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Artikel mit ‘Befindlichkeit’ getagged

Wenn ein Manager mehr verdient als 500 Krankenschwestern …

Donnerstag, 08. Januar 2009

Der britische Philosoph und Schriftsteller Anthony Clifford Grayling fordert in einem Interview mit dem Anlegermagazin ‘Börse Online’ die Finanzbranche auf, sich stärker auf ihre gesellschaftliche Verantwortung zu besinnen.

Besonders gefallen hat mir dabei seine Aussage zu den hohen Gehältern und Boni in der Finanzwelt:

“Wenn ein Manager mehr verdient als 500 Krankenschwestern, ist das völlig inakzeptabel. So viel kann ein Einzelner gar nicht für die Gesellschaft leisten.”

Er folgert, dass eine Gesellschaft, in der es solche großen Unterschiede gebe, grundsätzlich keine gute Gesellschaft sei und in schlechten Zeiten dadurch die politische und soziale Stabilität gefährdet sei.

Die Geldinstitute hätten sich weit von ihrer ursprünglichen gesellschaftlichen Bedeutung entfernt, urteilt Grayling, der selbst aus einer Banker-Familie kommt. Von jeher seien Banken Garanten für Verlässlichkeit gewesen, die das bei ihnen angelegte Geld gehütet hätten.

“Heute sind Banken Coffee-Shops, und wir vertrauen darauf, dass der Staat unser Geld sichert.”

Nachdem Regierungen weltweit Gelder von Steuerzahlern in das Bankensystem gepumpt haben, seien die Institute jetzt moralisch verpflichtet, damit Kredite zu vergeben.

Der Philosoph und Schriftsteller A.C. Grayling gehört zu den führenden Intellektuellen Großbritanniens. Er ist Professor für Philosophie am Birbeck College, das zur University of London gehört.

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Sprache darf nicht verwirren oder ausgrenzen

Freitag, 12. Dezember 2008

Immer wieder bietet sie Grund zur teilweise recht hitzig geführten Diskussion – die tatsächliche oder wahrgenommene Durchsetzung unserer Sprache mit so genanntem Denglisch. Dabei fallen nicht nur unnötig verwendete englische Begriffe auf, sondern vor allem auch die falsche oder sinnentstellende Nutzung solcher aus modischen Gründen genutzten Vokabeln. Ein typisches Beispiel bot eine große Parfümeriekette, die lange Zeit mit „Come in and find out“ warb, ohne die eher komische Wirkung der deutschen Übersetzung zu berücksichtigen. Auch die modischen Leichensäcke (Bodybag) im Handel sind immer wieder beeindruckend. 

Oft sind sich die Anwender in ihrem Wunsch nach Internationalität dabei gar nicht klar darüber, dass sie in erster Linie dokumentieren, dass sie wohl die eine oder andere Stunde im Englischunterricht versäumt haben – anders sind eklatante Pannen wie etwa die „We love the new“-Aktion der Landesregierung NRW nicht so recht erklärbar. Mit Anzeigen in internationalen Medien, einer mehrsprachigen Internetseite, einer Broschüre und einem Imagefilm präsentiert da Nordrhein-Westfalen eine internationale Standortkampagne. Unter dem Motto „We love the new“ holzhackert sich das Plakatmotiv dabei durch das Sprachgefühl des Lesers. Das eigentlich gemeinte „Wir lieben das neue xxx“ wird erst klar, wenn im Film „We love the new …“ um eine Innovation ergänzt wird. Manchmal entscheidet halt schon ein Auslassungszeichen über Sinn und Unsinn.

Peinlich wird die Geschichte dann, wenn durch den Gebrauch vermeintlich moderner Ausdrucksweisen die eigene Unkenntnis dokumentiert wird, wie es etwa beim heute gern genutzten Deppenapostroph (Angela’s Frittenbude) der Fall ist, das nicht nur zur Genitiv-Verschandelung eingesetzt wird, sondern auch zu lustigen Pluralbildungen genutzt wird, etwa in PKW’s oder AGB’s (wobei AGB’s ein Sonderfall ist, da es natürlich weder AGB’s noch AGBs geben kann).

