Microsoft möchte mit Windows 7 gern den Flop mit dem nur mäßig erfolgreichen Vista ausbügeln und setzt eine Menge Hoffnung auf das neue Windows, damit nicht möglicherweise der Marktanteil der Anbieter mit alternativen und gut funktionierenden Betriebssystemen noch größer wird.
Kaum ein Unternehmen versteht sich so gut auf Marketing wie Microsoft. Dort gelingt es sogar, den nur wenig publikumstauglichen und die Grenzen der Peinlichkeit gern schon einmal überschreitenden Steve Ballmer irgendwie doch noch positiv zu verkaufen. Da konnte man auch zur Einführung von Windows 7, für das seit einiger zeit verstärkt getrommelt wird, eine Marketing-Idee der ganz besonderen Art erwarten.
Tatsächlich hat Microsoft seine Kunden nicht enttäuscht und gestern, am 15. Juli, einen besonders nachhaltigen Eindruck hinterlassen: Die treuen Windows-Kunden sollten, als „Dankeschön“, wie das Redmonder Unternehmen verlauten lies, einen Gutschein für das im Oktober erscheinende Betriebssystem kaufen können, um Windows für nur knapp 50 Euro anstelle des vorgesehenen Verkaufspreises um 120 bis 200 Euro zu erhalten. Eine tolle Idee – wenn man ein ganz früher Frühaufsteher ist. Denn die so vollmundig auf vier Wochen angelegte Aktion verpuffte bereits am frühen Vormittag, als die meisten der 13 beteiligten Shops bereits „Ausverkauft“ meldeten. Entsprechend frustriert zeigten sich die willigen Käufer, die immerhin bereit waren, nach der durch Vista verursachten Durststrecke nun sogar ein neues Betriebssystem nahezu „blind“ zu kaufen. Die wütenden Kommentare trafen dabei dummerweise weniger den Verursacher, – erwähnte ich schon, dass Microsoft sich auf Marketing versteht? – sondern die anbietenden Unternehmen, die, wie etwa Amazon, bereits nach wenigen Minuten ihr Angebot einstellen mussten.
Wie der Focus in seiner Online-Ausgabe zu berichten weiß, hat Microsoft weltweit nach eigenen Angaben insgesamt eine Million Exemplare zum Frühbucherpreis bereitgestellt. Da fällt es einem schon schwer, nicht direkt in eine gewisse Hähme auszubrechen. Den Anteil für Deutschland wollte der Konzern sicherheitshalber erst gar nicht mitteilen. zur Verfügung gestellt. Der Focus geht davon aus, dass die Online-Händler in Deutschland jeweils mehrere hundert Exemplare erhalten haben.
Also, mir kommt diese Geschichte ja etwas seltsam vor: da ist ein Betriebssystemhersteller, der weiß, dass seine Kunden händeringend darauf warten, ein gutes Betriebsystem zu erhalten. Dieser Hersteller möchte dann über vier Wochen die Kunden mit einem Sonderpreis versorgen und schätzt die Zahl der möglichen Kunden so fatal schlecht ein, dass ihm das Angebot schon im Ansatz um die Ohren fliegt? Aber, welch Glück, die Schelte bekommen die Händler ab. Ein Schelm, wem dabei der Begriff „Marketing-Gag“ in den Sinn käme. Immerhin können diejenigen, die jetzt zu kurz kamen, ja das Produkt zum doppelten Preis immer noch bestellen. Schon nett von Microsoft.


16. Juli 2009 um 09:00
…mit diesem “Eiertanz” hat Microsoft mir die Entscheidung zugunsten eines MacBook Pro noch etwas schmackhafter gemacht!
16. Juli 2009 um 09:01
Hallo,
Bin voll Ihrer Meinung! War im Mediamarkt leider der 32-igste; es waren nur 30 Programme da.
Werde mich ab sofort intensiv mit “Ubuntu” befassen, statt Win 7 !!
Mfg ermau
16. Juli 2009 um 09:44
Hallo Herr Kieslich,
ich darf zitieren:
“…da ist ein Betriebssystemhersteller, der weiß, dass seine Kunden händeringend darauf warten, ein gutes Betriebsystem zu erhalten.”
Äh, händeringend ?
Sehr, sehr viele PC-Benutzer arbeiten bereits mit sehr guten Betriebssystemen: Win XP, Linux.
Ich bin in der PC-Branch seit vielen Jahren tätig; ich habe nicht einen Kunden, der, vorausgesetzt er hat eines der o.g. Betriebssysteme, “händeringend” ein neues Betriebssystem sucht bzw. benötigt. Warum auch, zumal wenn alle benötigten Anwendungen auf dem “Chassis” gut laufen ?
