht die Rede …

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Amazon und die sexuelle Vernetzung

Montag, 20. April 2009

Wissen Sie, bisher dachte ich immer, dass es bei der Fotografie um so banale Dinge geht wie eine Kamera, Speicherkarten, Motive, Photoshop-Kenntnisse und dergleichen mehr. Entsprechend lassen sich beim Versandhandelsriesen Amazon alle möglichen Geschenke für fotobegeisterte Verwandte finden – oft bereits durch andere Kunden bewertet.

Nun durfte ich aber feststellen, dass die Fotografie noch gänzlich andere Aspekte aufweist, wenn ich Amazon Glauben schenken darf. Die Suche nach einem Ratgeber in der Rubrik Elektronik, Foto & PC führte mich jedenfalls schnurstracks zum 5-Sterne-Treffer „Ratgeber Analsex“. Das wirft doch ein ganz neues Licht auf den Fotoboom der letzten Monate …

Aber mal ernsthaft: Seit längerer Zeit scheint Amazon massive Probleme mit der Suchfunktion und der Auflistung von Büchern zu haben. Erst neulich waren sämtliche Bücher, die auch nur entfernt mit Erotik oder Homosexualität zu tun haben, aus dem Verkaufsranking verschwunden, was vom Unternehmen mit einem Katalogisierungsfehler entschuldigt wurde. Bei der Suche nach Allerweltsbegriffen wie „Ratgeber“, “PC vernetzen” und ähnlich pauschalen Suchen bekommt man derzeit hauptsächlich sexuelle Inhalte als Ergebnis angezeigt.

Einen interessanten Beitrag über diese Suchentgleisungen und auch das daraus entstandene Bild-Orakel finden Sie unter „Homo-Hacker auf Zeitreise“ im Bildblog.

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Hände waschen nicht vergessen

Donnerstag, 16. April 2009

Symantec hat – mittlerweile zum 14. Mal – seinen „Internet Security Threat Report“ veröffentlicht, der die Ereignisse im Internet im Jahr 2008 auswertet und Angriffsmethoden, Bedrohungen und Schwachstellen analysiert. Lassen wir einmal außer Acht, dass Sicherheitsanbieter natürlich ein Interesse daran haben, die aktuelle Bedrohungssituation hervorzuheben, denn auch unter diesem Gesichtpunkt enthält die Untersuchung wertvolle Hinweise auf den immer noch erstaunlich leichtsinnig Umgang, den viele Anwender mit ihren Daten pflegen.

Dem Report folgend waren rund 65 Prozent aller potenzieller Infektionen in der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA) auf den schon traditionellen Weg über Wechselmedien zurückzuführen. Was hier so freundlich umschrieben wird, heißt im Klartext nichts anderes, als dass die Malware über portable Geräte wie USB-Sticks oder externe Festplatten verbreitet wird. Die Anwender geben hier den versteckten Schadcode manuell an andere weiter, so wie sie es früher mit Disketten taten. Und es ist sicher kein Ruhmesblatt, dass Deutschland in EMEA mit 14 Prozent weiterhin Spitzenreiter bei allen Malware-Aktivitäten ist.

Der jährliche Report von Symantec basiert auf Datensätzen, die von Sensoren im Internet gesammelt wurden, sowie auf Analysen und Beobachtungen von Hacker-Aktivitäten. Der Bericht deckt den Zeitraum von Januar bis Dezember 2008 ab.

Und wie kommt nun die üble Software auf den USB-Stick oder die externe Platte? Die Malware bedient sich so genannter „Shared Executable Files“, um über USB-Sticks und andere Wechselmedien weitere Rechner zu befallen. Und die Tendenz geht steil nach oben: Bei rund 65 Prozent aller potenziellen Infektionen in der Region EMEA hat Schadcode im vergangenen Jahr diesen Verbreitungsweg gewählt. 2007 waren es noch 37 Prozent.

Die Gründe für den starken Anstieg: Anwender nutzen mehr und mehr Wechselmedien und andere tragbare Geräte. Außerdem ist dieser Infektionspfad für Malware-Autoren interessant: Sie können bewährte Verbreitungsmechanismen, die früher für Floppy-Disketten entwickelt wurden, schnell und leicht an die modernen Wechselmedien anpassen.

