Macbeth, II. Akt, III. SzeneDie Nacht war stürmisch; wo wir schliefen, heult’ es
Den Schlot herab; und wie man sagt, erscholl
Ein Wimmern in der Luft, ein Todesstöhnen,
Ein Prophezein in fürchterlichem Laut, die Zahl der
Von wildem Brand und gräslichen Geschichten,
Neu ausgebrütet einer Zeit des Leidens.
Der dunkle Vogel schrie die ganze Nacht durch:
Man sagt, die Erde bebte fieberkrank.
Und auch heute heult es immer mal wieder gern den Schlot herab, gern auch in Pressemitteilungen des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), den mitunter ein seltsames Kalkül umzutreiben scheint, etwa, wenn er, wie just geschehen, eine Pressemitteilung verbreitet, in der er behauptet, die “Zahl der durch Gewalt und Vernachlässigung getöteten Babys und Kleinkinder ist polizeilichen Erhebungen zufolge in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt deutlich gestiegen.”
Nun sind tätliche Angriffe auf Kinder etwas Schandbares und als Vorkommnis furchtbar genug, als das man mit den Zahlen noch Schindluder treiben müsste. Wer es dennoch tut, dem muss man die Frage stellen, welches Kalkül wohl hinter einer solchen illustrativ genutzten individuellen Wahrheit stehen mag. Ob der BDK, der in dem Blog-Beitrag “Die Medien sind für mehr getötete Kinder” von Stefan Niggemeier aufs vortrefflichste der kreativen Statistiknutzung überführt wird, diese Frage beantworten möchte, steht wohl in den Sternen. Vielleicht hilft aber ein Zitat aus der o.g. Meldung weiter: “Angesichts dieser Zahlen sprach sich der Kriminalistenverband für Veränderungen beim Datenschutz im Interesse des Kinderschutzes aus.”
Ebenso bedenklich wie die Meldung des BDK selbst ist aber auch die Tatsache, dass sie sich völlig kritiklos und ungeprüft in zahlreichen Medien wiederfand.


14. Januar 2009 um 06:03
[...] sich womöglich in allen Medien daran gewöhnen muss, dass Inhalte jedweder Couleur ohne Recherche übernommen werden oder die gezeigten Bilder wahlweise manipuliert sind oder sowieso nur [...]