Immer wieder einmal stoße ich auf Nachrichten, bei denen ich nicht recht weiß, ob ich einfach nur irgendwie zwischen ungläubig und konsterniert staunen soll oder mich nicht sogar fragen sollte, warum ich diese Idee nicht gehabt habe. Im Moment geht mir das so bei einer recht endgültigen Internet-Idee, den persönlichen Botschaften aus dem Jenseits.
Der Internetdienst finalpopup.com wirbt damit, dass man dort persönliche Botschaften für „danach“ aufgeben kann – der Dienst soll faktisch als eine Art Sprachrohr aus dem Jenseits fungieren.
Die am Computer verfassten Mitteilungen werden mit verschiedenen Kommunikationsmedien den Empfängern zugestellt, wenn der Verfasser sein irdisches Dasein beendet hat.
Diese makaber-blödsinnige Idee soll, nach den Worten des Anbieters, durchaus sinnvoll sein – für wen genau, das wird sich noch zeigen müssen. Immerhin, so mag man kalauern dürfen, wird es wohl ein Unternehmen sein, bei dem sich kaum ein Kunde bei nicht oder schlecht erbrachter Leistung beschwert.
Und selbst wenn man einmal die Unwägbarkeiten der Unternehmenssituation und der Kommunikationskanäle mit der ganzen Palette von Insolvenz bis geänderte Rufnummern und E-Mail-Adressen außer Acht lässt, mag es für so manchen Angehörigen ein zweifelhaftes Vergnügen sein, wenn der Verstorbene, wie der Anbieter auflistet, seine Liebsten ein letztes Mal grüsst, jemandem zu einem wiederkehrenden Anlass gratuliert, sich etwas von der Seele redet oder beichtet, sich nochmals effektvoll in Erinnerung ruft und dergleichen mehr.
Momentan umfasst die Medienpalette von finalpopup.com SMS, E-Mails, Videobotschaften und einen Homepage-Generator, mit welchem auch Laien ihre eigene Homepage gestalten können sollen. Die Nutzer des Dienstes können sowohl ihre Beiträge wie Empfängeradressen zu jeder Zeit von überall auf der Welt ändern, ergänzen oder löschen.
Um zu gewährleisten, dass die Mitteilungen verlässlich erst nach dem Ableben des Verfassers versandt werden, wurde für finalpopup.com eine sichere Methode mit mehreren Optionen ausgetüftelt, betont der Anbieter, ohne näher ins Detail zu gehen. Auch sonst will der Dienst „äußerst hohe“ Sicherheitsstandards erfüllen, um die sensiblen Daten der Nutzer zu schützen:
„Botschaften und Daten werden bei fipup auf höchstem Sicherheitsniveau verschlüsselt übertragen, in gesicherter Serverumgebung verwaltet und gemäß den schweizerischen Datenschutzbestimmungen gehandhabt.“ Mehr als diese recht schwammige Aussage lässt sich der Webseite nicht entlocken.
Verdienen wird der Dienst mit seinen Kunden nicht schlecht – wird doch laut AGB bei der Registrierung des Nutzers eine „einmalige“ Registrierungsgebühr in Höhe von rund 30 Euro fällig. Warum die in ironisierende Anführungszeichen gesetzt wurde, mag der Kunde dann selbst und zu Lebzeiten herausfinden. Danach werden die gewählten Dienste jährlich in einer Art Abo ab 4,45 Euro für das Basispaket bezahlt. Damit leuchtet dann auch ein, warum der Anbieter darauf drängt, so früh wie möglich die letzten Worte bei ihm zu buchen.
Wenn ich ehrlich bin, wird mir irgendwie übel bei dieser Idee. Nun ja, wer so etwas braucht …


18. Februar 2009 um 09:04
Hiermit betrete ich für mich NEULAND! … falls also etwas nicht ganz ok ist, wenden Sie sich nicht an Ihren Arzt oder Apotheker…… sonder: an MICH!! Danke.
Mit angespannter Erwartung las ich diesen Artikel, nachdem ich mich kurz auf der Seite umgelesen habe, mir die witzige und gut gelungene Zeichnung aufgefallen ist.
….. bin begeistert!! Es ist erfrischend und anregend, Menschen zu begegnen, wie und wo auch immer…., die reden wie ihnen der Schnabel gewachsen ist!!
Ich kann mit der abschließenden Aussage nur anschließen!! …wer so etwas braucht??? … eine interessante Frage auf die es sicher unglaubliche, nicht vorstellbare und außergewöhnliche Antworten gibt.
Genug der Worte.
Wünsche weiterhin frohes Schaffen und mir als Anfängerin viele brauchbare Ideen die ich auch umsetzen kann. ;))
Frohen Gruss von Pfiffi-Kuss
18. Februar 2009 um 10:58
klasse! ,-) also so wie ich das sehe, ist dies die moderne Variante der berühmten letzten Worte, mit denen der/die zukünftig Verstorbene ihren “trauernden Hinterbliebenen abrechnet” (im Positiven wie im Negativen). Allerdings setzt die moderne Form voraus, daß die Beteiligten die erforderlich Hard- und Software haben und nutzen können, was ab einem gewissen Alter nur bedingt zutrifft. Diese Mail muß dann auch regelmäßig den wechselnden Programmen angepaßt werden. Was mich betrifft, ich bleibe bei der Papiervariante, ist einfacher, Strom- und Programmunabhängig, und wesentlich persönlicher
24. Februar 2009 um 11:23
wenn man dann zu Lebzeiten noch ein Laptop aanbietet, selbstverständlich mit WLAN damit man aus dem Jenseits auch senden kann, könnte man auch noch einen Jenseits-Blog einrichten und.. und.. und…
24. Februar 2009 um 16:04
seit rund zehn tagen geistern nun in der presse und im internet meldungen über finalpopup.com rum. habe mich von anfang an damit etwas befasst und muss sagen: ICH find’s gut (und inzwischen habe ich mich auch registriert)!
es ist schön zu lesen, welche gedanken sich verschiedene menschen zum thema so machen. meistens sind die beiträge kritisch bis zynisch und fast immer (wie auch in diesem fall) sehr versiert geschrieben.
ich wünsche der geschäftsidee jedenfalls allen erfolg. auch aus eigennutz: wenn die bankrottieren, bin ich meine letzten botschaften auch wieder los…
in diesem sinne…