Es ist mal wieder Karnevalszeit und damit ein guter Grund, über Pappnasen zu schreiben, die in der heutigen Zeit gern auch mal aus ganz anderen Materialien sein dürfen.
Zu diesem Behufe haben wir schon vor einigen Tagen ein hübsches kleines Puppentheater aufgebaut, komplett, mit allem, was man da so braucht – da haben wir den gemeinen Gauner, eine üble Figur, die aber zum Glück immer nur vom Bühnenrand aus agiert, wir haben den Polizisten, der heute auch mal als Verbraucherschützer und Anwalt daherkommt, jede Menge Requisiten, wie etwa PC und Webseiten und natürlich unsere Hauptfigur, die in keiner solchen Aufführung fehlen darf – den August.
Fassen wir die Handlung kurz zusammen: Der Gauner versucht seit Jahren, von August und seinen Freunden Geld zu kassieren, indem er Webseiten anbietet, deren Nutzung etwas kostet. Das sagt der Gauner aber nicht, sondern schreibt das nur ganz versteckt. Dann, wenn August darauf hereingefallen ist, werden ihm eine Rechnung und viele, viele Mahnungen geschickt. Denn der Gauner tut so, als wäre er im Recht und möchte August ins Bockshorn jagen. Manchmal klappt das auch und davon lebt er ganz prima und kann sich jede Menge blondierte Puppen und Sportwagen leisten.
Der Polizist erklärt August schon mindestens ebenso lang, wie man die bösen Webseiten vom Gauner erkennt und gibt ihm Tipps, wie er sich verhalten soll, wenn es ihm doch passiert ist. Das hat der Polizist sogar aufgeschrieben und überall bekanntgemacht.
Doch August gibt brav und ohne Arg wo er geht und steht seine Adresse an, verrät seine E-Mail und gibt jedem, der fragt, seine Kontonummer.
Aus dem Publikum werden erste Zwischenrufe laut: “Man begibt sich auch nicht in den Straßenverkehr, ohne die nötigsten Schilder zu kennen. Wenn ich meinen Wagen ordnungsgemäß parke, und bei meiner Rückkehr steht da ein Typ im Jogginganzug und sagt: “Ey, da is Parkverbot - gib mir mal 50 Euro!”, dann lache ich den aus, oder rufe die Polizei.“
Macht aber nichts, denn immer wieder fallen August oder einer seiner Freunde auf den Gauner herein – obwohl er eigentlich ganz leicht zu durchschauen ist und seine Webseiten immer gleich funktionieren – und bezahlen dann. Nicht umsonst heißt diese Figur ja auch dummer August denn Bezahlen ist natürlich das Dümmste, was August in einem solchen Fall tun kann. August schadet damit nämlich nicht nur sich, sondern zeigt dem Gauner auch, dass seine Masche klappt.
Wenn der August aber reingefallen ist, dann macht er etwas wirklich Ungewöhnliches. Er sagt nämlich nicht „Oh, ich war wohl zu unaufmerksam – mein Fehler.“. Nein, der August regt sich auf, am liebsten öffentlich. Das macht er übrigens auch, wenn er noch gar nicht reingefallen ist. Dann kommt der August nämlich auf eine spannende Methode, um von sich abzulenken: Er schaut den Polizisten böse an und fragt, wann er denn gedenke, ihn endlich zu beschützen und etwas gegen den Gauner zu unternehmen? „Wann tut der Rechtsstaat endlich etwas?“, so nennt das der August.
Der Polizist zeigt dem August dann gern die lange Liste mit den vielen Regeln, die er schon längst aufgeschrieben hat – diese Dinger, die er Gesetze genannt hat. Aber August lässt nicht locker – er ruft nach Exempeln, die statuiert werden sollen, möchte dem Gauner die Holznase absägen, den Haltefaden durchtrennen oder ihn doch mindestens für die Ewigkeit in einen Lagerraum sperren. Und das alles nur, weil er selbst nicht genau hingeschaut hat ….
Hier ist das Stück dann meist beendet und aus dem Bühnenhimmel ertönt eine Stimme, die da sagt: „Ein Rechtsstaat ist ein Staat, in dem die Staatsgewalten an eine in ihren Grundzügen unabänderliche und im Ganzen auf Dauer angelegte objektive Wert- und Rechtsordnung gebunden ist. Die Gesetzesbindung der Verwaltung wird durch unabhängige Gerichte gesichert.
Im Gegensatz zum absolutistischen Staat wird die Macht des Staates umfassend durch Gesetze determiniert, um die Bürger vor Willkür zu schützen.“ *
„Wer diese Geschichte nicht glaubt oder mehr wissen möchte“, so die Stimme weiter, „der liest bitte hier nach.“
Und August? Obwohl wir das Gegenteil hoffen, wird er wohl so weitermachen, wie bisher …
* Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsstaat