Es mag all jenen, die mit dem Schreiben oder Verkaufen von Texten ihr Geld verdienen, nicht wirklich gut gefallen, aber die Idee, für Inhalte im Internet eine Vergütung erwarten zu können, wird vom Leser schlicht nicht goutiert.
So zeigte eine aktuelle Umfrage in Großbritannien, dass wohl nur etwa fünf Prozent der Leser bereit wären, für ihre Online-News zu zahlen.
Der Fluch des Umsonst-Gedankens, der einst aus gutem Grund von vielen Anbietern selbst ins Leben gerufen wurde, lässt sich nun, allen Wehklagens zum Trotz, von den Verlagen nicht mehr einfach so aus der Welt schaffen.
In einer Umfrage von paidContent:UK wurden Internet-Nutzer befragt, die mindestens einmal monatlich eine kostenfreie News-Seite lesen. Dabei zeigt sich, dass rund drei Viertel der Leser sich schlicht eine neue kostenfreie Nachrichtenseite suchen würden, sollte ihr bisheriger Favorit sich dazu entschließen, den Dienst kostenpflichtig zu machen. Auf der anderen Seite stehen magere fünf Prozent, die bereit wären, für die journalistische Leistung zu bezahlen.
Interessant sind aber auch die Zahlen zwischen diesen beiden Positionen. Laut paidContent:UK würden acht Prozent der Leser zu einer Art Zwischenlösung greifen und die weiterhin kostenfreien Überschriften lesen. Hier kann man konstatieren, dass es sich um Leser mit einem äußerst geringen Informationsbedürfnis handelt, ähnlich der Klientel, die ihren über die Headlines in der Kioskauslage festlegen.
Neben diesen acht Prozent „vorgetäuschter“ Leser ist die spannendste Gruppe die, die noch nicht sicher ist, was sie denn wohl tun würde. Immerhin 12 Prozent sehen sich hier in Ratlosigkeit vereint. Damit sind diese 12 Prozent auch die Gruppe, die letztlich für eine gewissen Gewichtung sorgen kann. Es ist schon ein gewisser Unterschied, ob sich 95 Prozent der Leser dazu entscheiden, dass die angebotene Leistung die Bezahlung nicht lohnt oder ob wir, im besten Fall, von „nur“ 83 Prozent sprechen. Ein Desaster hinsichtlich der (im Wortsinne) Wertschätzung der journalistischen Leistung ist es allemal. Aber es kann ja auch sein, dass die hier Befragten lediglich nicht gewillt sind, Herrn Murdochs Verlagsimperium eine weitere Einnahmequelle zu gönnen, während nicht klar ist, wie viel von diesen möglichen Umsätzen bei den Autoren landen.
Vielleicht sollten sich Verlage, statt das böse Internet zu beweinen, wieder darauf besinnen, dass ihr Verkaufserfolg auch von der Qualität ihrer Medien abhängt. Wenn man hier, wie in den letzten Jahren geschehen, immer weiter kürzt und den Druck erhöht, darf man sich nicht wundern, wenn das Ergebnis nicht mehr den Erwartungen entspricht.
Schafft man es zusätzlich nicht, Vermarktungskonzepte zu entwickeln, die über die enge Sichtweise der Printwelt hinausgehen, sollte man eher die eigene Nase suchen, statt wieder einmal mit dem Finger auf das böse kostenlose Internet zu zeigen.
Auch hierzulande fehlt das grundlegende Verständnis für die qualitative Fundierung, wenn man, wie einige Parteien es derzeit tun, den so genannten Qualitätsjournalismus ausschließlich in Printmedien verorten will. Dass dem nicht so ist, beweist uns mittlerweile nicht nur im Negativausschluss die Boulevardpresse mit ihrem nicht vorhandenen Recherche- und Wahrheitsanspruch, sondern auch die Riege der Abschreiber und Agenturaufbereiter in vormals redaktionell arbeitenden Zeitungen. Im umgekehrten Fall finden sich Angebote im Internet, die eine inhaltliche Tiefe aufweisen, die man sich von vielen Printmedien nur wünschen kann.