Vertrauliche Daten der Anwender wie Finanzinformationen bleiben die bevorzugte Beute der Kriminellen. 2008 zielten 78 Prozent der Malware-Aktivitäten in EMEA auf vertrauliche Nutzerdaten ab - ein Anstieg um vier Prozent im Vergleich zu 2007.

Die wirtschaftlich angespannte Lage hat indes offensichtlich keinen Einfluss auf kriminelle Machenschaften im Internet - auch „Underground Economy“ genannt. Ganz im Gegenteil: Der aktuelle „Internet Security Threat Report“ kommt zu dem Ergebnis, dass die Schattenwirtschaft trotz der Konjunkturschwäche wächst und gedeiht. Sie ist gut organisiert und hat Vertriebswege und Prozesse professionalisiert. So werden beispielsweise in einem Land leere Plastikkarten mit Magnetstreifen hergestellt, in ein anderes Land verschifft, dort mit Informationen gestohlener Kreditkarten und Bankdaten beschrieben und in die Region geschickt, aus dem die entwendeten Daten stammen, um dort dann illegal Geld abzuheben. Professionelle Banden sind auf die Verbreitung von Schadcode und das Bereitstellen von kriminellen Webseiten spezialisiert.

Was können wir da tun? Eigentlich ist es ganz einfach: Wir sollten aufpassen und – im übertragenden Sinn – wie Ärzte vorgehen. Die desinfizieren schließlich auch ihre Hände, bevor sie einen Eingriff beginnen. Weniger Vertrauensseligkeit, dafür mehr Firewall und Virenscan sind gefragt. Wer heute ohne jede Prüfung auf USB-Sticks oder andere externe Datenträger zugreift, handelt schlicht fahrlässig.

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Blinken, Schulterblick, Gas

Freitag, 03. April 2009

Hat Ihnen neulich mal wieder ein afrikanischer Potentat ein paar Millionen Schwarzgeld angeboten, hat Sie der bislang unbekannte Erbonkel mit Öl und Diamanten bedacht? Vielleicht möchte Sie auch eine nette junge Dame heiraten, um Ihnen ihr Vermögen zu übergeben? Sie bekommen billiges Viagra, eine mühelose Vergrößerung Ihrer primären Sexualmerkmale (Achtung: geschlechtsspezifische Eignung beachten!) oder Sie können kostenlos die tollste Software herunterladen?

Sie können sicher sein, liebe Leser, irgendeiner glaubt diesen Mist und geht auf diese Angebote freudestrahlend ein. Mittlerweile wundert mich das nicht mehr so wirklich, denn eigentlich findet sich diese Leichtgläubigkeit überall. Natürlich ist es nicht immer so offensichtlich, manchmal muss man etwas mehr darüber nachdenken, vor allem, wenn betrügerische Absichten dahinterstehen, wie die, über die wir in der letzten Zeit mehrfach berichtet haben.

Allerdings machen wir es den Betrügern auch wirklich sehr leicht, denn, so im Großen und Ganzen betrachtet, glauben wir eigentlich fast alles – vor allem dann, wenn es durch die Medien geht. Da wird vernebelt und Unsinn erzählt, doch kaum einer macht sich die Mühe, einmal zu hinterfragen, was ihm denn da so berichtet wird. Während man in der Fahrschule (und die haben ja die meisten von uns erfolgreich absolviert) beigebracht bekommt, sich immer doppelt abzusichern (erst Blinken, dann noch ein Schulterblick, dann erst losfahren), verliert sich diese Sichtweise in anderen Lebensbereichen zugunsten einer medialen Fast-Food-Haltung. Haben Sie gehört, dass sich jemand gewundert hat, dass im (unzweifelhaft tragischen) Fall der erwachsenen jungen Männer, denen nichts besseres eingefallen ist, als sich im Ausland gegen ausdrücklichen Rat und jeden Verstand mit, wie inzwischen bekannt ist, Methylalkohol aus dubiosen Quellen bis zum Tode abzufüllen, immer nur von Schülern gesprochen wurde? In einer Tonlage, die vermuten ließe, man habe ahnungslose 10jährige gegen ihren Willen mit umgeschnalltem Bierfässchen in hilflose Bier-Bernhardiner verwandelt? Was zunächst einmal nichts damit zu tun hat, dass es falsch und verbrecherisch es ist, Methylalkohol als Wodka zu verkaufen. Aber „arme Schüler im Ausland“ verkaufen sich vermutlich auch gut.

