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Artikel mit ‘Call-Center’ getagged

Deutsche Telekom trickst bei Aufklärung der neuen Datenaffäre

Freitag, 23. Oktober 2009

Die Deutsche Telekom trickst offenbar bei der Aufklärung der jüngsten Datenaffäre. Anders als behauptet, hat die Sicherheitsabteilung des Bonner Konzerns seit geraumer Zeit deutliche Hinweise darauf, dass Telekom-Datensätze in dunkle Kanäle gelangt sind. Das berichtet das Hamburger Magazin Stern in seiner aktuellen Ausgabe.

Zu den jüngst bekannt gewordenen Datenschiebereien bei Callcentern hatte die Telekom bislang angegeben: Ob und in welchem Umfang tatsächlich Telekom-Daten für unseriöse Zwecke verwendet worden seien, stehe noch nicht fest. In Wahrheit hatte die Kriminalpolizei bereits Ende April 2008 rund 100.000 bei Scheinkäufen erworbene Datensätze zur Prüfung an die Telekom weitergeleitet. Die interne Auswertung ergab nach Stern-Information, dass davon ein Großteil aus den Kundendatenbeständen des Bonner Konzerns stammte. Allein bei 52.000 Datensätzen handele es sich um “Datenbestände aus dem Bereich T-Online”, heißt es in dem internen Telekom-Papier.

Wie der Stern vergangene Woche berichtete, hatte die Kripo Ende Juli auf eine Anzeige der Telekom hin 28 Büros und Wohnungen mutmaßlicher Datenhändler durchsucht. Dabei waren Millionen Datensätze beschlagnahmt worden, viele davon mit Vertragsangaben und Bankverbindungen der Kunden.

Auch auf Warnungen reagierte der Konzern nach Stern-Informationen zögerlicher als er es heute darstellt. So fiel ein Callcenter-Betreiber Anfang 2009 Telekom-intern dadurch auf, dass von der Firma aus in den Monaten zuvor rund vier Millionen Mal auf die Kundendatenbank der Telekom zugegriffen worden war. Trotz des Verdachts auf unzulässige “Vorratsdatenbeschaffung”, so ein internes Papier, lief die Vertriebskooperation zunächst weiter. Sie wurde erst Ende August vollständig beendet. Dies sei in Absprache mit der Staatsanwaltschaft so geschehen, gibt die Telekom heute dazu an. Laut Ermittlungsakte lag die Sache anders: Die Kripo hakte mehrfach bei der Telekom nach, bis die Konzernsicherheit Anfang Juni endlich Angaben zu dem Vertrag mit der umstrittenen Firma machte. Gelöst wurde der Vertrag auch offenbar nicht wegen Datenklaus: Es habe zu viele Kundenbeschwerden gegeben, gab ein Telekom-Sicherheitsmann zu Protokoll.

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Von Koberern und Kartenlesern

Mittwoch, 01. Juli 2009

Die Telekom wird ja nicht müde, ihre neuen DSL16plus- und VDSL-Produkte namens „Entertain“ von Call-Centern vermarkten zu lassen. Auch mich hat der Anruf eines solchen Koberers erreicht, der mir mitteilte, dass bei mir „Entertain“ möglich sei – man würde schließlich nur die Kunden anrufen, die im Schaltungsgebiet liegen.

Nach einiger Überlegung – ich bin schon länger Kunde bei der Telekom und weiß, was da so passieren kann – entschloss ich mich zum Kauf und war doch etwas erstaunt, als man mir mitteilte, dass bei mir ein Anschluss nicht möglich sei.

Ich verglich aus Interesse meinen Wohnort mit der Karte der Telekom, auf der man, so die Telekom, Verfügbarkeit und Ausbaustatus sehen kann. Auf dieser Karte sind Gegenden, wo es DSL16plus gibt, in einem leichten Rosa (oh, müsste ich jetzt Magenta sagen?) gekennzeichnet, Bereiche mit VDSL sind in dunklerem Rosa dargestellt.

Aber was bedeuten diese Farbflächen, in deren Mitte ich laut Karte wohne, eigentlich? Die Webseite der Telekom teilt uns mit, dass wir in der Karte den Ausbaustatus an unserem Wohnort prüfen können. Aha. Ausbaustatus. Als Normalbürger würde ich jetzt vermuten, dass ein Ausbaustatus anzeigt, wie weit man etwas bereits ausgebaut oder fertig gestellt hat. Aber ist das auch das Verständnis der Telekom?

Nun ist die Telekom vermutlich dass einzige Unternehmen, das es schafft, schon den Titel einer Seite mit Fußnoten zu versehen. Da gibt es dann gleich nach ein bisschen Auf- und Abrollen auf der Seite eine tolle Erklärung des Verfügbarkeitsstatus:

„DSL ist in vielen und VDSL ist in einigen Anschlussbereichen verfügbar“. Ja nee, is klar. Und nachts ist kälter als draußen. Für diesen Blödsinn setzten die tatsächlich eine Fußnote in die Überschrift?

