Zur Digitalfotografie gehört heute untrennbar auch die Bildbearbeitung. Dabei schwören einige Anwender auf die Mausbedienung, andere bevorzugen Grafiktabletts. Alles das empfinde ich aber immer noch etwas wenig intuitiv – mein Wunsch ist es, direkt auf dem Bild arbeiten zu können, ganz so, wie man es auch mit einem Stift oder Pinsel auf Papier machen würde. Dabei sollte der notwendige elektronische Unterbau noch möglichst mobil sein und nicht durch umständliche Kabel stören.
Seit einigen Tagen ist mein Wunsch nun in Erfüllung gehangen – ich habe mir ein ModBook besorgt. Dabei handelt es sich um ein Produkt des amerikanischen Unternehmens Axiotron, das schlicht hingegangen ist und ein MacBook von Apple mit einem per Stift bedienbaren Bildschirm gekoppelt hat. Dieser „Tablett-Mac“ bietet nun alle Funktionen eines normalen 13-Zoll-Laptops, lässt mich aber per drucksensitivem Stift direkt auf der Bildschirmoberfläche arbeiten. So spannend habe ich Photoshop & Co. noch nie erlebt.
Gleich vorweg: Ich bin von diesem umgebauten Apple MacBook nach wie vor extrem begeistert. Es mag nicht jedermanns Sache sein, aber mir kommt das intuitive Arbeiten direkt auf dem Bild sehr entgegen. Zudem macht das durchdachte Gerät einfach Spaß. Ich empfinde den Stift hier als ideale Verlängerung der Hand und wesentlich intuitiver als eine Maus oder ein Grafiktablett.
Auf meinem ModBook sind inzwischen Photoshop CS3, Aperture, Bibble, DxO Optics Pro und Lightroom installiert und arbeiten problemlos.
Das ModBook hat den Vorteil, komplett aus dem bereits bewährten Apple-Laptop aufgebaut zu sein. Entsprechend gibt es bei der Technik keine unliebsamen Überraschungen und man erhält das Gerät komplett konfektioniert mit OS X Leopard.
Endlich ein Mac-Tablett
Da das Gerät ein voll funktionsfähiges MacBook ist, verfügt es über alle Schnittstellen des MacBook und kann auch mit einer externen Tastatur betrieben werden. Im Kern wurde beim MacBook der Deckel mitsamt Bildschirm entfernt und durch ein neues 13“-Toshiba-Panel mitsamt einem druckempfindlichen Wacom-Pad mit 512 Druckstufen ersetzt. Diese Stiftbedienung macht das Gerät dann auch für Zeichner, Designer und Bildbearbeiter interessant, da man sich den Zwischenschritt eines Grafiktabletts und der damit verbundenen Koordinationseinbußen erspart. Als zusätzliche Ausstattung kommt ein serienmäßiges GPS-Modul hinzu.
Geliefert wird das ModBook in der Original-Apple-Verpackung des MacBook – auch das Zubehör von Apple wird mitgeliefert. Ergänzt wird das Ganze durch eine spezielle CD mit der Axiotron-Installationssoftware und zwei Stifte zur Bedienung des Rechners.
Dabei liegt das Gerät gut in der Hand, es ist trotz des solide wirkenden Umbaus – die (Bildschirm-)Oberfläche besteht aus speziell gehärtetem Glas – nicht deutlich schwerer als ein normales MacBook und bringt etwa 2,5 Kilo auf die Waage. Der Rahmen selbst ist aus Aluminium und macht einen äußerst robusten Eindruck.
Die Oberfläche der matten Glasfläche fühlt sich bei der Stiftbenutzung angenehm und leicht rau an, etwa so, als würde man auf Papier arbeiten. Die Farbwiedergabe ist etwas wärmer als bei Apple-Displays, aber im Zweifelsfall wird man sowieso eine Bildschirm-Kalibrierung durchführen, wenn man vorhat, mit dem ModBook Fotos zu bearbeiten.
Derzeit weist das ModBook eigentlich nur zwei Mängel auf: Die mitgelieferten Stifte wirken in ihrem weißen Plastik etwas billig und verkratzen leicht in der „Stiftgarage“ im Bildschirmrahmen. Das schränkt die Funktion zwar nicht ein und die magnetische Halterung der Stifte ist sogar sehr durchdacht, doch etwas hübscher wäre auch nett. Problem Nummer 2 ist der Bluetooth-Betrieb, der aufgrund einiger Software-Schwierigkeiten nur über einen externen Dongle möglich ist.
Eine Einschränkung, die man nicht dem ModBook vorwerfen kann, ist der Umstand, dass Apple seit OS X 10.5 das softwareseitige Drehen des Displays unterbunden hat. Damit ist der beliebte Portraitmodus nur zu nutzen, wenn man Windows in einer Emulation oder per BootCamp einsetzt.