Ich habe mehr Kunden, die mit Windows NT4.0 zufrieden sind als z.B. mit Vista ! Schlicht weil die Büroanwendungen nicht mehr verlangen, und eine Umstellung auf ein neueres Betriebssystem nur des Betriebssystems willen, den Betrieb, sprich die Firma an den Rand der Verzweiflung bringen würde, ob der vielen kleinen und größeren Unwägbarkeiten.
Ich kauf’ mit ja auch kein neues Auto, nur weil es von meinem Auto eine neue Version gibt; da müssen schon ein paar mehr Argumente existieren.
Wir Kunden sind es doch, die bestimmen sollten, auch über unser Geld, und nicht ein Unternehmen, erst recht nicht, wenn es ein Monopolist ist. Wir sind, wie gesagt, alle bereits bestens versorgt, warum also die Verarsche von Mircosoft überhaupt auf die Tagesordnung setzen ? Ich zumindest kann meine Zeit besser verbringen (z.B. mit dem Schreiben dieser Zeilen).
Gruß
Kai
16. Juli 2009 um 10:36
@ Kai
Natürlich war das “händeringend” überspitzt gemeint - wenn, dann betrifft es in erster Linie die Kunden, die sich derzeit mit Vista herumschlagen müssen. Bei denen vermute ich schon einen gewissen Leidensdruck. Ich stimme Ihnen zu, ich würde sicherlich auch nicht blind ein neues OS von Microsoft einkaufen. Die Erfahrung lehrt, dass man bei den relativ unreifen ersten Serien, die das Unternehmen in den Markt schickt, besser das erste Service Pack abwarten sollte.
16. Juli 2009 um 10:58
Guten Tag, Herr Kieslich,
ja so ist es im täglichen Leben: nur ein Buchstabe falsch getippt, und schon befindet man sich in der Vergangenheit; bei uns hatten wir gestern den 15. Juli.
Sollen die von Microsoft ihr Windows 7 doch behalten.
Ich falle auf diese “Verarsche” nicht herein und kann Amazon nur bedauern.
Die haben den Schaden!
Und der Kunde bleibt wachsam!
Es grüßt Sie
Eric
16. Juli 2009 um 11:12
Hallo
Ich bin auch einer der keins mehr abbekommen hat, obwohl ich seid Februar 2009 die Betaversion nutze und jetzt auf Windows 7 umstellen wurde, da es Vista um Längen schlägt.
Ich werde wohl bevor ich es für den doppelten Preis kaufe Linux genauer anschauen, weil ich mit solcher Verarsche nicht kann.
Sie hätten ja bei den Betatestern anfragen können ob sie es für 50 € kaufen
wollen
MfG Norbert
16. Juli 2009 um 11:14
@erde007
Danke, da ist mir wohl bei der letzten Zeitreise ein Monat abhanden gekommen.
16. Juli 2009 um 11:21
Meiner Meinung nach handelt es sich nicht um einen Marketing-Gag, sondern um bewusste Irreführung und Übers-Ohr-Hauen der Kunden, wenn nicht sogar um eine arglistige Täuschung. Gibt es nicht auch ein Gesetz, das den Anbieter von “Sonderangeboten” verpflichtet, für eine bestimmte Zeit das angebotene Produkt zum angebotenen Preis zur Verfügung zu stellen? Bei Sonderangeboten im “normalen” Handel ist das jedenfalls so. Und bein einem Angebot, das für eine Laufzeit von rund 4 Wochen angesetzt ist, ist es in meinen Augen Betrug am Kunden, wenn bereits nach wenigen Minuten angeblich alle Angebotsartikel ausverkauft sind. Bin ja nur gespannt, wann die ersten Klagen gegen Microsoft Deutschland als Anbieter anlaufen…
16. Juli 2009 um 11:31
Sehr geehrter Herr Kielich,
Ihre Aussage ist so nicht richtig, bei dem Media-Markt und Saturn wurden die Pakete schon in der letzten Woche verkauft. Hier in Lübeck wurden pro Markt gerade einmal 40 Pakete angeboten, auch bei Conrad und Amazon waren die wenigen Pakete schon um 8:00 Uhr vergriffen. Ein weiteres Problem ist doch das nur das Windows 7 Home Premium angeboten wurde, es gibt genügend User die das Vista Ultimate nutzen und hier gab es keine Angebote. Noch schlimmer ist es das Microsoft keine Update für diese Pakete anbietet, dieses ist nicht nur fresch sondern eine Verdummung der Kunden und dazu noch eine ungerechtfertigte Bereicherung. Wie kann dieses angehen das plötzlich für Betriebssystem in Deutschland keine Update angeboten werden, glaubt Microsoft das man bereit ist nochmals über 200,00 € für ein Betriebssystem auszugeben. In meinen Fall wären dieses fast 500,00 € wo das Windows Vista gerade einmal 1 Jahr alt ist. Dieses grenzt an eine Verrechheit hoch drei. Solange Microsoft sich so verhält brauchen diese sich nicht zu wundern, wenn die Haker weiter zu nehmen und es viele Anwender gibt die sich die Software schwarz besorgt, denn irgend wo sind die Grenzen des machbaren erreicht.
