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Änderungen am geplanten Datenschutzgesetz gefordert

27. Januar 2009

Am letzten Donnerstag kamen auf Initiative der Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG in Berlin Vertreter von 250 mittelständischen Unternehmen, Verbänden und gemeinnützigen Organisationen zur 1. Berliner Datenschutzrunde zusammen.

Sie sehen aufgrund der derzeit geplanten datenschutzrechtlichen Änderungen zum Teil dramatische Konsequenzen auf sich zukommen und befürchten den Verlust von tausenden von Arbeitsplätzen, sorgen sich um zukünftige Spenden und erwarten “Kollateralschäden” für die Markt- und Meinungsforschung.

Gemeinsam mit Vertretern aus Politik und Verwaltung - darunter Sebastian Edathy MdB (SPD, Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestages) und Ulrike Höfken MdB (Bündnis 90/Die Grünen, Vorsitzende des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Deutschen Bundestages) – wurde über modernen Datenschutz zu diskutieren. Im Vordergrund der Debatte stand die von der Großen Koalition geplante Verschärfung des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG). Spendenorganisationen und Unternehmen warnten die Politik vor übereilten Entscheidungen und den sich daraus ergebenden dramatischen Konsequenzen für ihr wirtschaftliches Handeln und zivilgesellschaftliches Engagement.

“Wir werden pro Jahr 15-20 Prozent unserer Kunden verlieren. 200 Arbeitsplätze in unserem Unternehmen sind bedroht, weitere bei unseren Dienstleistern durch weniger Aufträge”, sagte Günter Stallecker, Justiziar des Versandhändlers Robert Klingel. Alternative Werbewege zum adressierten Brief würden 20 Mio. Euro Zusatzkosten verursachen. Hierzu Verleger Alexander Holzmann: “50-70 Prozent unserer Abonnenten gewinnen wir durch adressierte Werbung. Wir versenden mehrere hunderttausend Werbebriefe, bekommen aber nur eine Handvoll Beschwerden. Das geplante Gesetz ist mittelstandsfeindlich.”

Christine Rust von SOS Kinderdorf e.V. befürchtet eine Schrumpfung ihrer Organisation in den nächsten 10 Jahren auf eine kleine Bürgerinitiative, da Neuspender wegfallen werden, der Verein aber existenziell auf diese angewiesen ist. Die geplante Ausnahmeregelung für gemeinnützige Organisationen werde nicht greifen - Alternativen zur adressierten Werbesendung gibt es aus ihrer Sicht nicht. Johannes Bausch vom Deutschen Fundraising Verband e.V. teilt diese Auffassung:

“80 Prozent unserer Neuspender erreichen wir über Mailings. Auch wir werden schrumpfen und können in Zukunft statt 60 Cent nur 40 Cent pro Euro weitergeben”.

Hartmut Scheffler, Geschäftsführer der TNS Infratest Holding, befürchtet “Kollateralschäden” für die Markt- und Meinungsforschung. Eine qualitativ gute, objektive Marktforschung werde nicht mehr möglich sein - weder für die Politik und ihre Parteien, noch für die Medien. Der Vertreter des Berufsverbands der Datenschutzbeauftragten Deutschlands e.V., Roman Maczkowsky, betonte, dass die geplanten Änderungen Missbrauchsfälle wie die der letzten Monate in Zukunft nicht verhindern werden. Er vermisse im Gesetzesvorhaben eine Stärkung der Datenschutzbeauftragten und die Prämisse eines präventiven Ansatzes.

Der Vorsitzende des Innenausschusses im Deutschen Bundestag, Sebastian Edathy MdB (SPD) und die Vorsitzende des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ulrike Höfken MdB (Bündnis 90/Die Grünen), hingegen verteidigten die geplante Regelung, wonach Verbraucher ausdrücklich zustimmen müssen, wenn Firmen Daten ihrer Kunden weitergeben wollen.

