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Der Sündenfall in Plastik

03. April 2009

Ich möchte Ihnen heute ein Rätsel aufgeben. Wie bekommt man das Internet, die Bibel, eine bekannte Spielzeugfirma und eine Schar von Anwälten unter einen Hut?

Kommen Sie drauf? Na gut, ich will es Ihnen verraten, es ist ganz einfach. Sie brauchen dazu einen engagierten Theologen mit einem Faible für die bekannten Playmobil-Figuren. Mit diesen Figuren stellt der Theologe schon seit langer Zeit Szenen aus der Bibel nach und präsentierte sie im Internet als Playmo-Bibel. Seine Darstellungen reichen von der Erschaffung der Erde über die Vertreibung aus dem Paradies über die Arche Noah, bis zur Herbergssuche und der Kreuzigung – alles aufgeführt mit etlichen Figuren, in die er ein kleines Vermögen investiert hat.

Schon haben Sie die ersten drei Bestandteile meines kleinen Rätsels beisammen. Aber wie kommen wir nun zu den Anwälten? Wie Sie ganz richtig beobachtet haben, schrieb ich im vorherigen Absatz „präsentierte“. Denn die Playmo-Bibel gibt es unter diesem Namen nicht mehr. Aha, sehen Sie, das ist eine gute Gelegenheit, um die Anwälte ins Spiel zu bringen.

Die Geschichte trug sich ungefähr so zu: Im Winter 2006 fand Markus Bomhard, (1) seines Zeichens evangelischer Theologe und Pastor, eine Teekiste im Keller, voll mit alten Playmobilfiguren. Und er entdeckte, dass man mit diesen Spielfiguren Geschichten gestalten konnte, die ihm besonders am Herzen liegen: Geschichten aus der Bibel.

Seit dem Frühjahr 2007 gestaltet Herr Bomhard nun die Bibel in Playmobil. Dazu nutzt er die bekannten Figuren, die er zum Teil in pingeliger Kleinarbeit modifiziert. Damit auch andere auch etwas davon haben, stellte er das ganze ins Internet – als Playmo-Bibel.

Auch die Herstellerfirma der lustigen Figuren war über Jahre hinaus angetan und schrieb ihm so nette Zeilen wie „Nun wünsche ich Ihnen für die Fortsetzung des Projekts viele gute, kreative Ideen und bitte Sie, bei Medienkontakten und auf Ihrer Webseite auf die Unterstützung von PLAYMOBIL hinzuweisen.“ (2)

Damit könnten wir uns nun glücklich zurücklehnen und auf die entsprechende Oster-Szene von Herrn Bomhard warten. Aber weit gefehlt – erinnern Sie sich noch an die Anwälte? Anfang 2009 traten diese auf den Plan, um zu tun, was Anwälte häufig tun, wenn sie dazu beauftragt werden – sie schickten Herrn Bomhard eine Unterlassungserklärung, nach der sein Projekt nicht nur nicht mehr Playmo-Bibel heißen darf, sondern es auch keine Druckerzeugnisse mit den Bildern geben darf und er die Figuren auch nicht verändern darf. (3) Denn, so der Hersteller, die Bomhardsche Nutzung würde Urheberrechte verletzen, weil der hessische Pastor Figuren entsprechend der Szenerien bemalt habe oder auch schon einmal mit einem Fön Arme zurechtgebogen hat. Doch auch Zugeständnisse wie die Umbenennung in klicky-bibel.de, Feigenblätter aus Herstellerproduktion und andere Fotoperspektiven stimmten das zuvor noch so begeisterte Unternehmen milde. Es ist vergrätzt und mag weder durch die Publicity, die es durch des Pastors nichtkommerzielle Bibelseite erfahren hat, noch durch die horrenden Beträge, die der Theologe als Kunde investiert hat, Milde stimmen lassen. Playmobil-Figuren dürften nun einmal nicht verändert werden, so der Standpunkt des Unternehmens, das ansonsten nichts gegen biblische Darstellungen hat und selbst etliches zum Bibel-Selbstbau anbietet, etwa Ägypter, Römer, Pyramiden, Tempel, die Arche Noah, eine Weihnachtskrippe und die Heiligen Drei Könige anbietet.

(1) = http://www.klicky-bibel.de/myself.htm

(2) = http://www.klicky-bibel.de/unverstaendnis.htm

(3) = http://www.ngz-online.de/public/article/digitale/internet/692006/Pastor-kaempft-um-Playmobil-Bibel.html

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