Sie sehen, die Themenbreite ist hier nahezu unerschöpflich. In der Diskussion um die Rolle und Bedeutung der deutschen Sprache hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) gefordert, die Verständlichkeit der Sprache zum Thema zu machen. “Die Verständlichkeit von Gebrauchsanweisungen, von Hinweisen an Flughäfen oder Bahnhöfen oder Antragsformularen in Behörden ist ein Thema für die Verbraucherpolitik”, meint Vorstand Gerd Billen. Sprache müsse lebendig sein, vor allem aber verständlich. Niemand dürfe durch Sprache oder deren Unverständlichkeit ausgegrenzt werden.

Als Negativbeispiel nannte Billen die zunehmende Durchsetzung der Werbung mit englischen oder “denglischen” Werbesprüchen - obwohl viele Konsumenten diese überhaupt nicht verstehen. Missverständnisse und Unverständlichkeit der Werbung, von Produktinformationen oder Gebrauchsanweisungen seien die Folge. Billen: “Eine sprachliche Ausgrenzung von Verbrauchern ist mit dem Anspruch eines informierten und verantwortlich handelnden Konsumbürgers nicht vereinbar.” Die Verständlichkeit der Sprache sei Grundvoraussetzung für eigenverantwortliche Konsumentscheidungen. Unverständliche Warnhinweise oder Rechtsvorschriften könnten gar gefährlich sein.

“Gerade Politiker, Medienvertreter und die Werbebranche sollten mit gutem Beispiel vorangehen”, meint Billen. Zum einen, um ihre Kunden nicht zu verlieren, zum anderen um Bürger und Verbraucher nicht auszugrenzen. Vor allem die Bundesregierung soll die von ihr veröffentlichten Texte in verständlicher Sprache abfassen und als Vorbild wirken. “Floskelhaftes Kauderwelsch, Sprechblasen, Fachchinesisch und Denglisch müssen vom Rednerpult des Bundestages verbannt werden”, meint Billen. Es müsse untersucht werden, in welchen Lebensbereichen bereits heute eine “sprachliche Ausgrenzung” stattfindet. Auch sei es notwendig, etwa Gebrauchsanleitungen oder Verpackungshinweise bei Lebensmitteln, die nach bestehender Rechtslage verständlich und in deutscher Sprache verfasst sein müssen, auf ihre Tauglichkeit hin zu untersuchen.

Demgegenüber zitiert der Tagesspiegel Volker Nickel vom Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft mit den Worten „Wer definiert, was Deutsch genau ist?“ und der Aussage, dass fast 25 Prozent der deutschen Wörter einen ausländischen Ursprung hätten. Auch seien, so der Tagesspiegel weiter, viele Texte – gerade in der Politik – auch ohne Fremdwörter unverständlich. In der Werbung würden zudem nur etwa sechs Prozent englische Worte verwendet.

Wahrscheinlich ist es wie so oft – das, was stört, wird als viel größer und umfangreicher wahrgenommen, als es tatsächlich ist. Dennoch würde es in vielen Bereichen den Machern gut zu Gesicht stehen, etwas genauer zu überlegen, ob diese oder jene Konstruktion denn tatsächlich so gewollt ist.

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Lizenz zum Meckern

Dienstag, 09. Dezember 2008

Nein, mit dem Titel dieses Beitrags habe ich nicht mich gemeint. Es geht vielmehr um eine Webseite, die unter dem wenig angenehmen, aber dafür deutlichen Namen www.KackDichAus.de Anlaufstelle sein möchte für alle, die ihren Frust nicht mehr bei sich behalten können und sich Luft machen möchten.

Immer wieder hat man Ärger zu schlucken: Behördenwillkür, schlechter Service, mangelhafte Dienstleistungen, Politik, Justiz, Ungerechtigkeit im Sport, Verkehrschaos - alles Mögliche kann einen auf die Palme bringen. Auf der Internetplattform kann man sich nun in seiner Hilflosigkeit artikulieren und über selbst verfasste Video-Beiträge, Text- oder Audiobeiträge Rückhalt bei anderen Betroffenen suchen. Ob das etwas nutzt? Wahrscheinlich eher nicht – aber es hilft ja oft auch schon, seinen Ärger einmal loszuwerden und festzustellen, dass man nicht allein dasteht.