Ein noch schöneres Beispiel für die grassierende Leichtgläubigkeit – auch unter Journalisten – habe ich bei Stefan Niggemeier gefunden. Unter dem Titel „A Street View Named Desire“ beschreibt er den Werdegang einer Meldung, die in sich schon etwas unglaubwürdig ist, und durch ihre Weitergabe immer noch übler zugerichtet wurde.

Was ist passiert? Zunächst brachte die „Sun“ einen Bericht, nach dem sich eine Frau von Ihrem Mann getrennt habe, weil sie sein Auto via „Google Street View“ vor dem Haus seiner Geliebten gesehen habe. Eine typische Boulevard-Notiz, die ihren Weg durch all die üblichen Blog und Nachrichtenseiten nahm. Na und, werden Sie sagen, das ist halt Klatsch und Tratsch. Richtig, aber jetzt wird die Sache spannend, denn kurz nachdem die Meldung in der „Sun“ war, meldet sich ein Blogger, der seinerseits behauptete, die Meldung erfunden zu haben und die „Sun“ mit gefälschten E-Mails hereingelegt zu haben. Auch diese Nachricht rauschte durch den Medienwald und wurde gern gebracht – zeigte sie doch, wie furchtbar viel besser Blogs gegenüber den so leicht hereinzulegenden Printmedien sind.

Aha, nun ist alles klar, nicht wahr? Der Blogger schreibt ein paar Mails mit einer hübschen Geschichte, die Zeitung bringt es, der Blogger zeigt öffentlich die schlechte Recherche der Zeitung auf. Nö, eben nicht.

Denn jetzt kommt der eigentliche Witz der Geschichte: Die „Sun“ hatte ihrerseits die Geschichte aus der „Times“ und sie ist einigermaßen belegbar. Die Erfindung dabei war die Behauptung des Bloggers, die Geschichte erfunden zu haben.

Interessant dabei: Es hat sich anscheinend niemand die Mühe gemacht, einmal kurz innezuhalten und ein paar ganz normale Fragen zu stellen, etwa „Wie glaubwürdig ist die unbewiesene Behauptung eines Unbekannten mit dem Alias „Idiot Forever”? Ist die Geschichte schon vorher erschienen? Aber es klang einfach toll, das musste dann auch stimmen. Ich wette, einige dieser Kollegen haben auch schon Geld nach Nigeria überwiesen, um ihre Millionenerbschaft zu erhalten.

Ganz und gar seltsam sind dann entschuldigende Aussagen wie diese hier: „Nachprüfen lässt sich für uns weder die eine, noch die andere Version.“

Da möchte ich Stefan Niggemeier zitieren: „Diese armen Journalisten sind gezwungen, Nachrichten zu veröffentlichen, von denen sie überhaupt nicht wissen, ob sie stimmen. Denn was sollen sie tun? Recherchieren?“

Wem das noch nicht peinlich genug ist, der mag sich jetzt noch einmal die ursprüngliche Geschichte zur Hand nehmen: Eine Frau reicht also die Scheidung ein, weil sie auf „Google Street View“ das Auto ihres Mannes vor dem Haus seiner Geliebten gesehen hat. So berichtet vom Anwalt der betroffenen Frau in einem Artikel, in dem er sich über verschiedene Aspekte von „Google Street View“ auslässt.

Nun ist es richtig, dass man in „Google Street View“ Straßen, Häuser, Autos und sogar Personen sehen kann. Aber es ist kein Echtzeit-System. Und es hat auch keine Leuchtmarkierungen für Ehebrecher. Wieso hat eigentlich niemand bei dieser Geschichte die Frage gestellt, woher die Frau wusste, wo Sie auf Google Earth suchen musste? Die Chance, bei einem zufälligen Besuch in irgendeiner Gegend zufällig des Gatten PKW zu sehen, aufgenommen just zum Zeitpunkt, als er auf Geschäftsreise gewesen sein soll, scheint mir doch ein wenig dünn. Mit etwas bösem Willen könnte man sogar auf die Idee kommen, dass es einfach ein schönes, griffiges Beispiel eher narrativen Charakters ist, das dem Anwalt gefiel, weil es die Möglichkeit gab, zu zeigen, dass man a) auch in Scheidungen macht und b) dabei auch ganz ganz modern arbeitet.

Wie auch immer, ob in der Zeitung, dem Fernsehen oder im Internet sollten Sie immer auf das mentale Äquivalent zu „Blinken, Schulterblick, Gas“ zurückgreifen.

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