Auch die Fußnote 26 hilft nicht weiter, wenn wir herausfinden möchten, was uns die Telekom auf der tollen Karte eigentlich tatsächlich zeigt:

„Aus technischen Gründen zeigt die Karte lediglich den Ausbaustand, nicht die tatsächliche Verfügbarkeit. Sie dient der Veranschaulichung und ist nicht verbindlich.“

Aha, der Ausbaustand hat mit der Verfügbarkeit nicht zu tun. Warum steht dann über der Seite mit dem Ausbaustand Verfügbarkeit steht, weiß nur die Telekom. Und immerhin sagen sie uns auch:

„Prüfen Sie gleich in der Karte den Ausbaustatus an Ihrem Wohnort. Die Karte wird aktualisiert, sobald der Ausbau in weiteren Gebieten abgeschlossen wurde.“

Also, hier wird auf einer Karte tagesaktuell dargestellt, wenn etwas ausgebaut wird. Aber eigentlich hat das nichts zu sagen, denn es dient nur der Veranschaulichung. Und da, wo tagesaktuell ausgebaut wurde, weiß man nicht, ob man es auch bekommt. Wenn das Ganze aber doch sowieso nur so etwas wie eine illustrative Skizze ist, auf der im Prinzip auch ganz Alaska rosa getüncht sein könnte, warum dann die Mühe mit der angeblichen tagesaktuellen Aktualisierung?

Aber wer sollte das besser wissen als die Macher der Karte selbst, die tagesaktuell das Rosa nachmalenden Könige des Ausbaustatus, die Prinzen der Verfügbarkeit: die Telekom.

Also fragte ich kurzerhand die Leute, die es wissen müssen. Unter anderem stellte ich in meiner Mail die folgenden Fragen: Was bedeutet der hier dargestellte Status? Sind diese Gebiete bereits mit DSL 16+/VDSL versorgt oder werden sie definitiv in Zukunft versorgt? Falls eine zukünftige Versorgung geplant ist, welcher Zeitraum ist in Planung?

Es sollte ja ein leichtes für die Fachleute der Telekom sein, rasch einmal nachzuschlagen, was ihre Karten eigentlich darstellen. Bestimmt gibt es ein internes Handbuch, wo man unter „Ausbaustatus“, Verweis „Kunden und Verkaspern“ nachlesen kann, was der ganze Spöks eigentlich darstellen soll.

Und – ich wollte es kaum glauben – kaum zwei Stunden später hatte ich schon die Antwortmail in Händen. „Sehr geehrter Herr Kieslich“, teilte mir da die Telekom mit, „vielen Dank für Ihre E-Mail.“ Ich wusste es ja, soviel Interesse wird die Telekom beeindrucken. „Zur eindeutigen Identifizierung und genauen Recherche senden Sie uns bitte noch folgende Angaben…“

Moment, um mir zu erklären, was die lustigen rosa Karten tatsächlich darstellen, benötigen die Telekomiker meinen Namen (der fröhlich über meiner Anfrage steht – immerhin haben sie mir ja sogar mit Anrede geantwortet), meine Adresse (die unter meinem Namen steht), dann noch meine Telefonnummer (raten Sie, wo die zu finden ist)? Und damit sie wirklich sicher sein können, dass sie ihre wertvolle Karteninfo nicht einem Spion einer feindlichen Großmacht anvertrauen, brauchen die Telekasper auch noch mein Geburtsdatum, mein Buchungskonto und meine Kundennummer. Und da hab ich noch Glück gehabt – hätte ich nach dem Rezept für den hochgeheimen Magenta-Farbton gefragt, hätte ich vermutlich noch ein Zahnschema und die Größe meiner Unterhose mit abgeben müssen. Apropos: Warum hat die Telekom eigentlich elektronische Kundenkonten, bei denen all diese Daten sowieso vorliegen und übertragen werden?

Also, seid mir nicht böse, liebe Telewichtel, aber das nennt man Verzögerungstaktik – und ziemlich plump ist es auch noch.

Einen Tag später erhielt ich dann doch noch eine Antwort von der Entertain-Spezialkombo der Telekom: „Bitte geben Sie uns etwas Zeit, um Ihre Anfrage zu bearbeiten. Sie erhalten so schnell wie möglich eine Antwort. Bis dahin bitten wir Sie um etwas Geduld.“

Das war vor 13 Tagen – offenbar wollten noch nicht allzu viel Menschen wissen, was das Rosa auf den Karten eigentlich darstellt. Oder vielleicht wissen es auch nicht allzu viele Menschen bei der Telekom.

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