So sehen das wohl auch die Betreiber, die ihre Plattform als Mischung aus zeitgemäßer Verbraucherinformation und medialer Frustbefreiung für Mitgeschlepptes und Aufgestautes beschreiben, auf der sich Bürger, die ernsthafte Anliegen loswerden müssen, ebenso treffen wie Spaßvögel, die komödiantisch ein Ärgernis zum Besten geben oder Verbraucher, die sachlich fundiert die Kehrseite eines Produktes aufzeigen. (tok)

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Die Jammer-Mentalität

Montag, 17. November 2008

Eigentlich bin ein begeisterter Leser von Webseiten, auf denen man Kommentare hinterlassen kann. Das ist in vielen Fällen sehr hilfreich, speziell dann, wenn es um Meldungen zu neuen Produkten geht.

In der letzten Zeit stößt mir das Lesen solcher Beiträge jedoch immer häufiger auf. Der Grund ist dabei weniger die teilweise merkwürdige Auslegung der Rechtschreibregeln durch einige Zeitgenossen – daran habe ich mich mittlerweile gewöhnt und wundere mich nur noch, warum wohl Menschen über Profisoftware im mehrere-hundert-Euro-Bereich diskutieren oder ihren Senf zu neuesten Hardwareprodukten geben, die sie sich, gemessen am Eindruck, den sie hinterlassen, vermutlich nie werden leisten können. Vermutlich alles Lotto-Gewinner…

Nein, was mich in den letzten Monaten nervt, ist die anscheinend im Netz weit verbreitete Jammer-Mentalität, die sich, zusammen mit einem heftigen Anspruchsdenken, in solchen Foren manifestiert.

Da wird beispielsweise berichtet, eine Softwarefirma habe eine Testversion eines Produktes bereitgestellt. Will man alle aktuellen Programme 30 Tage lang kostenlos nutzen, muss man allerdings für immerhin 10 Euro eine DVD anfordern.

Nun raten Sie, was als Kommentar erscheint. Es wird natürlich als erstes festgestellt, dass es doch eine Frechheit ist, dass nicht die gesamte DVD zum Download bereitsteht. Kein Gedanke, dass man schlicht zur Kenntnis nimmt, dass das Unternehmen mit seiner Software anstellen kann, was es möchte und eine DVD zu versenden im Hinblick auf die Bandbreite durchaus sinnvoller sein kann.

Oder es wird gemeldet, ein Hersteller habe ein altes Gerätemodell wie geplant und üblich aus dem Handel genommen. Was für eine Unverschämtheit – das Unternehmen folgt einfach seiner Produktplanung. Und dann bietet es wieder nicht genau das Gerät an, das ich haben möchte – warum fragen die mich nicht endlich, bevor sie etwas entwickeln? Und überhaupt – das ist doch alles viel zu teuer. Und mit der Einstellung wird es das Unternehmen nicht mehr lange machen – das sage ich schon seit Jahren.

Die Diskussion ist munter und nimmt Fahrt auf, nur dass es nicht um den Inhalt der Meldung geht, sonder um jede Form persönlicher Frustration.

Eine kostenlose Software wird veröffentlicht, eine nette Sache, nicht wahr? Aber warum ist kein Handbuch dabei? Und warum kann ich die Oberfläche nicht auch grün darstellen? Und warum kommt der Entwickler nicht zu mir und küsst mir die Füße?

Eine Firma versieht Ihre teure Software, mit der sie ihr Geld verdient und die Mitarbeiter bezahlt, mit einem Kopierschutz, nachdem das Programm weltweit jahrelang gestohlen wurde. Eine bodenlose Frechheit – ich darf das Programm nicht mehr illegal an alle Freunde und Verwandte weiterverschenken? Wie, ich soll für etwas, das ich benutze, auch noch bezahlen? Ich arbeite doch auch umsonst in meiner Firma.

In einem Artikel wird ein Produkt genannt und ein Herstellername. So eine Schweinerei, da ist kein Link dabei. Nun soll ich doch tatsächlich selbst nach etwas googeln, das mich interessiert? Womöglich eigenhändig den Produktnamen in das Suchfeld kopieren? Wie unerhört – und das auch noch, wo ich für die journalistische Leistung nichts bezahle.

Wenn Sie glauben, dass das ein Einzelfall ist, schauen Sie sich einmal im Web um. Da werden lustig bar jeder Sachkenntnis Vorurteile kolportiert, Behauptungen aufgestellt und weit am Thema vorbei Befindlichkeiten verkündet.

Nun ist es mit dem Internet ja so, dass jeder, der möchte, seine Meinung verkünden darf und das ist auch gut so. Aber steht eigentlich auch irgendwo, dass es sich dabei nur um Jammern und Meckern handeln muss?

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