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Keine Germanisierung von Werbung

29. Januar 2009

Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) hat die Kritik einiger Politiker und Verbraucherschützer an der Verwendung englischer Wörter und Sätze in der Werbung von Unternehmen als verspätet, nicht stichhaltig und historisch unglücklich eingestuft. Auf einer Veranstaltung im Literaturhaus in Berlin führte ZAW-Sprecher Volker Nickel Beispiele auf, nach denen die am häufigsten in der Öffentlichkeit mahnend hochgehaltenen Werbesprüche in englischer Sprache bereits vor Jahren durch deutsche abgelöst worden seien.

So habe die Parfümerie-Kette Douglas ihren häufig missverstandenen und deshalb viel zitierten Slogan “Come in and find out” ersetzt durch “Douglas macht das Leben schöner”. Auch der Textilhändler C&A habe sein altes Werbemotto “Fashion for Living” geändert in “Preise gut, alles gut”. Ebenso vom Markt genommen habe der Fernsehsender Sat.1 seinen früheren Werbespruch “Powered by emotion” und wirbt seit Längerem mit “Sat.1 zeigt’s allen”.

Abgeändert hätte gleichfalls vor Jahren der System-Gastronom McDonald’s seinen Werbetext aus der Blütezeit der Globalisierung “Every time a good time”. Seitdem werbe das Unternehmen mit der Aussage “Ich liebe es”. Diese von einer deutschen Agentur entwickelte Werbung setze die Firma weltweit in den jeweiligen Landessprachen ein.

Solche sprachlichen Korrekturen an der Werbung entsprächen der betriebswirtschaftlichen Logik der Wirtschaft.

“Wenn eine Werbeaussagen in Englischen keine Identifikation mit der Marke schafft, keine Sympathie und kein Interesse am Angebot entfaltet, weil die umworbene Kundengruppe den Text nicht oder falsch versteht, hat der Werbetext keinen Bestand und wird in der Regel vom Markt genommen”, sagte Nickel.

Der Forderung aus der Partei Die Linke, die Bundesregierung solle Richtlinien für einen verständlichen Sprachgebrauch in der Öffentlichkeit entwickeln, wies Nickel entschieden zurück. Es sei der deutschen Sprache nie gut bekommen, wenn sie in allzu großer Nähe zur Politik gerückt wurde. Eine “Germanisierung” berge die Gefahr der Abgrenzung vom Fremdländischen und führe allenfalls zur Ausgrenzung von Bürgern mit Migrationshintergrund.

Deutsch sei kulturgeschichtlich durchlässig gegenüber anderen Sprachen und habe sich dadurch stark weiterentwickeln können. Deutlich werde das an den rund 1000 Seiten des Duden-Fremdwörterbuchs mit 55.000 fremden Wörtern. Die Duden-Wissenschaftler schätzten, so der ZAW, dass auf das gesamte deutsche Vokabular von etwa 400.000 Wörtern rund 100.000 fremde kommen. Der mit rund 2.800 Begriffen aufgestellte Grundwörterschatz enthalte lediglich 6 Prozent fremde Wörter, davon ein geringerer englischen Ursprungs.

Kritisch setzte sich Nickel mit der Sprache des Gesetzgebers auseinander. Demokratie könne nur dann funktionieren, wenn die Gesetze auch verständlich abgefasst sind. Eine Studie der Universität Hamburg hätte in diesem Bereich erhebliche Sprachmängel festgestellt: Von den in der ersten Hälfte der laufenden Legislaturperiode des Deutschen Bundestags 2005 bis 2007 verabschiedeten 689 Gesetze mussten die Wissenschaftler 50 Prozent als unverständlich einstufen. “Dagegen verblasst jede Denglisch-Debatte”, so Volker Nickel.

Kritik an ‘Denglisch’ sei nicht neu, berichtete der ZAW-Sprecher. So habe das Magazin Der Spiegel bereits “im Orwell-Jahr” 1984 eine Titelgeschichte unter der Überschrift veröffentlicht „Rettet dem Deutsch“ und im Jahr 2006 erneut unter dem Aufmacher “Deutsch: Ächz, Würg - Eine Industrienation verlernt ihre Sprache”. Bereits 1979 hätte die Frankfurter Allgemeine Zeitung in einem Beitrag die Frage gestellt “Können Sie noch Deutsch?” und ihren Lesern das “Disko-Deutsch” präsentiert und eine entsprechende Version Normal-Deutsch beigefügt.