“Ich muss als Bürger das Recht haben, Werbung zu verhindern”, so Edathy. Über die Parteigrenzen hinweg bestehe der Konsens, dass die Verbraucher die Souveränität über ihre Daten wieder erlangen müssten. Beide Politiker betonten jedoch auch ihre Dialogbereitschaft gegenüber den Unternehmen, Verbänden und gemeinnützigen Organisationen und luden diese zu konkreten Gesprächen ein.

Helmut Graf, Initiator der Veranstaltung und Vorstand der Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, hob zum Schluss hervor: “Natürlich hat der Verbraucher das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Doch das “Wie” macht mir Sorgen. Der vorliegende Gesetzentwurf vermengt Datenschutz, Verbraucherschutz und Geschäftskontakte zwischen Firmen und Kunden und bedroht somit unsere Existenz.” Der einzige mögliche Ausweg sei ein Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sowie die gemeinsame Suche nach tragfähigen Alternativlösungen. 

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3 Antworten zu “Änderungen am geplanten Datenschutzgesetz gefordert”

  1. Corina sagt:

    Es ist schon ganz furchtbar für Unternehmen, wenn sie nicht mehr so einfach an Adressen kommen und wir Verbraucher vor unangeforderter Werbung gefeit sind. Alternative Werbewege sind natürlich undenkbar und viel zu teuer und überhaupt.
    Wenn der Kauf von Verbraucherdaten das ist, was die Existenz von Firmen sichert, dann sieht es insgesamt sehr traurig aus in Deutschland.
    Alternative Werbewege könnten aber Arbeitsplätze schaffen, das nur mal so am Rande.
    Ich für meinen Teil finde es zum Erbrechen, wenn ich sehe, wieviel Müll durch diese adressierten Werbesendungen fabriziert wird. Bunte Hochglanzprospekte kosten schließlich auch was und gehen zu Lasten der Umwelt.
    Wenn ich den Willen habe etwas zu spenden, dann mache ich das auch ohne diese unzähligen, briefkastenfüllenden Botschaften, die dafür sorgen, dass von meinem Euro nur noch 60 Cent weitergegeben werden können.
    Und komisch wie ich bin, habe ich was dagegen, wenn meine Daten an Hinz und Kunz weitergegeben werden.

  2. Andreas sagt:

    Was geht mir dieses Gejammer der deutschen Wirtschaft auf die Nerven (übrigens der Verlag der dt. Wirtschaft ist auch Herausgeber von Computerwissen.de mit all seinen Newsletter-Ablegern und sonstigen Publikationen!).
    Viele der Adressen und Daten waren entweder in rechtlichen Grauzonen, sehr grenzwertig legal oder bereits illegal weitergegeben und damit Unsummen an Geld verdient worden. Klar würde ich auch jammern, wenn mir hier ein Hahn zugedreht werden würde. Dass das Ganze aber höchst bedenklich war stört die Verantwortlichen nicht, die Dreistigkeit wie es gemacht wurde und die Häufigkeit haben vergessen lassen, welche Tabus und Verbote gebrochen wurden. Hier ist ein kriminell organisierter Markt entstanden und man versucht jetzt durch Heuchelei und wenigen, harmlosen Beispielen den Gesetzgeber zum Umlenken zu bewegen.
    Interessant fand ich, dass im Newsletter erst über den Protest der Wirtschaft zum geplanten Datenschutz berichtet wurde, danach darüber, dass es immer mehr Spams und elektronischen Werbemüll gibt (der ja uns allen durch Traffic, Zeit, etc. Unsummen an Geld kostet).
    Wie realitätsfern seid ihr bitte?
    Leider muss in Deutschland immer erst etwas passieren, großer Schaden muss entstehen, bevor die Politik Änderungen veranlasst! Und genau das ist in den letzten Monaten und Jahren immer wieder passiert! (Siehe auch unzählige Test z.B. auch von Stiftung Warentest mit gefakten Adressdaten, die plötzlich wild im Umlauf waren)

    Ich hoffe das Gesetz kommt ohne Änderung durch und bestaune Obama, wie er doch seit Amtsantritt Lobbyisten zurechtstutzt!

  3. kieslich sagt:

    @ Andreas

    Was genau ist denn an der Berichterstattung realitätsfern?

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