Außer den äußeren Veränderungen fällt das ModBook durch seine Stifteingabe auf. Damit auch problemlos Texteingaben möglich sind, hat Axiotron die Software Quickclicks installiert, die eine kleine OnScreen-Tastatur auf dem Bildschirm erscheinen lässt. Diese Software stammt vom Hersteller AssistiveWare und bietet einige Optionen: Zum einen lassen sich Buchstabe für Buchstabe Zeichen antippen, zum anderen bietet Quickclicks aber auch einige spezielle Tastaturlayouts an, mit denen sich bestimmte Funktionen auslösen lassen. Benötigt man die Tastatur nicht, kann sie per Druck auf eine der Stift-Tasten ausgeblendet werden.
Als Apple-eigene Texteingabemethode bietet das ModBook (wie jeder Apple) das Programm Ink an, eine Handschrifterkennung, die sich aus der Zeit des Apple Newton in die neuen Betriebssysteme gerettet hat. Sie passt sich in Grenzen der Handschrift des Nutzers an und erlaubt bei einigermaßen lesbarer Handschrift eine gute Erkennungsrate.
Eine Erweiterung zu Ink bietet die Software InkBook, die als Notizbuch auf dem Bildschirm erscheint und bestens dazu geeignet ist, Notizen oder Skizzen zu machen, die erst später ‚dechiffriert’ werden sollen. Praktisch vor allem, um während eines Meetings Notizen zu machen.
Gebaut wird das ModBook vom Unternehmen Axiotron des früheren Apple-Mitarbeiters Andreas Haas. Das ModBok wurde erstmals 2007 auf der MacWorld Expo vorgestellt, letztlich hat sich die Auslieferung der ersten Geräte aber noch fast ein Jahr hingezogen. Axiotron selbst führt keine Umbauten an den MacBooks durch, sondern liefert ein so genanntes Conversion-Kit, mit dem ein MacBook modifiziert wird, an zertifizierte Vertriebspartner aus. Der Händler selbst – in diesem Falle Other World Computing (OWC) nimmt dann den Umbau an einem handelsüblichem MacBook vor und liefert auch das Gerät.
Die Wartezeit zwischen der Bestellung bei Other World Computing und der Auslieferung ist mit rund 6 bis 8 Wochen noch recht lang. Ich selbst habe am 23. April die Bestellung abgeschickt und das ModBook am 12. Juni erhalten. Dafür ist die eigentliche Lieferung via UPS oder FedEx rasend schnell und problemlos. Wann ein Vertrieb in Deutschland existieren wird, steht derzeit noch etwas in den Sternen. Andreas Haas teilte uns auf Anfrage mit, dass man derzeit Gespräche mit interessierten Handelspartnern in Deutschland, Frankreich, Italien, England, Irland und der Schweiz führen würde.
Keine Angst vor den USA
Angst vor der Bestellung in den USA muss man dabei nicht haben – OWC ist ein etabliertes Unternehmen, das auch per E-Mail zu erreichen ist. Außerdem wird der Kaufpreis erst von der Kreditkarte eingezogen, wenn das bestellte Gerät auch ausgeliefert wird. Um die Zollabwicklung des Gerätes kümmert sich dankenswerterweise das Versandunternehmen, so dass man das ModBook problemlos nach einigen Tagen an der Haustür in Empfang nehmen kann. Die Versandkosten selbst sind dabei erträglich und liegen mit Versicherung bei etwa 60 Dollar.
ModBooks gibt es in unterschiedlichen Konfigurationen ab 2.279 Dollar, dazu muss der deutsche Käufer aber noch die unumgängliche Einfuhrumsatzsteuer auf den aktuellen Euro-Preis rechnen. Derzeit erhältlich sind ModBooks mit einem 2.1GHz oder 2.4 GHz Core 2 Duo Prozessor erhältlich. Der Arbeitsspeicher beträgt standardmäßig 1 GB beim 2.1 GHz-Modell und 2 GB beim 2.4 GHz-Gerät und kann bis 4 GB erweitert werden. Als Festplatte kommt in der Basisversion eine 120 GB- bzw 160 GB-Platte zum Einsatz. Die Plattenkapazität kann auf Wunsch bis 500 GB ausgebaut werden. Außerdem ist ein CDRW/DVD-Rom Combo Drive (2.1 GHz-Version) bzw. Double-layer SuperDrive (2.4 GHz-Version) enthalten, das der Anwender aber auf Wunsch auch durch eine weitere Festplatte bis 250 GB ersetzen kann. Die WLAN-Verbindung ist bei beiden Modellen nach dem neuesten Standard 802.11b/g/n möglich.



19. März 2009 um 06:04
[...] Erinnern Sie sich noch? Im letzten Sommer habe ich mir das geniale ModBook aus den USA besorgt und nutze seitdem mit wachsender Begeisterung diesen Tablett-Rechner zur Bildbearbeitung (http://www.kieslichdaily.de/auf-dem-apple-zeichnen/). [...]