Die Analyse der ZAW unter dem Titel „Denglisch - Tatort Sprache“ kann hier als PDF heruntergeladen werden.

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7 Antworten zu “Keine Germanisierung von Werbung”

  1. Peter Hettesheimer sagt:

    Sehr geehrter Herr Kieslich, ich ( 72 ) lese immer mit großem Interese ihre Newsletter. Auch wieder english, aber daran hat man sich ja schon gewöhnt. Ich finde es hauptsächlich in der Werbung übertrieben immer wieder mit englischen Werbesprüchen konfrontiert zu werden. Vieles ist nicht auf die ” Alten ” gerichtet aber wir sind nun mal der größte Bevölkerungsanteil und danach sollten sich die Medien etwas mehr richten. Ich finde die neuen Newsletter für Senioren schon mal etwas sehr Positives. Weiterhin viel Erfolg. Peter Hettesheimer

  2. Kurt Potschka sagt:

    1) Nicht nur unsere Werbefritzen leiden häufig an einer unverständlichen Anglomanie. Etliche Politiker tun das auch - in Deutschland, in Österreich, sogar in der Schweiz.

    2) Mit anderen Worten: Alle, die irgendwie als eine Art “Vorbild” in unserer Gesellschaft wirken (sollten).

    3) Und da darf man sich dann auch nicht wundern, wenn ein Kabarettist meint: “Schön, dass man will, dass die Kinder Deutsch können sollen, wenn sie in die Schule kommen - aber genauso wichtig ist es, dass sie Deutsch können, wenn sie die Schule wieder verlassen.”

    4) Last not least (schon wieder English!):
    Factum est (diesmal Latein, um unsere humanistische Bildung zu zeigen) - es gibt in den Gebieten, in denen (noch) Deutsch als Muttersprache gesprochen wird, eine Reihe von Zeitgenossen, die jedesmal, wenn der amerikanische Präsident sich lautstark seiner Blähungen entledigt, sofort aufspringen und eine Klorolle holen.

  3. Harry Müller sagt:

    Sehr geehrter Herr Kieslich,
    es ist bedauerlich, daß jeder, der die für viele besonders ältere Bürger unverständliche Verwendung von englischen Worten und Sätzen in der Werbung kritisiert, sofort mit “historisch unglücklich” zurückgepfiffen wird. Mit diesem Totschlagargument wird im Moment sehr viele berechtigte Kritik in Politik und Gesellschaft abgewürgt.
    MfG
    Harry Müller

  4. Buck McQue sagt:

    Sehr geehrter Herr Kieslich,

    unsere Sprache ist eine dynamische Sprache. Wir sehen durch ein Fenster und nicht durch eine Windauge. Mein Mutter benötigt für das Kino ein Billet. Ich fahre ein Auto. Wenn ich von Ihnen keinen Newsletter mehr erhalte, was soll ich denn dann lesen? Eine elektronische Verteilernachricht? Entschuldigung, eine durch eine gerichtete Bewegung von Ladungsträgern übermittelte Verteilernachricht. Über dieses Elaborat ist mir doch mein Unter-Nasen-Ofen ausgegangen.

    Dank und Gruß
    Buck McQue

  5. günter herbert sagt:

    Jede lebende Sprache ist dynamisch.Sogar das AmiEnglisch und das kommt hervorragend ohne massive deutsche Unterstützung aus !
    Auch will niemand idiotische Verdeutschungen einführen.
    Wenn aber Politiker,Journalisten,Sportler,Künstler,….Intelligenz und Kreativität nicht mehr von blödem Angloimponiergetue unterscheiden können, dann kann man das nur als Seuche einer allgemeinen Anglovertrottelung bezeichnen!
    Grüße Günter Herbert !

  6. Günter Nehmann sagt:

    Bitte entfernen Sie Ihre Bemerkungen und meine Namensnennung bei YASNI die in der Suchmaschine eingegebenen Bermerkungen sind für mich irreführend. MfG Günter Nehmann Vors. CDU Hornburg

  7. kieslich sagt:

    Sehr geehrter Herr Nehmann, ich sehe nicht so ganz, welchen Bezug Sie zwischen Yasni und mir herstellen. Und wenn Sie mir jetzt noch erklären würden, wo Ihr Name von mir genannt wird, dann werde ich gern prüfen, ob es einen Grund gibt, ihn zu entfernen.

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