16. Juli 2009 um 12:26
Natürlich richtet sich der erste Zorn gegen die Händler, die sich für eine so fragwürdige “Sauerei” hergegeben haben. Wie kann man sich dazu hergeben, ohne vorher zu wissen, wie viele Exemplare man erhält! Bei Amazon bin ich persönlich vor allem darüber wütend, dass sie zwar prompt auf meinen Beschwerdebrief geantwortet haben aber nur mit dem Hinweis, dass ich Windows 7 auf der gleichen Seite ab sofort für 119,99 € vorbestellen kann! Als ob irgendjemand, der den “Microsoftschrott” für angemessene 50 € erwerben will, bereit ist, auch nur einen Cent mehr dafür auszugeben. Und solange ich von Amazon keine echte Entschuldigung bekomme oder gar eine geharnischte öffentliche Erklärung gegen diese fragwürdige Werbekampagne von Microsoft höre oder lese, geht von mir keine Bestellung mehr an Amazon. Und Microsoft? Die haben mit dieser Aktion mit Sicherheit keinen neuen Kunden gewonnen und ihre Exkunden, die mittlerweile mit SUSE oder Ubuntu oder sonst einem Linux bestens arbeiten zurückgewonnen. Und letztlich ist das Windows auch nicht mehr wert. Denn wenn man einen Rechner ohne Betriebssystem kauft, berträgt ja die Preisdifferenz maximal eben diese 50 €. Warum soll man also für einen selbstgebauten PC mehr ausgeben, wenn man bessere Betriebssysteme auch umsonst haben kann? Ich habe SUSE abonniert und zahle für jährlich 50 € und bekomme immer die neueste Version. Müsste ich nicht, aber ich unterstütze sie gerne und die Entwicklung ist ja sehr gut. Vor allem: Ich habe Windows so integriert, dass ich über die Windowsschnellstartleiste alle die Programme unter Linux im Windowsfenster nutzen kann, die unumgänglich sind, da viele Hersteller von z.B. Kameras immer noch nicht in der Lage sind, ihre Software auch für Linux anzubieten. (Meine neue Olympus E.620).
Außerdem bin ich Abonnent von Run Linux aus ihrem Hause, dass ich hier auch noch einmal lobend erwähnen möchte und nur wärmstens empfehlen kann.
16. Juli 2009 um 12:43
@diro
Diese gesetzliche Regelung greift, soweit ich weiß, leider tatsächlich nur im “normalen” Handel. Zudem ist es ja nicht so, dass die Ware nicht mehr verfügbar wäre - es gibt sie nur nicht mehr zu diesem Preis. Natürlich ändert das nichts an der Art und Weise, wie man sich da als Kunde “betreut” fühlt.
16. Juli 2009 um 13:04
Hallo,wenn ich das hier lese,kommt mir immer nur ein Gedanke!!Wie schön das ich noch nie Windows auf der Festplatte hatte,ich komme mit meinen Linux Systemen(Mepis 8.0 und Linuxmint Elysa) bestens zurecht!Ich habe mich noch nie für Windows interressiert und wie ich feststellen muss,zu Recht!
16. Juli 2009 um 16:08
Ich hatte den Newsletter von Conrad.de gestern um 8:10h bekommen und habe WINDOWS 7 sofort bestellt!! Um 10:00h bekam ich das Mail von Conrad.de, dass der Artikel nicht mehr zu haben sei ,sch… - aber sie wünschen, dass ich weiterhin Kunde bleibe, was ich mir aber schwer überlege!!
MfG
H.-R.Z.
16. Juli 2009 um 20:20
um 12:00Uhr am 15.07.09 war windows 7 schon ausverkauft. Dies ärgerte mich so sehr, dass ich dieses Bedtriebssystem für das doppelte auf gar keinen Fall kaufen werde und deshalb auf Linux umsteigen werde.
17. Juli 2009 um 12:07
Hallo Herr Kieslich,
nachdem ich mir die Reaktionen der Windows 7 Kaufinteressenten angesehen habe, halte ich es für eine komplette Fehleinschätzung von Microsoft mit dieser Angebotsofferte eine positive Marketing Strategie für Windows 7 zu erzielen. Für mein Verständnis war diese Aktion ein Schuß in den Ofen! Ein weitsichtiger Manager überlegt vorher von Wirkung und Ursache. Resultat: die User lassen von einem Monopolisten nicht so einfach “an der Nase herumführen” und wechseln zur seriösen Konkurrenz.
MFG sündhaft